Keine «wahrhaft globale» Versammlung

Erstmals eine Frau an der Spitze der Anglikaner

Sarah Mullally
Am Mittwoch dieser Woche wurde Sarah Mullally formal in ihr Amt als geistliches Oberhaupt der Anglikanischen Kirche eingeführt. Unter den 2000 Gästen, darunter Royals, ist bemerkenswert, wer nicht an dem Anlass teilnahm.

Der Anlass in der Kathedrale von Canterbury begann damit, dass Sarah Mullally dreimal mit einem Stab an die Tür der Kathedrale klopfte, um Einlass zu erbitten. Später nahm die 63-Jährige auf zwei verschiedenen Thronen Platz, die die doppelte Verantwortung ihres Amtes symbolisieren: Sie wird als 106. Erzbischöfin der Diözese Canterbury und als geistliches Oberhaupt der weltweit 85 Millionen Gläubigen der Anglikanischen Kirche eingesetzt.

Zu den rund 2'000 Gästen zählten der Prinz und die Prinzessin von Wales, Premierminister Sir Keir Starmer und christliche Würdenträger aus der Church of England, der Anglikanischen Gemeinschaft sowie anderen Konfessionen und Traditionen.

«Nichts ist unmöglich bei Gott»

Mit diesem Wort des Engels Gabriel an Maria eröffnete Mullally ihre Predigt. Als sie sich als Teenager entschied, Jesus nachzufolgen, hätte sie sich eine Zukunft als Erzbischöfin von Canterbury niemals vorstellen können. Weiter sprach sie über die Opfer der Kriege im Nahen Osten, aber auch in der Ukraine, im Sudan und in Myanmar. Schliesslich sprach sie auch die Opfer von verschiedenen Skandalen innerhalb der Kirche an: «Wir dürfen den Schmerz derjenigen, die durch das Handeln, die Untätigkeit und das Versagen von Menschen in unseren eigenen christlichen Kirchen und Gemeinschaften Schaden erlitten haben, nicht übersehen oder herunterspielen.» Allzu grosse Nachsicht in diesen Fragen hatte Mullallys Vorgänger Justin Welby schwer geschadet.

Wer nicht da war

Sarah Mullally klopfte dreimal mit einem Stab an die Tür der Kathedrale

Obwohl die Amtseinsetzung der obersten Anglikanerin als «wahrhaft globale Versammlung» angekündigt worden war, ist auffällig, das die Oberhäupter von 16 anglikanischen Provinzen nicht gekommen waren. Die Anglikanische Gemeinschaft umfasst 42 Provinzen, von denen jede autonom ist und die zusammenarbeiten sollen. Die Bischöfe von 24 Provinzen waren gekommen, zwei weitere, Pakistan und Burundi, entsandten Vertreter. Drei weitere, Jerusalem, Melanesien und der amtierende Primas von Papua-Neuguinea, hatten sich aufgrund von Reiseschwierigkeiten, die durch den Golfkrieg verursacht wurden, entschuldigt.

Zwölf Bischöfe, also mehr als ein Viertel der Gesamtheit, hatten sich geweigert, an dem Gottesdienst teilzunehmen: die Bischöfe von Alexandria, Chile, Kongo, Indischem Ozean, Kenia, Myanmar, Nigeria, Ruanda, Südostasien, Südsudan, Sudan und Uganda waren ferngeblieben; die Leiter der konservativen anglikanischen Vereinigungen Gafcon (Global Fellowship of Confessing Anglicans) und von GSFA (Global South Fellowship of Anglicans) hatten sich im vergangenen Jahr von der Führung des Erzbischofs von Canterbury losgesagt: Die Kirche von England habe den «historischen Glauben, der seit der Zeit der Apostel überliefert wurde», verlassen. Seitdem gibt es zwei anglikanische Weltgemeinschaften.

Ursprüngliche Pläne, einen weltweiten Konkurrenz-Erzbischof zu wählen, wurden allerdings von den konservativen Anglikanern verworfen. Stattdessen erklärte Gafcon, man wolle «alte Strukturen und alte Titel hinter sich lassen» und stellte einen «Global Anglican Council» unter der Leitung des ruandischen Erzbischofs Laurent Mbanda vor, den sie als zukünftiges verbindendes Glied der Gemeinschaft ansehen wollen.  

Nach eigenen Angaben repräsentiert Gafcon 85 Prozent der praktizierenden Anglikaner weltweit.

Zum Thema:
Abkehr von Christentum: Viele Briten fürchten Auswirkungen 
Mehr christlich oder atheistisch?: England und Wales: Fünfmal mehr junge Männer im Gottesdienst  
Vision erregt die Gemüter: Anglikaner: 10'000 neue Gemeinschaften – echt?

Datum: 27.03.2026
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / Christian Times / BBC

Publireportage
Werbung
Livenet Service
Werbung