Willow Creek Leitungskongress

Mindy Caliguire: «Soul Care»

Mindy Caliguire (vorne) beim Willow Creek Leitungskongress 26
Der Willow Creek Leitungskongress 2026 in Dortmund steht unter dem Motto «rooted» – verwurzelt. Einen der Vorträge hielt Mindy Caliguire, die Gründerin von «Soul Care». Ihr Thema war «Verwurzelt in der eigenen Seele».

Selbstfürsorge war Mindy Caliguire nicht in die Wiege gelegt worden. Nach dem Studium absolvierte sie zusammen mit ihrem Mann ein Praktikum bei Willow Creek und anschliessend starteten sie eine Gemeindegründungsarbeit in Boston. Jahrelang engagierten sie sich dort mit ganzem Herzen und voller Kraft – bis Mindy 1995 einen Zusammenbruch erlitt. Im Krankenhaus haderte sie mit Gott und sagte ihm: «Gott, das ist strategisch unklug.» Sie wollte wieder an die Arbeit gehen, doch das war nicht möglich. In dieser Zeit lernte sie, für ihre eigene Seele zu sorgen. Und sie realisierte, dass noch viel mehr Menschen um sie herum unsichtbar litten. In der Folge gründete sie die Organisation «Soul Care».

Wenn das Feuer erlischt

In ihrem Vortrag wurde Mindy Caliguire immer wieder persönlich, gleichzeitig wies sie auch auf dahinterliegende Prinzipien hin. So zeigte sie anhand der Stadt Assisi und anderer Beispiele, was geschieht, wenn eine Arbeit christliche Wurzeln hat, aber ihr Feuer im Laufe der Jahre erloschen ist. Manchmal ist kaum etwas von den Ursprüngen erhalten, oft hat allerdings auch der Dienst für Christus die Liebe zu ihm ersetzt. Das wirkt dann immer noch fromm, auch wenn es längst leblos ist. Menschen, zitierte sie Dallas Willard, «tragen nicht das ‹Feuer›, das ‹gewisse Etwas› in sich. Die Mission oder Missionen, die sie ins Leben gerufen haben, weichen allmählich von der Vision ab, die den Gründer beseelte, und schon bald hat die Institution und ihre Mission die Vision ersetzt.»

Die Seele hat Priorität

Früher hiess es in der Gemeindearbeit oft: «Lieber ausbrennen als verrosten!» Mindy fragte, warum ausgerechnet diese beiden Extrempunkte die einzigen Alternativen sein sollten. Das Übergehen der eigenen Seele führt ihrer Meinung nach leicht in einen Burnout, manchmal auch zu einem langsamen Erlöschen des Glaubens oder zu einem Ausstieg aus dem geistlichen Dienst. Als Jesus die bekannte Aussage macht «Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber sein Leben verliert?», spricht er eigentlich nicht vom Leben, sondern von der «psyche», der Seele – und er richtet sich damit nicht an Aussenstehende, sondern an seine Jünger. Er unterstreicht damit eindrücklich, welche Priorität die Seele bei ihm hat.

Abgebrannt

Mindy ist die Gründerin von Soul Care

Im Jahr 2021 bekam der Dienst von «Soul Care» noch eine besondere Verstärkung. Zum Ende des Jahres tobten in Colorado die verheerendsten Flächenbrände der Landesgeschichte. Innerhalb weniger Stunden brannten Hunderte von Häusern aus – auch das von Mindy Caliguire und ihrem Mann. Ein Rückzugsort oberhalb ihres Wohnorts, den sie besonders zur Seelsorge nutzten, wurde völlig zerstört; ihr Wohnhaus stand zwar noch, aber es war so schwer beschädigt, dass es unbetretbar war. Während sie vor Asche und Trümmern stand, fragte Mindy Gott: «Was sagst du mir damit, Gott? Was hast du vor?»

Auch wenn sie selbst betroffen war, war sie in den folgenden Wochen verstärkt für ihre Nachbarn da, die auch alles verloren hatten. Für sie war der Brand gleichzeitig ein Bild für Burnout, unverheilte Wunden der Vergangenheit, Isolation und manches andere, aber während manche Menschen ihre seelischen Brandschäden am liebsten unter den Teppich kehren wollen, war dies nach der Feuerkatastrophe nicht möglich. Mindy realisierte: Was wirklich in der Seele vorgeht, gehört zum Wichtigsten, worüber wir reden können. Heilung kann nur dadurch geschehen.

Erste Schritte

Zum Schluss schlug die Seelsorgerin noch einen dreiteiligen Umgang zur «Soul Care» vor:

  • Papier – ein Blatt reicht, um deine Gedanken zu notieren, nachzudenken, Vergangenes zu verarbeiten und Lösungen zu entdecken.
  • Personen – tragfähige Beziehungen zu anderen Menschen sind nötig, um Lebensfragen zu verarbeiten, genauso wie ein sicherer Raum, ein «safe space», in dem du ungeschützt alles loswerden kannst, was dich beschwert.
  • Plan – ein konkretes Ziel hilft dabei, voranzukommen. Frage dich, wie deine Seele gedeihen kann. Was kannst du regelmässig tun, um sie zu fördern?

Zur Website:
Soul Care
Willow Creek Leitungskongress 26

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Datum: 13.02.2026
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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