Im Vorfeld der Wahlen

Verfolgung im Norden von Bangladesch nimmt zu

Was geschieht mit den Christen im Norden des Landes? (Symbolbild)
Mit den bevorstehenden Parlamentswahlen am 12. Februar wächst der Druck auf die Christen in Bangladesch. Im Norden des mehrheitlich muslimischen Landes suchen islamistische Extremisten sie zu Hause auf und bedrohen sie.

Christen machen etwa 0,5 Prozent der Bevölkerung Bangladeschs aus. Die meisten von ihnen sind Konvertiten, die früher dem Islam oder anderen Religionen angehörten. Ihr Umfeld ist oft schockiert darüber, dass sie ihre frühere Religionszugehörigkeit aufgegeben haben, was zu offener Gewalt führen kann.

Sicherheit durch einen Polizisten in Frage gestellt

Vor einer Woche wurde Mamun (Deckname) von islamischen Anführern seiner Region bedroht. Diese führen eine der grössten Gruppen in den sozialen Netzwerken der Region, über die sie antichristliche Propaganda verbreiten. Dort behaupten sie insbesondere, dass Menschen durch Geldzahlungen dazu verleitet werden, zum Christentum zu konvertieren.

Einer der Anführer suchte Mamun zu Hause auf und forderte von ihm, unverzüglich damit aufzuhören, das Evangelium zu verkünden und die von ihm geleitete Hauskirche zu schliessen. Andernfalls würde dies schwerwiegende Folgen haben.

Statt darauf zu reagieren, wandte sich Mamun direkt an die Polizei, um den Vorfall zu melden und die Sicherheit seiner Familie und der Mitglieder seiner Gemeinde zu gewährleisten. Dort teilte ihm jedoch ein Polizist mit, dass derselbe islamische Führer bereits eine Beschwerde gegen ihn eingereicht hatte, in der er ihm «unsoziales Verhalten» und «die Bekehrung von Menschen zum Christentum mit finanziellen Anreizen» vorwarf. Der Polizist riet Mamun zur Vorsicht.

Unsicherheit über die Fortsetzung von Treffen

Im vergangenen November hatten die Polizei und die lokalen Behörden die Pastoren der Region bereits vor einer bewaffneten islamistischen Gruppe gewarnt. Diese Warnung wurde nie aufgehoben.

«Die Mitglieder unserer Gemeinschaft leben in Angst. Viele von ihnen verlassen ihr Zuhause nur, wenn es unbedingt notwendig ist, und auch die Besucherzahlen in unserer Hauskirche sind zurückgegangen. Betet für ihre Sicherheit und für meine», sagt Mamun.

Lebensmittel werden knapp

In einem anderen Dorf der Region besuchten Mitglieder einer islamischen Partei tagsüber christliche Familien, während die meisten Männer bei der Arbeit waren. Sie bedrohten mindestens 15 Familien und forderten sie auf, ihren Glauben aufzugeben, wenn sie in der Region bleiben wollten. Seitdem verstecken sich viele christliche Familienväter aus Sicherheitsgründen. Einige haben sogar Angst, nach Hause zurückzukehren, weil sie ihre Familien schützen wollen. Da die meisten von ihnen Tagelöhner sind, hat diese Krise viele christliche Familien in grosse finanzielle Schwierigkeiten gebracht: Ohne tägliches Einkommen können sie sich nicht mehr ernähren.

«Ich weiss, dass Gott unsere Not sieht. Ich habe meiner Frau und meinen Kindern bereits gesagt, dass sie keine Anzeige erstatten sollen, selbst wenn ich getötet werde. Betet für uns, damit wir Christus bis zu unserem letzten Bluttropfen treu bleiben», sagt Saiful (Deckname), ein Pastor aus der Region.

Die lokalen Partner von Open Doors unterstützen die betroffenen Christen und versorgen sie mit Nothilfe. Im Weltverfolgungsindex 2026 liegt Bangladesch auf Platz 33 der Liste der Länder, in denen Christen wegen ihres Glaubens am stärksten verfolgt werden.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Open Doors.ch.

Zum Thema:
Dossier: verfolgung.jetzt 
Bangladesch: Christen in Sorge nach Aussagen der Premierministerin 
Aufbruch in Asien: «Bangladesch soll gerettet werden» 

Datum: 10.02.2026
Quelle: Open Doors

Werbung
Livenet Service
Werbung