Vom Schreiner zum Seelsorger: Ein Pastor, der anpackt
Seine erste Ausbildung war jene zum Möbelschreiner. «Ich bin nicht so lange auf dem Beruf geblieben, ich bin nicht der typische ‘holzige’», erinnert sich Joachim Heina (62). Auch von Jesus ist bekannt, dass er ein Handwerk ausübte; jenes des Zimmermanns, was aber nicht im klassischen Sinne dem heutigen Schreiner entspreche: «Ein Zimmermann hatte damals auch viel mit Stein zu tun.»
Bereits als Jugendlicher interessierte sich Joachim Heina auch für Sozialarbeit. Er erlebte in der Stami in St. Gallen eine aufblühende Gemeindearbeit. Später durchlief er das Studium am SBT auf Beatenberg.
«Pastoren waren schon in meiner Teenie-Zeit Vorbilder für mich. Sie prägten mich und ich wurde ein leidenschaftlicher Jungschi-Leiter. Das wollte ich zum Beruf machen, im Reich Gottes arbeiten füllte mich aus.»
Es folgte eine Zeit in der Gemeindegründungsarbeit mit Vision Schweiz der FEG. Auch heute ist er ein Pastor, der gerne mit den Händen arbeitet. «Ein Tag lang ununterbrochen im Büro sitzen, schreiben und lesen ist eine Herausforderung … ich brauche Vielseitigkeit.»
Jesus war 30 Jahre ein Büezer
Fühlt sich Joachim Heina, der heute Pastor der FEG Gais ist, durch den ähnlichen Hintergrund mit Jesus auf besondere Weise verbunden? «Jesus war bis zum 30. Lebensjahr Büezer. Das war bei mir eine kürzere Zeit; ich mache schreinerisch weniger. Aber ich unterhalte einen Oldtimer-VW-Bus T3 aus dem Jahr 1990. Manchmal nehme ich eine 24-Stunden-Auszeit auf dem weiten Feld, verbringe Zeit mit Gott und arbeite an einer Predigt.»
Das hilft bei seinem ADS, «so kann ich fokussiert an etwas arbeiten.» Ausserdem hilft der Oldtimer-Bus beim Kontaktknüpfen mit anderen Leuten. So organisiert er mit der FEG Gais jeweils ein Oldtimer-Treffen, das Menschen aus der Region anzieht (mehr dazu später).
Schreiner und Töpfer «formen» Menschen
Die Bibel nennt die Allegorie, wonach der Töpfer den Ton und damit das Gefäss formt. «Formt» Joachim Heina als einstiger Möbelschreiner heute als Pastor – im übertragenen Sinn – Menschen? «Es gibt sicher Prallelen, jeder Mensch hat eine Bestimmung wie ein Möbelstück und ich kann helfen, in die Berufung hineinzuwachsen und diese wahrnehmen … aber ich sehe es nicht so, dass ich forme: Das ist Aufgabe von Jesus. Aber ich kann helfen, sich dem Wirken des Heiligen Geist auszusetzen.»
Und um beim Holz zu bleiben: «Menschen sind aus verschiedenem Holz geschnitzt: Hartholzig, feinholzig, feinkörnig, harzig … man geht unterschiedlich mit verschiedenen Holzarten um. Es geht darum, dieser Unterschiedlichkeit Raum zu geben, denn die Leute funktionieren unterschiedlich.»
Gottesdienste live übertragen
Die FEG Gais beschreibt Joachim Heina als liebenswerte, fröhliche Runde, «eine traditionelle Landgemeinde, eingebettet von Hügeln; gewillt mit Strahlkraft und in Liebe Leute zu gewinnen.» Besucht werde die Gemeinde von rund 70 bis 80 Menschen. Zu den wichtigen Punkten gehört das Erreichen von jungen Menschen; da viele wegen Weiterbildung nach St. Gallen und Winterthur weiterziehen.
Seit diesem Frühling werden alle 14 Tage am Sonntagabend die Gottesdienste des ICF Zürich live gestreamt. «Dies ergibt jeweils einen Treffpunkt für Junge mit Popcorn-Maschine und Tischtennis. Der Anlass wird auch an- und abmoderiert.» So kann ein Online-Gottesdienst gemeinsam miterlebt werden, statt dass ihn manche allein daheim auf Youtube schauen.
Oldtimer und Volleyball als Visitenkarten
Joachim Heina stellt einen Kulturwandel fest. «Unsere Gesellschaft ist so säkularisiert und lebt, als gäbe es Gott nicht.» Es geht darum, Gemeinde neu gesellschaftsrelevant zu bauen. Dazu gehört unter anderem das alljährliche Volleyball-Turnier in einer Dreifach-Halle, bei dem die Besucher bekocht werden sowie über Mittag einen freiwilligen Input hören können. Das nächste Turnier, das in der Regel ausgebucht ist, geht am 6. März 2027 über die Bühne.
Seit rund dreizehn Jahren besitzt Joachim Heina seinen Oldtimer-Bus. «Ein weiteres Gemeindeglied hat einen Käfer in der Garage. Insgesamt sechs Oldtimerbesitzer sagten uns: ‘Kommt, wir machen ein Oldtimer-Treffen und laden Freunde ein.’ Das ist auf ein grosses Echo gestossen. Sie kommen mit ihren Schätzen und sind voll und ganz da. Es wird über Gott und die Welt diskutiert, eine kleines ‘Ausfährtli’ folgt und ich gebe einen Input.» Anknüpfungspunkte zu den Oldtimer-Wagen gibt es viele: «Wir Menschen haben auch unsere Gebrauchsspuren oder es kann um Werterhaltung oder Wertsteigerung gehen.» Das nächste Oldtimer-Treffen folgt am 13. Juni 2026.
Näher zusammenrücken
Wichtig sei auch das Näher-zusammenrücken im 3000-Seelendorf. Mit dem Vertreter der katholischen und reformierten Kirche organisiert Joachim Heina einen Pfarrer-Talk bei einem Kultursommer-Anlass in der Ortschaft. Die Besucher können Fragen stellen, zum Beispiel auch, warum sie den Pfarrberuf gewählt haben.
«Ich sagte schon: ‘Wie können wir erwarten, dass Kirchenferne ihre Kinder in unsere Jungschi schicken, wenn wir den Kontakt zur Bevölkerung unterlassen oder meiden?’ Es geht darum, Vertrauen zu nähren und fördern. In diesem Sinn wollen wir segnend für andere da sein, mit den Unterschieden, die wir haben. Früher haben sich viele Christen über Abgrenzung definiert, heute sehen wir die Menschen und wollen ihnen als Nachfolger Christi ein attraktives Gegenüber sein.»
So half die FEG beim kantonalen Schwingfest beim Auf- und Abbau sowie beim Servieren mit. Ausserdem wird eine Kleiderbörse im Herbst sowie der wöchentliche Strick-Kaffee-Nachmittag angeboten.
Beim Kreuz sitzen
Rund vier Mal pro Jahr trifft sich die Gemeinde in einem grossen Kreis, mit einem Kreuz in der Mitte. «In diesem 'Läbe Teile'-Gottesdienst kann jeder etwas beitragen. Diese Zeugnisabende ziehen jeweils besonders Aussenstehende an. Sie sehen, wo wir am Lernen sind, wo wir vielleicht eine Krise durchleben und wie wir in Jesus Hilfe erleben.»
Er fragt sich immer wieder, «welche Strahlkraft unsere Anlässe haben, welche Charaktereigenschaften in der Gemeinde wachsen. Der Wert, den man leben möchte, ist Jesus ähnlicher werden.»
Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas.
Datum: 03.05.2026
Autor:
Daniel Gerber
Quelle:
Livenet