Joel Goldenberger

«Zeit für Menschen zu nehmen, ist am wichtigsten»

Joel Goldenberger
Die neue EP «I choose joy» von Joel Goldenberger ist ein Pamphlet, sich auch in schweren Zeiten bewusst für die Freude zu entscheiden. Ausserdem vertont der Sänger, was einem im Strassenverkehr unbedingt in den Sinn kommen sollte.

«Grundsätzlich möchte ich vermitteln, dass Freude manchmal nicht ein Gefühl, sondern eine Entscheidung ist», ermutigt der Sänger Joel Goldenberger im Gespräch mit jesus.ch. Er hält fest, «dass es alltägliche Umstände gibt, die es teilweise schwierig machen, Freude zu empfinden, aber dass eine Entscheidung für die Freude in solchen Momenten Grosses bewirken kann.»

Alle fünf Songs der EP zeugen von Tiefgang. Den Titel «Rush inside» schrieb Joel «für meine Grosseltern und Leute, die mir nahestehen und die im höheren Alter sind. Manchmal spüre ich eine innere Eile, Zeit mit eben diesen Menschen zu verbringen, die mir lieb sind. Ich habe ein gesegnetes Leben und drei von vier meiner Grosseltern leben noch – doch die Angst sich zu verabschieden, wird immer realer.»

«Ich gebe es Gott ab»

Auf der EP findet sich auch der Titel «Rely on». «Der Song ist von A bis Z superleicht. Darin geht es um die Beziehung zu meinem Bruder, vor allem im Hinblick auf unsere Kindheit. Ich wollte ihm mit diesem Track sagen, dass er sich auf mich verlassen kann. Auch wenn der Stolz es manchmal nicht zulässt, ist es trotzdem wichtig, seinen Geschwistern regelmässig zu sagen: ‘Ich habe dich gern!», beobachtet Joel Goldenberger.

Weiter dreht sich «Twenties» um die Probleme und Herausforderungen einer Generation. «So toll die Zeit zwischen zwanzig und dreissig sein kann – manchmal ist sie auch sehr herausfordernd», meint Joel Goldenberger. «I give it all to you» heisst es in der Bridge des Songs. Probleme abzugeben sei die Devise. «Jeder kann für sich entscheiden, wer dieses ‘you’ im Song sein soll. Für mich ist es Gott.»

Es habe nicht einen einzelnen Auslöser für die EP-Songs gegeben. «Man lernt sich über die Jahre immer besser kennen und ich merkte, dass ich ein Mensch bin, der eine Achterbahn-Fahrt von Gefühlen hat. Diese Tatsache kann ich für meine Kunst super nutzen.»

Wenn man sich im Verkehr aufregt

Joel Goldenberger lädt dazu ein, jeden Tag – auch in den kleinen Sachen – die Freude zu suchen. «Zum Beispiel, wenn man im Verkehr steckt und sich aufregt. Warum sich nicht einfach sagen: ‘Hey, der Tag bietet so viel mehr!’» Es gehe darum, entschieden beide Füsse auf den Boden zu stellen und im Moment anzukommen, «dann erkennt man, dass es sich eigentlich gerade gar nicht lohnt, sich über etwas aufzuregen. Man kann einfach zwei, dreimal tief durchatmen und sich in Erinnerung rufen, dass das Gegenüber sicherlich auch einen (inneren) Weg hat, den es auf sich zu nehmen hat. Es geht einfach darum, das Gegenüber zu akzeptieren und anzunehmen. Bereits das kann schon helfen, eine Situation, in der man sich aufregen würde, für sich positiv zu verändern. Jedenfalls bei mir ist das so.»

Die EP beleuchte das Leben in den 20ern, sagt Joel Goldenberger. «Das Studium ist fertig, die letzte Ablösung von der Familie erfolgt und eine eigene wird zum Thema. Es geht auch darum, Probleme zu benennen, die einem in den 20ern begegnen, worauf ich meine Augen richten will und wem ich den Rücken zuwenden will.»

Seine Songs werden stets neu gefüllt

Fast jeder Song, den Joel live performt, «ist immer ein Prozess, der nicht abgeschlossen ist – gerade wenn Menschen im Publikum sitzen, die darin vorkommen. Es bleibt immer persönlich.»

So beispielsweise im erwähnten Song «Rush inside»: «Es ist stets eine Challenge, wo man seine Prioritäten setzt, zum Beispiel bezüglich Karriere und Job. Es ist immer ein Hinterfragen, was wichtig ist. Sich Zeit für Menschen zu nehmen, ist am wichtigsten. Es geht darum, Beziehungen über Karriere und Erfolg zu stellen.»

Stilistisch findet Joel Goldenberger, dass er mit der neuen EP angekommen sei. Live gehe es nicht darum, zwei Stunden lang gute Stimmung zu verbreiten, sondern «mit Ehrlichkeit etwas bei den Zuhörern zu bewegen. Ich wünsche mir, dass mein offenes Herz andere auf persönlicher Ebene weiterbringt.»

Plötzlich vor Calum Scott auf der Bühne

Eines Tages landete eine besondere Mail in der Inbox der Booking-Agentur von Joel Goldenberger. «Es stammte vom Management von Calum Scott. Es ging darum, ob ich eine Woche später für Calum Scott im Zürcher Hallenstadion eröffnen würde.»

Calum Scott? Eine Woche vorher? Das klang verdächtig nach Spam. «Doch einen Tag später erhielten wir den Zeitplan und stellten fest, dass die Anfrage ernst gemeint war – eine Überraschung aus dem Nichts heraus, die zeigte, dass sich mein jahrelanges Engagement gelohnt hatte.»

Egal wie gross die Bühne ist…

Bei seinem Auftritt stellte Joel Goldenberger fest: «Egal wie gross die Bühne ist: Den Menschen auf persönlicher Ebene zu begegnen, geht auch, wenn man sie aufgrund der Distanz nicht sieht. Ich ging immer davon aus, dass es besonders schwierig ist, etwas Persönliches zu teilen, wenn die Bühne riesig ist.»

Apropos Teilen von Persönlichem: Wenn du nächstes Mal im Stau steckst und langsam von Genervtsein zur schäumenden Wut übergehst, dann packe «I choose joy» in deine Playlist – Freude garantiert.

Zum Video von «I choose joy»:

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Datum: 16.03.2026
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Jesus.ch

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