10’000 Minuten echter Glaube pro Woche
Eigentlich habe er nie christliche Musik machen wollen, erinnert sich Tim Timmons. «Ich war ein guter Lobpreisleiter, einfach weil ich wusste, wie das geht, aber eigentlich wollte ich wie ‘Switchfoot’ sein. Wir sind mit Switchfoot in San Diego aufgewachsen und haben dort zusammen gespielt, und plötzlich sind sie durchgestartet.»
Er selbst wollte einfach in die Welt hinausgehen, «Menschen auf die Wahrheit hinweisen und Jesus seine Arbeit machen lassen».
Zwei Wochen bevor er seinen Job in der Gemeinde aufgeben wollte, um eine säkulare Karriere zu verfolgen, erfuhr er, dass er unheilbaren Krebs habe. «Man gab mir noch fünf Jahre zu leben. Stadium vier. Da war klar: Jetzt ändert sich alles.»
«Was würde passieren, wenn…?»
Seine Gemeinde stellte ihn weiter an. «Und Gott hat mein Herz verändert: Statt einzelne Fans zu gewinnen, konnte ich einer ganzen Gemeinschaft helfen, diese Gebete gemeinsam zu beten. Was würde passieren, wenn wir die Lieder, die wir singen – die wir Lobpreislieder nennen – wirklich beten würden? Was würde geschehen, wenn all diese Menschen anfangen würden, Jesus ähnlicher zu werden?»
Diese Gedanken weckten in ihm eine leidenschaftliche Sehnsucht, Christen zu helfen, die ganze Woche über Gebete zu singen.
Fragen an Gott nach der Krebsdiagnose
Die ersten Tage nach der Diagnose waren ernüchternd. «Ich hatte mein ganzes Leben noch vor mir und dachte darüber nach, was wir alles machen wollten: Kinder, Zukunft, all das. Hilary und ich waren etwa drei Jahre verheiratet, und plötzlich bekommt man ein Todesurteil von fünf Jahren.»
Er stellte sich Fragen wie: «Ist Gott wirklich Gott? Und wenn ja, ist er gut? Oder ist er einfach derjenige, der mir Krebs gibt, weil er einen weiteren Lobpreisleiter im Himmel haben möchte; so wie es manche sagen? Und wenn er Gott ist und gut ist, was denkt er dann über mich? Und was ist meine Rolle dabei?»
Ringen mit Fragen
Mit diesen Fragen rang Tim Timmons. «Und ich ringe ehrlich gesagt immer noch damit. Ich wünschte, ich hätte alles verstanden, aber das habe ich nicht. Irgendwann habe ich gesagt: ‘Okay, Gott, ich verstehe nicht, wie das alles funktioniert, aber ich glaube, dein Weg ist der schönste Weg, den ich sehen kann.’» Und er betete: «Okay, Jesus, ich setze mein einziges Leben auf dich. Geh du voran.»
25 Jahre nach der Diagnose versuche er, weniger Worte im Perfekt zu verwenden, sondern mehr im Präsens: «Nicht ‘Ich habe gelernt’, sondern ‘Ich lerne’. Nicht ‘Ich habe verstanden’, sondern ‘Ich bin dabei zu verstehen’.»
«Ich lerne so viel»
Durch die Krankheit habe er sehr viel gelernt und lerne immer noch: «Die grösste Gabe ist eine gewisse Nüchternheit im Sinne von Klarheit und Perspektive. Ich durfte heute wieder aufwachen. Eigentlich sollte ich heute nicht hier sein. Und doch bin ich es.»
Also entscheide er sich für die Dankbarkeit: «Das ist der Tag, den du gemacht hast, Gott. Ich freue mich darüber, dass ich heute aufgewacht bin; selbst mitten im Leid. Und ich frage mich: Wie kann ich mich heute gut an das anschliessen, was du tust?»
Ohne das Leid wäre er nicht der Mensch, – weder als Mann, noch als Ehemann, Vater oder Nachfolger Jesu – der er heute ist.
«… und wir stehen mittendrin»
Einer seiner besten Freunde, Bart Millard von der Band «MercyMe», und er haben gemeinsam ein Lied geschrieben: «Even If». «Es ist aus meinen Kämpfen mit dem Krebs entstanden und aus seinem Leben mit seinem Sohn, der an Diabetes leidet. Es geht um den Schmerz und die Trauer, die wir beide tragen.»
Der Film «I Can Only Imagine 2» erzählt von der gemeinsamen Reise durch Trauer und Dankbarkeit; «von ihm, seiner Familie und mir mit Hilary und unserem Weg mit dem Krebs».
«Was ich an diesem Film liebe, ist, dass am Ende nicht alles perfekt aufgelöst wird. Oft wird in christlichen Geschichten alles schön abgeschlossen: ‘Schau, wie gut alles geworden ist.’ Aber das ist nicht immer die Realität. Ich bin heute aufgewacht, ja – aber ich habe auch Tumore in meiner Leber. Nicht alles ist perfekt. Das Leben ist hart, und wir stehen mittendrin.»
«Beides gleichzeitig»
Im Film spricht Tim Timmons darüber, die Spannung zwischen Trauer und Dankbarkeit auszuhalten: «Das Leben ist schwer – und Gott ist gut. Beides gleichzeitig.»
Im Judentum gibt es die Praxis des «Schiwa sitzen»: «Man sitzt einfach mit jemandem im Schmerz. Man redet, wenn es passt, oder schweigt, wenn es nötig ist. Das ist kraftvoll.» Er habe gelernt, nicht zu sagen: «Das ist schwer, aber Gott ist gut», sondern eher: «’Das ist schwer. Punkt. Und Gott ist gut – auch mitten darin.’ Diese Spannung möchte ich aushalten.»
Wie man Freude in 10’000 Minuten lebt
Eine Woche hat 10’080 Minuten. «Wenn sich alles auf die achtzig Minuten am Sonntag konzentriert und nicht auf die restlichen 10’000 Minuten, entsteht ein Ungleichgewicht», bilanziert Tim Timmons.
«Ich glaube, wir werden gut in dem, was wir üben, und in dem, womit wir uns beschäftigen. Wir beten und verehren ständig irgendetwas. Eine meiner Lieblingsdefinitionen von Anbetung ist Aufmerksamkeit: Worauf richtest du deine Aufmerksamkeit? Wenn wir sagen: ‘Jesus, du hast meine Aufmerksamkeit’, dann verändert das unseren Alltag.»
«Was wäre möglich?»
Deshalb gründete Tim Timmons zusammen mit Freunden eine Organisation namens «10000 Minutes». «Wir wollen Menschen ermutigen, den Weg Jesu in den 10’000 Minuten des Alltags zu leben; nicht nur in den achtzig Minuten am Sonntag.»
Tim Timmons ermutigt: «Was wäre möglich, wenn Menschen, die Jesus folgen, wirklich so leben würden? In unseren Städten, in unseren Ländern? Wenn unser Handeln nicht von politischer Zugehörigkeit bestimmt wäre, sondern von den Werten des Reiches Gottes – von Liebe und Schönheit? Was könnte passieren, wenn wir uns gemeinsam Jesus anschliessen? Also los – machen wir uns auf den Weg!»
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Datum: 25.03.2026
Autor:
Jesus Calling / Daniel Gerber
Quelle:
Jesus Calling / gekürzte Übersetzung: Jesus.ch