Persönlicher Impuls

«In der Bescheidenheit liegt Weisheit»

Florian Wüthrich (2.v.l.) trifft in seiner Arbeit immer wieder auf offene und bescheidene Menschen (in diesem Fall Kevin Schläpfer, Daniel Hornecker und Klaus Zaugg bei der Aufnahme der 5. Staffel der Kochshow)
Eines der grossen Privilegien meiner Arbeit als Chefredaktor der Livenet-Arbeit ist, dass ich Menschen des Friedens treffen darf. Es sind Frauen und Männer, die ein wichtiges Geheimnis im Leben verstanden haben.

«Masslosigkeit zieht Schande nach sich. In der Bescheidenheit liegt Weisheit.» 
Sprüche 11,2 / Basis Bibel

In meinen 25 Jahren als Journalist hatte ich die Gelegenheit, Menschen zu studieren. Da gibt es jene, die dir von der ersten Sekunde an zu verstehen geben, wie die Verhältnisse aussehen. Sie sitzen auf ihrem hohen Ross und geben dir zu spüren, dass du als Vertreter von deinem Provinzradio oder von deinem christlichen Portal unten zu bleiben hast. Dann gibt es aber auch diejenigen, die sich überraschend demütig auf ein Gespräch einlassen. Ganz auf Augenhöhe. Heute möchte ich Menschen ehren, die sich die Menschlichkeit und Bescheidenheit wahren konnten und auch uns als christlicher Redaktion mit offenem Herzen begegnet sind. Meine Reise fängt in Thun an…

1. Der Stadtpräsident von Thun

Der Thuner Stadtpräsident im Interview

Es war im Frühling 2019, als ich aufs Herz bekam, mit den bisherigen Verteilzeitungen Jesus.ch-Print einen neuen Weg zu gehen. Klar war, dass im Herbst eine Regiozeitung in Thun herauskommen soll. Die landet direkt im Altpapier, wenn nicht Persönlichkeiten dieser Stadt zu Wort kommen, dachte ich mir. Und so nahm ich all meinen Mut zusammen und rief in der Direktion Präsidiales und Stadtentwicklung in Thun an, um den Stadtpräsidenten zu einem Interview anzufragen. Kurz darauf hatte ich Raphael Lanz am Draht. «Ja Sie, Herr Wüthrich, warum könnten wir eigentlich nicht ein Gespräch über den Einfluss von Jesus in der Gesellschaft führen?», so die Reaktion des Thuner Stapis. Er habe schon in so vielen Zeitungen und Magazinen Interviews gegeben, da könne er gut auch Jesus.ch Auskunft geben.

Kurz darauf sass ich bei Raphael Lanz im Büro. Wir sprachen über eine Stunde über den Einfluss der Zehn Gebote auf das Schweizer Rechtssystem, natürlich ein Fachgebiet für ihn als Juristen, über persönlichen Glauben und Werte. Ich bin immer noch von Herzen dankbar, dass Raphael Lanz sich auf diese Begegnung eingelassen hat, die mir Mut machte, den konzeptionellen Ansatz weiterzuverfolgen, auch bekannte Gesichter einer Stadt oder Region in unsere Medienarbeit einzubeziehen. Ob ihn diese Haltung der Offenheit, Lernbereitschaft und Demut, die mir damals entgegenkam, nun auch in den Berner Regierungsrat geführt hat, lasse ich gerne offen.

Wenn wir schon in Thun sind: Natürlich könnte ich auch über FC Thun-Präsidenten Andres Gerber ein riesiges Loblied anstimmen. Auch er hat zu einem frühen Zeitpunkt die Tür geöffnet und in einer Jesus.ch-Print über seine Werte wie Vertrauen, Menschlichkeit und Leidenschaft gesprochen. Da das Meister-Märchen des FC Thun bereits von allen Seiten bewertet und kommentiert wurde, setze ich heute einen anderen Schwerpunkt.

2. Alt-Bundesrätin Amherd

Viola Amherd im Interview mit Markus Hänni

Eine besondere Begegnung war auch jene mit der ehemaligen Bundesrätin Viola Amherd, die meinen Redaktionskollegen Markus Hänni zum Interview empfing. Wie sie sich auf Fragen zum persönlichen Glauben und zur Verantwortung ihres Amts einliess, war sehr bewegend. Bei der Frage, ob die Vereidigung im Dezember 2018 nur ein Ritual war, wurde die damalige VBS-Vorsteherin sehr emotional. Dies zeigte sehr deutlich, dass es ihr etwas bedeutet hatte, die Hilfe und den Beistand des dreieinigen Gottes zu erbeten. «Gerade wenn man ein Amt mit einer solchen Verantwortung antritt, ist es wichtig, sich der Unterstützung von oben bewusst zu sein», gab sie im Hope Schweiz-Interview zu Protokoll.

3. Hockeygott Kevin Schläpfer

Klaus Zaugg, Kevin Schläpfer und Daniel Hornecker waren die Kochshow-Gäste der fünften Staffel

Als «Hockeygott» wurde Kevin Schläpfer bezeichnet, weil er den EHC Biel 2008 in die höchste Liga führte und den Klub später mehrmals in Extremis vor dem Abstieg rettete. Der Spitzname entstand auch, weil er durch seinen emotionalen, leidenschaftlichen Stil als Trainer eine starke Bindung zu Fans und Spielern aufbaute. Schläpfer hat Kultstatus in der Schweizer Eishockeyszene.

Der heutige Sportchef des EHC Basel hätte es definitiv nicht nötig gehabt, an der Kochshow «Was das Leben auftischt» von Hope Schweiz teilzunehmen. Doch auch er hat sich diese bescheidene, lernbereite Haltung bewahrt. So nahm er schliesslich Platz am Tisch und liess sich mit offenem Herz auf die Diskussion ein. Wer den Dialog zwischen Kevin Schläpfer und Daniel Hornecker zum Start unserer vierten Folge der Hockey-Staffel noch nicht gesehen hat, sollte das unbedingt nachholen (hier geht es zur Folge). Was für ein gewaltiges Geschenk, wenn sich Menschen mit unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen respektvoll begegnen! Da klingen in mir Zitate des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber an, der zum Beispiel sagte: «Alles wirkliche Leben ist Begegnung. Wenn wir aufhören, uns zu begegnen, ist es, als hörten wir auf zu atmen.»

«Was ihr den Geringsten tut, das tut ihr mir»

All diesen Menschen des Friedens, die sich trotz anderer Weltanschauung freundlich auf Christen und ihre Anliegen einlassen, haben einen Segen zu erwarten. Der deutsche Theologe Detlef Kühlein bringt es in seinem Bibletunes-Podcast deutlich auf den Punkt, wenn er über Matthäus 25,40 lehrt: «Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.»

Für Detlef Kühlein ist klar, dass hier nicht das Volk Gottes gemeint ist, sondern Menschen, die Zeit ihres Lebens nicht in direkter Verbindung zu Jesus Christus standen. «Sie werden gemessen an ihren Taten. Was haben sie gemacht aus dem, was Gott ihnen gegeben hat? … Es spielt eine Rolle, was ein Nichtgläubiger mit Menschen tut, die zu Gott gehören. Nicht nur die Verbindung zu Jesus rettet in der Ewigkeit. Das positive Verhalten gegenüber Christen ist ein Fakt, den Jesus sieht und honoriert.» Detlef Kühlein führt in diesem Podcast den Gedanken sogar so weit, dass diese «Gerechten» ins Reich Gottes eingehen können.

Ohne zum Schluss eine theologische Debatte zu starten, wie Jesus beim jüngsten Gericht die Menschen beurteilen wird, können wir doch eines deutlich ablesen: Auch wenn ein Mensch diesem Gott nicht so vertrauen kann, dass er ihm sein Leben hingibt, liegt doch ein Segen darauf, Christen freundlich zu begegnen. So kann auch ein suchender Mensch bereits einen Schritt auf Jesus zugehen, indem er Christen nicht Knüppel zwischen die Beine wirft oder ihnen vielleicht sogar zu trinken, zu essen oder sonst Gutes gibt (siehe dazu auch Lukas 10,16).

«Wer für andere ein Segen ist, wird selbst beschenkt. Wer Getränke reicht, bekommt auch zu trinken.» 
Sprüche 11,25 / Basis Bibel

Zum Autor: Florian «Flo» Wüthrich ist seit über 25 Jahren als Journalist tätig. 2014 wechselte er vom Radio- in den Online-Journalismus. Bei Livenet ist er seit über zehn Jahren als Chefredaktor und Talkmaster tätig, 2023 hat er zudem die Verantwortung als Livenet-CEO übernommen. Flo wirkt als Brückenbauer in der christlichen Szene mit dem Anliegen, das Evangelium authentisch und gesellschaftsrelevant zu kommunizieren.

Datum: 08.05.2026
Autor: Florian Wüthrich
Quelle: Livenet

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