Christine und Pascal Gertsch

Wenn das Leben anders verläuft als geplant

Pascal und Christine Gertsch im Livenet-Talk
Es gibt Sätze, die möchte niemand hören: «Wir könnten Ihren Mann operieren, aber vielleicht überlebt er nicht oder wird ein Pflegefall.» Christine und Pascal Gertsch erzählen von ihrem Leben und Glauben im Angesicht des Todes.

Im Livenet-Talk spricht Markus Hänni mit Christine und Pascal Gertsch. Im August 2013 waren die beiden noch nicht lange verheiratet, da erlebten sie einen schweren Schicksalsschlag. Pascal brach auf dem Weg von der Arbeit nach Hause auf der Strasse zusammen. Als er im Krankenhaus wieder zu sich kam, erklärte man ihm, dass er eine Hirnblutung erlitten hätte. Auch für Christine war dies ein Schock, doch Pascal erholte sich schnell. Leider begann ihre Leidensgeschichte damit erst.

Eine Katastrophe nach der anderen

Es blieb nicht bei der einen Hirnblutung von Pascal. im Laufe des nächsten Jahres erlitt er noch drei weitere. Immer wieder stand sein Leben dabei auf der Kippe. Besonders dramatisch war die letzte, von der Christine erzählt: Die Klinik rief sie an und erreichte sie, während sie mit einer Freundin im Café sass. «Frau Gertsch, es gab schon wieder eine Hirnblutung. Aber diesmal ist es schlimmer als bisher. Es steht sehr schlecht um Ihren Mann. Bitte entscheiden Sie jetzt: Sollen wir operieren? Vielleicht bleibt er immer ein Pflegefall, vielleicht schaffen wir die Operation, aber es wird sehr kompliziert sein…» Sollte Christine diese Entscheidung am Telefon treffen? Sie konnte es nicht. Sie traf sich mit ihren Geschwistern im Krankenhaus am Bett ihres Mannes und entschied sich für die OP. Pascal lag danach lange im Koma. Als er wieder zu sich kam, folgte eine dreieinhalbjährige Zeit in verschiedenen Kliniken und Reha-Einrichtungen.

Alles von vorne

Pascal musste grundlegende Fähigkeiten wieder neu erlernen. Zunächst konnte er fast nichts und war ein Vollpflegefall. Alle Körperfunktionen musste er neu trainieren, selbst das Schlucken. An Aufstehen war nicht zu denken, stattdessen wurde das Kopfteil des Bettes so erhöht, dass der Kreislauf in Gang kam. Irgendwann konnte er wieder mühsam am Stock gehen. Als er nach Hause entlassen werden sollte, kam die Sprache darauf, einen Elektrorollstuhl anzuschaffen. Und Pascal wusste: «Wenn ich darin sitze, stehe ich nicht mehr auf.» Dieser Moment wurde für ihn zu einer inneren Kampfansage und er beschloss, noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren, um wieder laufen zu lernen. Aufgeben war keine Option – und er schaffte es Stück für Stück.

Aber nicht nur die körperliche Wiederherstellung forderte das Paar heraus. Auch ihr neuer Alltag zu Hause verlangte beiden viel ab. Sie mussten ihre Rollen neu finden. Viele Unsicherheiten blieben bestehen und epileptische Anfälle erschwerten die Situation zusätzlich. Trotz dieser emotionalen Belastung entschieden sich Christine und Pascal immer wieder bewusst dafür, zusammen weiterzugehen. Ihr gemeinsamer Glaube und die Überzeugung, dass selbst schwere Zeiten einen Sinn erhalten können, gaben ihnen die Kraft dazu. Sie wussten: «Der Glaube an Gott, das ist unser Fundament. Wir kämpfen hier nicht allein.»

Eine Schule des Vertrauens

Für die beiden wurde diese Zeit zu einer Schule des Vertrauens – in ihre Ehe, und im Blick auf Gott. Christine erklärt im Gespräch: «Es war nicht easy, aber zu wissen, dass der allmächtige Gott alles im Griff hat, hat mir jeden Tag neu geholfen.» Selbst wenn sie diese Entscheidung zu vertrauen täglich erneuern musste. Und Pascal ergänzt: «Ich hatte eigentlich schon von Anfang an die Erwartung: Gott, mach du etwas daraus. Ermutige die Leute in unserem Umfeld.» Trotz aller Schwierigkeiten ist das etwas, was beide bis heute auszeichnet: dass sie anderen Hoffnung vermitteln, vielleicht nicht auf eine schnelle Heilung, aber darauf, dass Gott durchträgt, Türen öffnet, schrittweise heilt oder einfach dableibt.

Und die Zukunft?

Pascal hat wieder begonnen, in Teilzeit zu arbeiten. Christine ist momentan als Vollzeitmutter ihrer drei Kinder zu Hause, aber sie hat sich parallel mit ihrem Schmucklabel «Perlen Art» selbstständig gemacht. Dies ist mehr als ein Job für die Sozialarbeiterin, es ist ein Symbol dafür, dass aus Tränen etwas Wertvolles entstehen kann. Wie die Zukunft aussieht, wissen die beiden nicht. Ihr bisheriges Leben hat ihnen gezeigt, dass Träume weiterleben dürfen, auch wenn das Leben anders verläuft als geplant. Manchmal braucht es allerdings Mut, daran festzuhalten. Und manchmal feiert man nur kleine Fortschritte und keine grossen Sprünge.

Die Geschichte von Christine und Pascal hat kein klassisches Happy End. Es ist vielmehr eine Geschichte des Dranbleibens. Eine Geschichte davon, wie zwei Menschen sich entscheiden, trotz allem zu hoffen, zu glauben und gemeinsam zu kämpfen. Sie leben es anderen und sich selbst vor: Auch nach den grössten Stürmen können Perlen entstehen – wenn man den Mut hat, nicht loszulassen.

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Datum: 17.03.2026
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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