China erhöht Druck

Anwälte inhaftierter Leiter im Visier der Behörden

Grace Jin Drexel hat ihren Vater, Ezra Jin, seit 2020 nicht mehr persönlich gesehen
Chinesische Behörden verstärken den Druck auf Anwälte, die inhaftierte Leiter der Pekinger Zion-Kirche verteidigen – eine Hauskirche, deren Gründer, Pastor Ezra Jin, vor fünf Monaten im Rahmen einer Razzia festgenommen wurde.

Die Behörden entzogen Zhang Kai, einem in den Fall involvierten Anwalt, die Zulassung, berichtete das «Wall Street Journal» erst vor kurzem. Mehrere andere Anwälte, die mit der Verteidigung der Zion-Kirche verbunden sind, wurden demnach ebenfalls suspendiert oder in Gesprächen mit Beamten mündlich verwarnt.

Vertreter der Kirche erklärten in einem Schreiben, dass die Behandlung der Anwälte einer Missachtung der Gerechtigkeit und der Rechtsstaatlichkeit gleichkomme.

Grace Jin, die Tochter des Pastors, wurde mit den Worten zitiert, dass der Druck auf die Anwälte es der Familie erschweren könnte, Informationen über seinen Zustand zu erhalten und eine rechtliche Verteidigung aufzubauen.

Fast 30 Leiter verhaftet

Jin, auch bekannt als Jin Mingri, wurde im Oktober 2025 in seinem Haus in Beihai in der Provinz Guangxi festgenommen. Etwa zur gleichen Zeit wurden fast 30 Leiter und Mitglieder der Zion-Kirche in mehreren Städten, darunter Peking, Shanghai und Shenzhen, entweder verhaftet oder als vermisst gemeldet.

Achtzehn Personen, darunter Jin, werden derzeit in einem Gefängnis in Beihai im Süden Chinas festgehalten, berichtete das Wall Street Journal. Der Druck auf die Anwälte hat die Besorgnis über einen Fall verstärkt, der bereits diplomatische und religiöse Bedeutung hat.

Jins Familie hat enge Verbindungen zu den Vereinigten Staaten. Seine Frau, Chunli Liu, lebt seit 2018 mit den drei gemeinsamen Kindern in den Vereinigten Staaten, die alle US-Staatsbürger sind. Seine Tochter ist Mitarbeiterin im US-Senat.

US-Aussenminister fordert Freiheit

US-Aussenminister Marco Rubio hat Jins Freilassung gefordert, ebenso wie Mitglieder des Kongresses. Rubio erklärte, das Vorgehen zeige die Feindseligkeit der Kommunistischen Partei Chinas gegenüber Christen, die staatliche Einmischung in ihren Glauben ablehnen und in nicht registrierten Kirchen beten. Er forderte Peking auf, Menschen aller Glaubensrichtungen zu erlauben, ihren Glauben ohne Angst vor Vergeltung auszuüben.

Jin (56) gründete die Zion-Kirche im Jahr 2007, nachdem er am «Fuller Theological Seminary» in Kalifornien studiert hatte. Nach den Protesten auf dem Tiananmen-Platz im Jahr 1989, an denen er teilnahm, konvertierte er zum Christentum und wurde zu einem der bekanntesten Leiter der Hauskirchenbewegung in China.

Die Zion-Kirche entwickelte sich zu einer der grössten protestantischen Untergrundkirchen Chinas.

Wachstum nach Schliessung

Nachdem Behörden 2018 ihr Gemeindegebäude in Peking durchsuchten und die Kirche schlossen, verlagerte die Zion-Kirche ihre Gottesdienste ins Internet und baute kleinere Gemeinden im ganzen Land auf. Ihre virtuellen Gottesdienste zogen oft bis zu 10’000 Teilnehmer auf Plattformen wie Zoom, YouTube und WeChat an.

Das Wachstum im Internet führte zu verstärkter staatlicher Überwachung. Die Regierung von Xi Jinping hat seit seinem Amtsantritt im Jahr 2012 die Kontrolle über die Zivilgesellschaft und die Religionsausübung verschärft.

Die chinesische Verfassung garantiert Religionsfreiheit, doch die Kommunistische Partei erkennt nur staatlich genehmigte religiöse Organisationen an. Für Protestanten ist dies die Drei-Selbst-Patriotische Bewegung, für Katholiken die Chinesische Patriotische Katholische Vereinigung. Selbst diese «anerkannten» Gruppen unterliegen Überwachung, Zensur und politischer Kontrolle.

Internet-Regeln verschärft

Es wird angenommen, dass sich in China Dutzende Millionen Christen in Hauskirchen versammeln, die häufig polizeilichen Schikanen ausgesetzt sind, da sie ohne staatliche Registrierung arbeiten.

Chinesische Behörden haben zudem einige inoffizielle religiöse Gruppen als Sekten eingestuft und die Bevölkerung aufgefordert, diese zu melden.

Kirchenleiter befürchten, dass Jin mit Anklagen im Zusammenhang mit der Online-Verbreitung religiöser Inhalte konfrontiert werden könnte – ein Vorwurf, der mit Vorschriften zusammenhängt, die im vergangenen September erlassen wurden und verlangen, dass religiöse Aktivitäten nur über staatlich registrierte Kanäle stattfinden dürfen.

Vieles bleibt unklar

Grace Jin erklärte, ihr Vater habe unter ständiger Überwachung gestanden und habe China nicht verlassen dürfen, während er die Kirche weiterhin aus der Ferne leitete.

Sie sagte ausserdem, dass er vor seiner Festnahme versucht habe, die US-Botschaft in Peking aufzusuchen, um sein Visum zu verlängern, jedoch von den Behörden abgefangen, zum Flughafen gebracht und gezwungen worden sei, die Hauptstadt zu verlassen.

Nach seiner Festnahme verlor die Familie den Kontakt zu ihm, und es ist weiterhin unklar, ob offiziell Anklage gegen ihn erhoben wurde.

Zum Thema:
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KI: Interessante Unterschiede: DeepSeek und die Christen in China 

Datum: 26.03.2026
Autor: Anugrah Kumar / Daniel Gerber
Quelle: Christian Post / Übersetzung: Livenet

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