Christen mit vorsichtiger Hoffnung nach den Wahlen
Nach dem überwältigenden Wahlsieg der «Bangladesh Nationalist Party» und der Ernennung von Premierminister Tarique Rahman äussern christliche Gemeinschaften eine Mischung aus Hoffnung und Vorsicht.
Sie verweisen sowohl auf symbolische Gesten – etwa neue finanzielle Unterstützung für Geistliche – als auch auf langjährige Herausforderungen wie Gewalt gegen Minderheiten und schwache rechtliche Schutzmechanismen.
Premiere in der Geschichte
Fünf Tage nach Amtsantritt leitete Rahman eine Kabinettssitzung, bei der seine Regierung eine monatliche Unterstützung sowie Zuschüsse zu religiösen Festen für Geistliche aller Glaubensrichtungen ankündigte. Es ist das erste Mal in der Geschichte des mehrheitlich muslimischen Landes, dass eine solche Leistung auch nicht-muslimische Führungspersonen einschliesst.
Bangladesch – das acht-bevölkerungsreichste Land der Erde – ist mit rund 151 Millionen Muslimen das Land mit der viertgrössten muslimischen Bevölkerung nach Indonesien (rund 250 Millionen Muslime), Pakistan (233 Millionen) und Indien (200 Millionen).
Gemischte Reaktionen
Der Geistliche Albert Rozario, Generalvikar der Erzdiözese Dhaka, begrüsste diesen Schritt, die Kirche werde dafür beten, dass die Regierung «das Land schön, harmonisch und gerecht regiert».
Bischof Sebastian Tudu aus Dinajpur, Vorsitzender der Kommission für Klerus und Ordensleute der katholischen Bischofskonferenz von Bangladesch, äusserte sich zurückhaltender. Die katholische Kirche werde das Geld nicht annehmen: «Unsere katholischen Geistlichen erhalten kein Gehalt; sie widmen ihr Leben Gott. Daher möchten wir keine monatlichen Zahlungen von der Regierung annehmen.»
Und er warnte: «In Zukunft könnte es zu irgendeiner Form von Druck seitens der Regierung oder politischer Einflussnahme kommen, oder man könnte versuchen, uns zu instrumentalisieren.»
Wichtig, was nun kommt
Diese beiden Reaktionen spiegeln die gespaltene Stimmung unter den etwa 500’000 Christen Bangladeschs wider. Für die christliche Gemeinschaft des Landes sind solche Gesten wichtig. Noch wichtiger ist jedoch, was als Nächstes folgt.
Der Geistliche Asa Michael Kain von der «Bangladesh Assemblies of God Church» sagt, das Wahlergebnis sei eine Antwort Gottes auf die Gebete der Gläubigen. «In dieser Zeit der Unsicherheit und instabilen Verhältnisse gab es in allen Kirchen eine intensive Gebetsbewegung. Der Herr hat unsere Gebete erhört, und der neue Premierminister wurde eingesetzt.»
Mehrere christliche Organisationen veröffentlichten nach der Wahl Erklärungen und forderten die neue Regierung auf, die Sicherheit und die gleichen Rechte von Minderheiten zu priorisieren.
Kirchen fordern Taten statt Versprechen
Ein hochrangiger Leiter, der anonym bleiben will, meint beispielsweise, dass die neue Regierung zwar möglicherweise besser sei als die Alternativen, die Wahl selbst jedoch weder vollständig fair noch inklusiv gewesen sei. Für ihn überwiegt daher eher vorsichtige Erleichterung als echte Begeisterung: «Das Land ist etwas stabiler geworden, und dafür danken wir Gott.»
Bischof Philip P. Adhikary, Vorsitzender der «National Christian Fellowship of Bangladesh», erklärte, seine grösste Sorge sei, ob verfassungsmässige Garantien im Alltag tatsächlich umgesetzt würden. Minderheiten müssten nicht nur Versprechen auf dem Papier erleben, sondern reale Sicherheit, Gerechtigkeit und Gleichbehandlung. «Wir beten, dass die neue Führung mit Gerechtigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Mitgefühl für alle Bürger regiert – unabhängig von ihrem Glauben.»
Er forderte zudem eine faire Repräsentation. Christen hätten lange Zeit zur Bildung, Gesundheitsversorgung und sozialen Entwicklung Bangladeschs beigetragen, betonte er, und erwarteten daher eine echte Beteiligung am politischen Dialog – nicht nur blosse Toleranz am Rand.
Rechtlicher Schutz in Praxis unzureichend
Auf rechtlicher Ebene garantiert die Verfassung Bangladeschs allen Bürgern unabhängig von ihrer Religion gleiche Rechte. In der Praxis, so berichten Minderheiten, sei dies jedoch oft nicht der Fall – insbesondere bei Landstreitigkeiten oder bei Vorwürfen, den Islam beleidigt zu haben.
Die von der Übergangsregierung erlassene Cyber-Sicherheitsverordnung stellt weiterhin «religiösen Hass» und «Verletzung religiöser Gefühle» unter Strafe – Formulierungen, die laut Menschenrechtsorganisationen gegen legitime religiöse Ausdrucksformen verwendet werden können.
Der in Dhaka ansässige politische Analyst Rezaul Karim Rony bezeichnete den Wahl-Sieg als «Sieg einer demokratischen, moderaten Kraft» und betonte, die Herausforderung bestehe nun darin, einen rechtsstaatlichen Staat im Sinne des Aufstands von 2024 aufzubauen.
Monate der Gewalt verstärken die Sorgen
Der Hintergrund dieser Wahl ist düster. Der «Bangladesh Hindu Buddhist Christian Unity Council» dokumentierte zwischen August 2024 und November 2025 mindestens 2’673 Angriffe auf religiöse Minderheiten, darunter Tötungen, sexuelle Gewalt sowie die Zerstörung von Häusern und Gebetsstätten. Die Übergangsregierung bestritt diese Zahlen und erklärte, ein Grossteil der Gewalt sei politisch und nicht religiös motiviert gewesen.
Auch Kirchen in Dhaka wurden direkt angegriffen. Im November 2025 explodierten Handgranaten in der Kathedrale von Dhaka sowie in der St.-Joseph-Schule und dem College. Und im Dezember registrierte der «Unity Council» landesweit mindestens 51 Vorfälle religiöser Gewalt.
Zum Thema:
Im Vorfeld der Wahlen: Verfolgung im Norden von Bangladesch nimmt zu
Bangladesch: Christen in Sorge nach Aussagen der Premierministerin
«Keine Zukunft für Jugend»: Christen besorgt nach tödlichen Unruhen
Datum: 24.03.2026
Autor:
Surinder Kaur / Daniel Gerber
Quelle:
Christian Daily International / gekürzte Übersetzung: Livenet