Evangelikale und Armageddon, «die letzte Schlacht»
Die ARTE-Dokumentation, die mittlerweile von der ARTE-Website gelöscht wurde, behandelt evangelikale Strömungen und die Vorstellung eines Armageddon, einer «letzten Schlacht». Doch die Doku hinterlässt ein ambivalentes Gefühl: Einerseits macht sie auf reale Entwicklungen aufmerksam, andererseits entsteht der Eindruck einer pauschalen Darstellung.
Leider tauchen solche Dokumentationen und Berichterstattungen in letzter Zeit vermehrt auf, die die Welt in einfache Kategorien einteilen, nämlich in «gut» und «böse». Wenn dann zusätzlich noch Regierungskreise diese Denkweise unterstützen oder sogar propagieren, wird diese Entwicklung besonders problematisch und kann gefährliche Dynamiken fördern.
Das Problem der Vermischung von Glaube und Ideologie
Zunächst einmal ist festzuhalten: Die Doku zeigt reale Entwicklungen innerhalb bestimmter evangelikaler und insbesondere fundamentalistischer Bewegungen. Es gibt tatsächlich Gruppen, die biblische Texte, vor allem aus der Offenbarung, sehr wörtlich interpretieren und daraus politische oder gesellschaftliche Endzeitszenarien ableiten. Problematisch wird es dort, wo Bibelverse mit politischem Inhalt gefüllt und gegen andersdenkende Menschen gebraucht werden. Ruft uns Jesus nicht gerade in diesem Punkt dazu auf, Nächstenliebe zu praktizieren?
Wenn Glaube mit Angst, Machtdenken oder politischer Ideologie vermischt wird, entsteht ein verzerrtes Bild dessen, was das Evangelium eigentlich ausmacht. Doch genau hier liegt auch eine Schwäche der Dokumentation. Sie neigt dazu, diese extremen Ausprägungen als repräsentativ für «die Evangelikalen» oder gar für das Christentum insgesamt darzustellen. Das wird der Vielfalt des christlichen Glaubens nicht gerecht.
Nächsten- und Feindesliebe
Für viele Christen steht nicht Angst vor einer Endzeit-Schlacht im Zentrum, sondern die Person Jesus Christus. Seine Liebe, seine Gnade und sein Aufruf zur Nächstenliebe. Jesus selbst hat nicht zu Angst oder Feindbildern aufgerufen, sondern dazu, Menschen zu lieben ja sogar die eigenen Feinde. Wer ihm nachfolgt, ist eingeladen, Hoffnung zu verbreiten, nicht Furcht.
Ein Glaube, der sich ausschliesslich in Kategorien von «wir gegen sie», «gut gegen böse» oder politischen Machtkämpfen bewegt, verliert schnell den Kern des Evangeliums. Die Botschaft Jesu ist keine Ideologie, sondern eine Einladung zur Beziehung mit Gott und zu einem Leben, das von Liebe, Demut und Wahrheit geprägt ist.
Das bedeutet auch, dass der christliche Glaube kritisch reflektiert werden darf vor allem dort, wo er instrumentalisiert wird. Gleichzeitig sollten Medienberichte vermeiden, aus einzelnen radikalen Stimmen ein Gesamtbild zu formen.
Ehrlicher Glaube, der verbindet
Als Christen, die Jesus lieben, wünschen wir uns daher einen Glauben, der nicht von Angst, sondern von Vertrauen geprägt ist, der nicht spaltet, sondern verbindet, der nicht vereinfacht, sondern ehrlich mit Fragen und Spannungen umgeht und der Jesus in den Mittelpunkt stellt und nicht politische oder ideologische Agenden.
Die Herausforderung bleibt, zwischen echtem Glauben und verzerrten Darstellungen zu unterscheiden sowohl innerhalb der Kirche als auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Genau hier sind wir als Christen gefragt durch ein Leben, das glaubwürdig zeigt, wer Jesus wirklich ist.
Und auch am Ende bleibt dieser Bibelvers zentral: «Nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist», spricht der Herr Zebaoth (Sacharja Kapitel 4, Vers 6). Die Botschaft dieses Verses bedeutet schlicht und einfach: Nicht menschliche Macht oder Stärke bringt Gottes Werk voran, sondern Gottes Geist.
Diese Haltung bewahrt davor, in menschliche Machtmuster zu verfallen, und richtet den Blick zurück auf das, was den christlichen Glauben im Kern ausmacht.
Zum Thema:
«Comeback des Christentums»?: Jesus, Tiktok und die Bibel in der Hand
SRF Doku: Läderach im Licht der Medien
Missionarische Panik: Wenn das Christentum die Massenmedien erschreckt
Datum: 23.03.2026
Autor:
Sabine Derron
Quelle:
Livenet