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Brennweite: Was Anbetung ausmacht

Anbetung kommt auf unsere Herzenshaltung an
Anbetung ist Teil des Lebens eines Christen - und auch, dass es sich dabei nicht nur um Singen handelt, sondern um eine Herzenseinstellung, ist vielen bewusst. Doch Gott definiert Anbetung in der Bibel sehr konkret. Das zeigt Steve Volke heute auf.

Anbetung ist eine Herzenshaltung. In unserem Glaubensleben hat sie zu Recht einen hohen Stellenwert. Im Umgang mit ihr können aber auch gravierende Fehler begangen werden, die uns selbst nicht immer bewusst sein müssen. Zum Beispiel sagt Jesus einmal über sein eigenes Volk: «Diese Leute ehren Gott mit den Lippen, aber mit dem Herzen sind sie nicht dabei. Ihr Gottesdienst ist wertlos, weil sie ihre menschlichen Gesetze als Gebote Gottes ausgeben.» (Matthäus 15,8-9; HFA)

Was haben uns heute diese Worte des Sehendmachers zu sagen, wo wir in einer Demokratie leben, die sich selbst einer Diktatur unterwirft, und zwar der des Geldes! Und wie sollen wir über uns selbst denken, wenn selbst vor der Tagesschau erst mal den Börsennachrichten und Aktienkursen gehuldigt wird? Im Markusevangelium warnt uns Jesus liebevoll: «Wo dein Schatz ist, ist dein Herz» (6,21; LÜ), und diese Weisheit stimmt auch andersherum.

Wo ist dein Herz?

Wenn Jesus im Kontext dieser Herzensangelegenheit (Markus 6,19-25) klarstellt, dass wir nur einem Herrn dienen können, nämlich Gott oder dem Mammon (dem Geld), dann will er uns damit keinen kleinen Diskussionsbeitrag zur Wertediskussion einreichen. Nein, er trifft eine grundlegende Aussage. Sie gilt nicht nur für die Menschen damals. Sie gilt uns! Und sie lautet: Wo ist unser Herz? In einem Land, wo im Fernsehen vor den Hauptnachrichten aus aller Welt erst mal die Börsenkurse vorangestellt werden und Raum einnehmen, ist leicht zu identifizieren, was im Ranking bei uns oberste Priorität einnimmt.

Im Buch Hosea lässt Gott durch seinen Propheten einen weiteren Grundsatz mitteilen: «Wenn jemand mir treu ist, so ist mir das lieber als ein Schlachtopfer. Und wenn jemand mich erkennen will, freut mich das mehr als jedes Brandopfer» (Hosea 6,6; HFA)! Das Volk Israel war per se etwas begriffsstutzig. Doch verhalten wir Christen uns heute grundsätzlich anders? Entwarnung zu geben, wäre hier vielleicht etwas vorschnell. Sollten wir uns nicht mal sehr selbstkritisch damit auseinandersetzen, ob unsere unzähligen Worshipkonzerte und -veranstaltungen uns nicht manchmal vom Eigentlichen ablenken. Anbetung als eine geistliche Entspannungsübung für aufgewühlte Seelen, kann ich jedenfalls in der Bibel leider nicht entdecken. Stattdessen wird zum Beispiel in Jesaja 58 sehr deutlich gemacht, wie wahre Anbetung auszusehen hat. Es kommt eben auf unsere Herzenshaltung an.

Wenn Gott nicht mehr zuhört

Als Menschen sind wir auf Beziehung angelegt. Als Gott den Menschen schuf, tat er es als Gegenüber. Er setzte den Menschen in Beziehung zu sich selbst. Und damit auch ins Risiko. Als dann das Zusammenleben im Paradies nicht so ganz geklappt hat, fing das Desaster an. Die Beziehungsstörung zu Gott wirkte sich auf ein ganzes Umfeld aus. Sie beeinflusste die Beziehungen zu uns selbst, zu anderen und zu unserer Umwelt.

In Jesaja 58 gibt Gott eine ganz klare Standortbestimmung ab, wie er die Menschen damals (sein Volk Israel) gesehen hat. Und er lässt seinen Propheten Jesaja eine sehr klare Botschaft überbringen:  «Ruf, so laut du kannst! Lass deine Stimme erklingen, mächtig wie eine Posaune! Halte meinem Volk seine Vergehen vor, zähl den Nachkommen Jakobs ihre Sünden auf! Sie rufen Tag für Tag nach mir und fragen nach meinem Willen. Sie gehen gern zum Tempel, in meine Nähe. Weil sie sich für ein frommes Volk halten, das nach den Geboten seines Gottes lebt, darum fordern sie von mir auch ihre wohlverdienten Rechte.» (Jesaja 58,1–2; HFA)

Liest man diese Verse, kann man nur fragen: Was ist eigentlich das Problem? Es ist doch alles bestens, oder? Und doch scheint etwas völlig falsch gelaufen zu sein. Denn Gott hörte seinem Volk nicht mehr zu, woraufhin sich Frust ausbreitete: «‚Warum siehst du es nicht, wenn wir fasten?‘, werfen sie mir vor. ‚Wir plagen uns, aber du scheinst es nicht einmal zu merken!‘ Darauf antworte ich: Wie verbringt ihr denn eure Fastentage? Ihr geht wie gewöhnlich euren Geschäften nach und treibt eure Arbeiter noch mehr an als sonst‘.» (Jesaja 58, 3; HFA).

Sie kannten nicht nur alle Lieder in- und auswendig, sondern fasteten auch noch. Mehr noch: Sie begannen, sich selbst Schmerzen zuzufügen und sich zu kasteien. Die äussere Form der Anbetung war zwar gewahrt, aber die innere Haltung gefiel Gott nicht. Das kirchliche Leben wurde aufrechterhalten – das Leben, bei dem man weiss, wie man sich als Christ zu verhalten hat – und gelebt. Die äussere Form stimmte noch, aber die Herzen der Menschen waren nicht bei der Sache: «Ihr fastet zwar, aber gleichzeitig zankt und streitet ihr und schlagt mit roher Faust zu. Wenn das ein Fasten sein soll, dann höre ich eure Gebete nicht!» (Jesaja 58, 4; HFA).

Wahre Anbetung ist tatkräftig

Während des Fastens, während der Anbetung liefen die Geschäfte weiter. Das heisst: Während die Menschen fasteten, waren sie mit ihren Köpfen und Herzen nicht bei Gott, sondern drehten sich nach wie vor um sich selbst und ihre eigenen Wünsche. Sie gingen gedanklich nochmal kurz die Kontostände durch, checkten E-Mails, posteten auf Facebook aus dem Gottesdienst und freuten sich, wenn die Kasse zu Hause ordentlich klingelte, während sie Anbetungslieder über ihre Lippen kommen liessen. Und Gott wurde äusserst ungehalten, je länger er sich dieses Treiben anschauen musste. Er machte deutlich, dass diese Art des «Fastens» ihm nicht gefällt. Ihm kommt es damals wie heute auf etwas anderes an: Gott will die Anbetung nicht nur in Liedern hören, sondern er will sie sehen. Nicht nur geöffnete Münder, sondern geöffnete Hände. Denn: Wahre Anbetung streckt die Hände nicht nur nach oben, sondern immer auch zum Nächsten hin:  «Gebt den Hungrigen zu essen, nehmt Obdachlose bei euch auf, und wenn ihr einem begegnet, der in Lumpen herumläuft, gebt ihm Kleider! Helft, wo ihr könnt, und verschliesst eure Augen nicht vor den Nöten eurer Mitmenschen!» (Jesaja 58, 7; HFA).

So soll Anbetung gelebt werden. Die Menschen kamen damals ausgeruht, satt, übersättigt und träge zum Gottesdienst – weil sie im Grunde genommen alles hatten, was das Herz begehrte. Und leider ist es bei uns heute in den Gemeinden der westlichen Welt nicht anders. Wir meinen oft, materiell gesegnet zu sein, sei ein Zeichen dafür, dass Gott Gefallen an uns habe. Falsch! Wann kommen wir endlich dahin, den finanziellen Reichtum als das anzusehen, was er wirklich ist? Nicht so sehr ein Segen Gottes, sondern das Ergebnis einer systematischen Vernachlässigung der Armen dieser Welt!

Was bedeutet das heute?

Natürlich sind wir heute völlig anders gestrickt als die Menschen damals: Wer von uns schlägt schon mit der Faust andere nieder? Aber tun wir das im übertragenen Sinn nicht täglich durch unsere Ignoranz, unseren Lebensstil und unsere Angst, im Leben zu kurz zu kommen, wenn wir mit anderen zu teilen beginnen? Und seien wir doch mal ehrlich, was «Streit unter Christen» betrifft. Da hat sicher jeder von uns seine eigenen Geschichten und Erlebnisse beizutragen, oder? Wenn ich an die Gemeinden denke, zu denen ich bisher gehörte, dann kann ich nur feststellen: Der Streit unter Christen ist oft der heftigste! Und wohl auch derjenige, der am längsten unter dem Teppich sein gärendes Dasein fristet. Warum das so ist? Ein Blick in die Passage von Jesaja 58 führt es vor Augen. Christen können selbst mit aufgeschlagener Bibel im Gottesdienst sitzen, aber ihr Herz ist bitter, nachtragend und böse.

Aber gegen Egoismus, Streit und Oberflächlichkeit hat Gott eine besondere Medizin, nämlich eine gute Botschaft. Und die lautet: Er möchte in uns den wahren Gottesdienst entfachen. Er will uns «on fire» setzen. Und damit das kein Geheimnis für uns bleibt und wir unser Leben lang rätseln müssen, was es wohl sein könnte, stellt Gott in Jesaja 58,6-7, diese Maxime vor: «Löst die Fesseln der Menschen, die ihr zu Unrecht gefangen haltet, befreit sie vom drückenden Joch der Sklaverei, und gebt ihnen ihre Freiheit wieder! Schafft jede Art von Unterdrückung ab! Gebt den Hungrigen zu essen, nehmt Obdachlose bei euch auf, und wenn ihr einem begegnet, der in Lumpen herumläuft, gebt ihm Kleider! Helft, wo ihr könnt, und verschliesst eure Augen nicht vor den Nöten eurer Mitmenschen!»

Herzenshaltung

Der wahre Gottesdienst mit einem aufrichtigen Herzen findet nicht in einem schönen Gemäuer oder gut gestaltetem Gebäude Gemäuer mit grosser Kanzel oder Bühne statt, sondern als Haltung des Herzens mitten im Alltag. Das ist es, was eine «lebendige Kirche» ausmacht und in unserer heutigen Zeit oft auch nach aussen hin sichtbar kennzeichnet. Ihre Mitglieder haben verstanden, dass es rings um sie viele Menschen gibt, die darauf warten, die Auswirkungen einer praktischen Anbetung Gottes zu erleben. Doch die Veränderung beginnt mit einer nüchternen Bestandsaufnahme. Und dazu braucht es Ehrlichkeit! Wir können nicht unsere Herzen vor den Nöten der Welt verschliessen und von Gott erwarten, dass er von unserer Anbetung beeindruckt ist.

«Brich dem Hungrigen dein Brot», wird nach Luther Jesaja 58,7 übersetzt. Was kann das für uns bedeuten? Zum Beispiel sollen wir uns um Menschen mit grossen Nöten kümmern und sie bei uns aufnehmen, bis ihr Leben wieder in der Spur ist. Ausserdem wird beim Brotbrechen am deutlichsten, dass jeder etwas abbekommen kann. Und zwar nicht nur die «Scheibe, die ihm zusteht», sondern im Teilen scheint sich der Brot-Laib zu vermehren. Wir sollen einfach das tun, was in unserer Macht steht. Das heisst, uns mit unseren Begabungen, Talenten und Möglichkeiten (auch den finanziellen) engagieren. «Wir können sicher nicht dafür sorgen, dass die Welt für viele zum Paradies wird, aber wir sollten uns mit aller Kraft dafür einsetzen, dass sie für immer weniger Menschen zur Hölle wird», so hörte ich es einmal auf einer Veranstaltung.

«Wenn du einen Nackten siehst, so kleide ihn!» Damals bedeutete dies etwas anders als heute, wo Nacktheit zu einem Industriezweig ausgebaut wurde. Nacktsein stand für eine absolute Hilfslosigkeit. Gott fordert die Menschen (und auch uns heute) auf, die Not zu erkennen und alles zu tun, was uns möglich ist, um sie zu beseitigen.

Verheissungen Gottes

Gott legt eine Verheissung darauf, wenn wir den Blick für die Armut in der Welt bekommen und etwas dagegen unternehmen: «Dann wird mein Licht eure Dunkelheit vertreiben wie die Morgensonne, und in kurzer Zeit sind eure Wunden geheilt. Eure barmherzigen Taten gehen vor euch her, meine Macht und Herrlichkeit beschliesst euren Zug» (Jesaja 58, 8; HFA).

Das heisst sehr deutlich: «Wer teilt, erhält ein Geschenk!» Und wir kommen wieder an beim Licht! Viele Verse in der Bibel beschäftigen sich mit Licht, und zwar deutlich mehr als mit der Dunkelheit. Gott ist Licht. Jesus ist Licht – und wer ihm nachfolgt, der wird nicht mehr in der Finsternis gehen. Mehr noch: Wir sollen das Licht verbreiten. In Matthäus 13,43 sagt Jesus, wer die wahren «Lichtgestalten» sein werden: «(…) alle, die Gottes Willen tun, werden in der neuen Welt ihres Vaters leuchten wie die Sonne» (HFA).. Und Jesus selbst hat seinen Jüngern zugesprochen: «Ihr seid das Licht der Welt!» (Matthäus 5,14; LÜ) Wollen wir das überhaupt sein?

Aber es ist noch mehr verheissen als nur Licht: «… und deine Heilung wird schnell voranschreiten», «und deine Gerechtigkeit wir vor dir hergehen» und «die Herrlichkeit des Herrn wird deine Nachhut sein» (Matthäus 5,8; LÜ).

Was hier verheissen wird, sind vier starke Werkzeuge, die wir in unserem Leben wirklich nötig haben: Licht, Heilung, Gerechtigkeit und Schutz.

Mehr kann man als Kassenpatient nun wirklich nicht vom Leben und von Gott erwarten! Diese Dinge werden versprochen, wenn wir uns Gottes Herzensanliegen anschliessen und raus aus der Isolation in die richtige, ehrliche, offene und authentische Beziehung treten: zu Gott, zu uns selbst, zu anderen Menschen und zur Gesellschaft um uns herum (sprich: der Weltgemeinschaft).

Und letzten Endes resultiert daraus umfassende Hilfe für uns selbst, denn Gott verspricht: «Wenn ihr dann zu mir ruft, werde ich euch antworten. Wenn ihr um Hilfe schreit, werde ich sagen: ‚Ja, hier bin ich.‘ Beseitigt jede Art von Unterdrückung! Hört auf, verächtlich mit dem Finger auf andere zu zeigen, macht Schluss mit aller Verleumdung! Nehmt euch der Hungernden an, und gebt ihnen zu essen, versorgt die Notleidenden mit allem Nötigen! Dann wird mein Licht eure Finsternis durchbrechen. Die Nacht um euch her wird zum hellen Tag» (Jesaja 58,9–10; HFA).

Nächste Woche geht es an dieser Stelle weiter mit Auszügen aus dem Buch «Der Sehendmacher» von Steve Volke. Alle Beiträge zum Buch finden sich hier.

Zum Autor: Steve Volke ist Direktor des christlichen Kinderhilfswerks Compassion, das in 26 der ärmsten Ländern der Welt mit dem Ziel tätig ist, Kinder aus Armut zu befreien. Steve Volke war viele Jahre Verleger und ist Autor von über 30 Büchern. Er bloggt regelmässig unter stevevolke-blog.

Datum: 24.06.2026
Autor: Steve Volke
Quelle: Buchauszug «Der Sehendmacher»

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