So machten Kirchen Schlagzeilen

Wochenrückblick

So machten Kirchen Schlagzeilen
Diese Woche fallen die Urner Reformierten auf, die einen Strategieprozess durchlaufen. Und der Fachkräftemangel in Schweizer Religionsgemeinschaften.
Prof. Ralph Kunz beim Strategie-Workshop in Uri.

«Was bedeutet es heute, Kirche zu sein?» 24 Personen gingen im Rahmen eines Visions- und Strategieprozesses der Evangelisch-reformierten Landeskirche Uri dieser Frage nach. Der Workshop wurde unter der Leitung von Prof. Ralph Kunz von der Universität Zürich durchgeführt. Ziel des Workshops war, die Kirche heute so zu gestalten, dass sie uns nicht Energie raubt, sondern Energie gibt. In einem Impulsreferat unterschied er zwischen der Kirche als Organisation, die funktionieren muss, und der Kirche als Bewegung, gestiftet von Jesus Christus, die Lebendigkeit schenkt. Wer sich immer nur an den Strukturen abarbeite, werde depressiv, schreibt die «Urner Zeitung».

Zurzeit ist die reformierte Kirche eine staatlich gesicherte Institution, die von steuerzahlenden Mitgliedern getragen wird. Diese Basis wird in den nächsten 20 Jahren weitgehend wegbrechen. Kunz sieht eine mögliche Reaktion darauf in der stärkeren Zusammenarbeit mit anderen Kirchen, den Katholiken und allenfalls auch den Freikirchen. Doch im Zentrum des Tuns stehe nicht die Organisation, sondern das Evangelium, die frohe Botschaft. Jesus habe nicht an Gebäuden mit Orgeln gebaut, sondern am Himmelreich. Mit den inspirierenden Erfahrungen von diesem Tag ist die Kirchgemeinde gut gerüstet für die kommenden Schritte im Strategieprozess.

Fachkräftemangel in Schweizer Kirchen

Wegen Inländer-Vorrang: Rekrutierung aus dem Ausland ist herausfordernd.

Religionsgemeinschaften sind auf Personal aus dem Ausland angewiesen. Für religiöse Minderheiten ist das besonders schwierig: Was kirchenrechtlich eine freie Wahl ist, muss dem Arbeitsrecht genügen. Die freie Wahl bleibt dabei nicht immer, berichtet Radio SRF 1. So hat zum Beispiel die jüdisch-liberale Gemeinde Zürich ein turbulentes Jahr hinter sich. Sie führte eine Rabbinerwahl durch, steht aber trotzdem ohne Rabbiner da. 2025 wählte die Gemeindeversammlung Mosche Barnett als Nachfolger für den abtretenden Rabbiner. Die Freude war gross, aber kurz. Barnett erhielt keine Arbeitsbewilligung. Der Rabbiner hat einen israelischen und einen britischen Pass – beides keine EU-Staaten. Für Fachkräfte aus sogenannten Drittstaaten gilt der Inländer-Vorrang. Konkret: Arbeitgeber müssen für Stellen zuerst Menschen aus der Schweiz berücksichtigen oder solche aus dem EU‑Raum.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf ein grundsätzliches Problem in der Schweiz. Religiöse Minderheiten berichten von Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Geistlichen ausserhalb der EU. Besonders religiöse Vereine mit spezifischem kulturellen Hintergrund stehen vor grösseren Schwierigkeiten. Auch die katholische Kirche rekrutiert Geistliche aus Drittstaaten. Häufig kommen die Priester aus der Demokratischen Republik Kongo oder aus Indien. Auf Anfrage bestätigt die Schweizer Bischofskonferenz, dass der administrative Aufwand hoch sei, sonst aber keine Probleme bekannt seien.

Eisheilige trotzen Klimaerwärmung noch

Vom 11. bis zum 15. Mai wird traditionell ein Kälteeinbruch erwartet, der mit den Heiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia in Zusammenhang gebracht wird.

«Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi – zum Schluss fehlt nie die kalte Sophie.»

So lautet eine Bauernregel, die anhält, die Gedenktage der Eisheiligen vorbeiziehen zu lassen, ehe die Aussaat erfolgt, um sie keinem Frost auszusetzen. Die «Eisheiligen»-Prognose dürfte im Hinblick auf den zunehmenden Klimawandel meteorologische Relevanz einbüssen. Mit dem fortschreitenden Klimawandel sind deutliche Veränderungen in den Wettermustern zu beobachten, warnt etwa die Erzdiözese Wien. «Die Temperaturen steigen weltweit, und auch der Frühling und die ‘Eisheiligen’ bleiben davon nicht unberührt.» In einigen Regionen würden bereits heute mildere Temperaturen während der Eisheiligen festgestellt.

Die Auswirkungen des Klimawandels könnten zukünftig weitere Veränderungen dieses gewohnten Wetterphänomens in Mitteleuropa mit sich bringen. Zudem beziehen sich die alten Bauernregeln auf den Julianischen Kalender. Da sich seit der Gregorianischen Kalenderreform 1582 die Daten verschoben haben, müssten die Kälteeinbrüche eigentlich um mehr als eine Woche nach hinten verschoben stattfinden, also erst ab ungefähr dem 20. Mai. Eine Auswertung der GeoSphere Austria (2025) für die letzten Jahrzehnte zeigt etwa: Die Eisheiligen sind kein typischer Zeitpunkt für Kaltlufteinbrüche, die Frost bringen. Insgesamt sei die Wahrscheinlichkeit für Frost im Mai durch die Klimaerwärmung der letzten Jahrzehnte gesunken, erklärte Alexander Orlik, Klimatologe an der GeoSphere Austria.

 

Zum Autor: Markus Baumgartner ist Inhaber der Kommunikationsagentur b-public AG und u.a. Mediensprecher Dachverband Freikirchen.ch, Co-Präsident Forum Christliche Führungskräfte, Vizepräsident der Agentur C und Herausgeber des Dienstagsmail.

Datum: 17.05.2026
Autor: Markus Baumgartner
Quelle: Livenet

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