Feindseligkeiten gegen Christen zugenommen
Die Kommission für Religionsfreiheit der «Evangelical Fellowship of India» (EFIRLC) spricht von einem weiteren Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren.
Diese Zahl bedeutet einen deutlichen Anstieg gegenüber den 640 Fällen im Jahr 2024 und mehr als das Fünffache der 147 Fälle aus dem Jahr 2014. Damit setzt sich ein seit einem Jahrzehnt anhaltender Aufwärtstrend gegen die christliche Minderheit fort, die etwa 2,3 Prozent der indischen Bevölkerung ausmacht.
Die Kommission erhielt im Laufe des Jahres mehr als 915 Meldungen; die 747 dokumentierten Fälle umfassen nur jene, die ein strenges Verifizierungsverfahren mit mehreren Quellen durchlaufen haben.
Muster der Verfolgung
Der EFIRLC-Generalsekretär Vijayesh Lal erklärte, dass die 747 dokumentierten Vorfälle ein Muster erkennen lassen, das sorgfältige Aufmerksamkeit erfordert.
«Im Kern dieses Problems steht die Notwendigkeit, sicherzustellen, dass die verfassungsmässigen Garantien der Gewissensfreiheit und der gleiche Schutz durch das Gesetz für alle Bürger gewahrt bleiben», sagte Lal.
Drohungen und Belästigungen blieben die häufigste Form der Feindseligkeit und machten mit 204 Fällen die grösste Einzelkategorie des Jahres aus.
Körperliche Gewalt wurde in 112 Fällen registriert, während in 110 Fällen Gottesdienste oder Gebetstreffen gestört wurden. Juristischer Druck erwies sich als besonders auffälliges Mittel: 86 Festnahmen und 98 Fälle betrafen falsche Anschuldigungen oder Strafanzeigen, meist im Zusammenhang mit Vorwürfen illegaler religiöser Konversion.
In Weihnachtszeit besonders intensiv
Die Kommission verzeichnete ausserdem 42 Fälle sozialen Boykotts, 27 organisierte Hasskampagnen, 24 Fälle von Vandalismus, acht Fälle geschlechtsspezifischer Gewalt, sieben Fälle von Brandstiftung an Kirchengebäuden sowie einen Mord.
Der Dezember verzeichnete mit 85 Fällen die höchste Zahl an Vorfällen, was mit der Advents- und Weihnachtszeit zusammenfiel – einer Phase, in der christliche Gottesdienste und öffentliche Feierlichkeiten stärker sichtbar sind. Christliche Gemeinschaften sind gerade dann besonders anfällig für Störungen, Einschüchterung und gezielte Feindseligkeit, wenn sie ihren Glauben öffentlich leben, heisst es im Bericht.
Begünstigt durch Anti-Konversionsgesetze
Die Kommission stellte fest, dass die Daten Feindseligkeiten gegenüber christlichen Gemeinschaften in unterschiedlichen lokalen Kontexten widerspiegeln und nicht auf eine einzelne Region beschränkt sind.
Gesetze gegen religiöse Konversion, offiziell als Gesetze zur Religionsfreiheit bezeichnet, fungierten weiterhin als bedeutender Treiber der Verfolgung.
In Uttar Pradesh beriefen sich lokale Gruppen wiederholt auf das Gesetz zum Verbot unrechtmässiger religiöser Konversion, um Pastoren und andere Christen, die reguläre Gottesdienste abhielten, anzuzeigen. Kläger erhoben häufig ohne vorherige Untersuchung Vorwürfe der Verführung oder Nötigung im Zusammenhang mit Gebetstreffen in Privathäusern. Die Polizei nahm daraufhin Christen fest oder verhörte sie, bevor überhaupt Beweise vorlagen.
In mehreren Fällen wurde bereits das blosse Zusammenkommen zum Gebet als ausreichender Grund für eine Strafanzeige betrachtet.
Von Mob bedroht – von Polizei verhaftet
Der Bericht dokumentiert unter anderem die Festnahme und Inhaftierung von Pastor Wazir Singh in der Stadt Nohar im Distrikt Hanumangarh (Bundesstaat Rajasthan), nachdem hinduistische Extremisten am 28. September in einen Gottesdienst eingedrungen waren und die Gläubigen körperlich angegriffen hatten.
Der Mob forderte den Pastor auf, dem Christentum abzuschwören und stattdessen hinduistische Schriften zu lehren. Als er sich weigerte, wurde er von der Polizei festgenommen, und gegen vier weitere anwesende Christen wurden Anklagen erhoben.
Forderungen nach Massnahmen
Die EFIRLC stellte klar, dass die 747 bestätigten Fälle nur einen Bruchteil der tatsächlichen Verstösse darstellen. Viele werden aus Angst vor Vergeltung, sozialem Druck oder fehlenden rechtlichen Möglichkeiten – insbesondere in ländlichen Gebieten – nicht gemeldet.
Die Kommission forderte die indische Zentralregierung sowie die Bundesstaaten auf, die verfassungsmässigen Garantien der Religionsfreiheit öffentlich zu bekräftigen, Täter von Mobgewalt zur Rechenschaft zu ziehen, den Missbrauch von Anti-Konversionsgesetzen zu bekämpfen und Opfern zeitnah Unterstützung sowie rechtlichen Schutz zu gewährleisten.
«Hinter jeder Zahl steht ein Mensch»
«Hinter jeder Zahl in diesem Bericht steht ein Mensch, dessen verfassungsmässig garantiertes Recht auf freie Religionsausübung verletzt wurde», sagte Lal. «Was uns zutiefst beunruhigt, ist nicht nur das Ausmass der dokumentierten Fälle, sondern auch die abschreckende Wirkung auf Gemeinschaften, in denen Gläubige inzwischen zögern, sich zum Gebet zu versammeln oder ihre Toten ohne Angst zu bestatten. Wir fordern keine Privilegien, sondern gleichen Schutz durch das Gesetz.»
Die «Evangelical Fellowship of India», gegründet 1951, ist ein nationaler Zusammenschluss evangelikaler Christen in Indien. Ihr gehören mehr als 50 protestantische Denominationen mit über 65’000 Kirchen sowie mehr als 200 Missionswerke und Organisationen an.
Indien belegte auf der Weltverfolgungsliste 2026 von Open Doors Platz 12 der Länder, in denen es am schwierigsten ist, als Christ zu leben – ein deutlicher Anstieg gegenüber Platz 31 im Jahr 2013.
Zum Thema:
Weltverfolgungsindex 2026: Christenverfolgung weltweit auf neuem Höchststand
Untersuchung gefordert: Indien: Starke Zunahme von Gewalt gegen Christen
Neue Studie: Indien: Jeden Tag zwei Angriffe gegen Christen
Datum: 29.03.2026
Autor:
Morning Star News / Daniel Gerber
Quelle:
Christian Daily International / gekürzte Übersetzung: Livenet