Überall Dornen auf dem Weg?
«Faule Menschen sehen überall Dornen auf ihrem Weg. Ehrliche Leute aber finden immer eine Strasse, die sie gehen können.»
Sprüche 15,19 / Basis Bibel
Bevor wir zum Selbsttest am heutigen «Tag der Arbeit» kommen, legen wir kurz mit dem amerikanischen Pastor Timothy Keller (1950-2023) die theologische Grundlage zur Arbeit. In seinem Buch «Berufung» zeigt er auf, dass Arbeiten zutiefst göttlich ist. Alles beginnt damit, dass Gott schöpferisch aktiv wird, indem er die Erde erschafft. Diesen Wunsch, schöpferisch zu sein, hat Gott auch in uns gelegt. Konkret schrieb Keller dazu: «Jedes Mal, wenn wir Ordnung ins Chaos bringen, unser kreatives Potenzial einsetzen und ein Stück Schöpfung bearbeiten, prägen und entfalten, sodass es mehr wird als das, was wir angetroffen hatten, üben wir Gottes Methode der kreativen, kulturellen Entwicklung.»
Wer kennt nicht auch das beglückende Gefühl, nach harter Arbeit einen Durchbruch feiern zu dürfen? Das ist es, was in Sprichwörter 13,12 gemeint ist: «Langes Warten macht das Herz krank; aber ein erfüllter Wusch gibt ihm neues Leben.» Es ist unglaublich erfüllend, Ziele zu stecken, hart dafür zu arbeiten und irgendwann Früchte der Arbeit zu sehen. Dieser Mechanismus bezieht sich längst nicht nur auf unsere berufliche Situation. Überall im Leben ist die Befriedigung besonders stark, wo ein Effort und Leidenschaft nötig waren.
Selbsttest Nr. 1: Traue ich mich, hohe Ziele zu stecken?
Der erste Teil der Selbstanalyse betrifft unsere innerste Haltung. Es kann sein, dass du bereits aufgrund von Enttäuschungen und Rückschlägen resigniert hast. Vielleicht erlebst du eine Windstille und kannst dir kaum mehr vorstellen, dass neuer Wind in deine Segel kommen könnte? Vielleicht gehörst du zu den Menschen, deren Herz durch langes Warten krank geworden ist. Dann ist es umso härter, den Glauben nicht aufzugeben. Doch wir haben einen Gott, der Totes wieder anhauchen kann, wie in Hesekiel 37. Oder wie stark ist Jesaja 40,28-29: «Begreift ihr denn nicht? Oder habt ihr es nie gehört? Der HERR ist der ewige Gott. Er ist der Schöpfer der Erde – auch die entferntesten Länder hat er gemacht. Er wird weder müde noch kraftlos. Seine Weisheit ist unendlich tief.Den Erschöpften gibt er neue Kraft, und die Schwachen macht er stark.»
Deshalb ermutige ich dich, weiterhin Ziele zu setzen und den Glauben nicht aufzugeben, wieder in die Kraft zu finden. Ich liebe Johannes Hartls Vortrag zum Thema «Passivität überwinden», wo er anhand des Königs Theoden von Rohan zeigt, wie wir durch inneres Resignieren alles verlieren können. Doch es gibt Wege, wieder in die Kraft zu kommen. Wenn du genauer beleuchten willst, was dich innerlich sabotiert und passiv werden lässt, hör dir unbedingt diesen Vortrag an!
Selbsttest Nr. 2: Was verrät meine Sprache?
Stephen R. Covey beschreibt in seinem Klassiker «Die 7 Wege zur Effektivität» die wichtigsten Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg. Dabei legt er ein besonderes Augenmerk auf unsere Sprache. Hier ein Auszug aus seinem Buch:
Ob jemand pro-aktiv oder reaktiv ist, kann man sehr gut an seiner Sprache erkennen. Reaktive Menschen bringen in ihrer Sprache zum Ausdruck, dass sie keine Verantwortung übernehmen wollen.
Hier ein paar weitere Beispiele:
- «So bin ich einfach.» Das heisst in Wirklichkeit: Ich werde bestimmt. Es gibt nichts, was ich daran ändern könnte.
- «Er macht mich so wütend!» Das heisst in Wirklichkeit: Ich bin nicht verantwortlich. Meine Emotionen werden von etwas gesteuert, das ausserhalb meiner Kontrolle liegt.
- «Das kann ich nicht machen. Ich habe einfach keine Zeit!» Das heisst in Wirklichkeit: Etwas ausserhalb von mir - begrenzte Zeit - hat die Kontrolle über mich.
Reaktive Sprache sagt zum Beispiel auch: «Es gibt nichts, was ich ändern könnte.» Pro-aktive Sprache hält dagegen: «Ich werde eine Alternative finden.» Was verrät deine Wortwahl über dich?
Selbsttest Nr. 3: Wo bin ich gefährdet, in ein Extrem abzudriften?
Beim Thema Arbeitsmoral bewegen sich die meisten irgendwo zwischen den beiden extremen Haltungen, dem Job die höchste Priorität einzuräumen und um jeden Preis Karriere zu machen oder eine komplette Abneigung gegen harte Arbeit vorzuschieben, um passiv zu bleiben. Selbstverständlich sind beide Extreme nicht erstrebenswert. Der Spruch «Unsere Friedhöfe sind voll von unentbehrlichen Managern» bringt schön auf den Punkt, dass ein Streben nach Macht, Ruhm und Reichtum letztlich nicht erfüllt. Ebenso gilt das für den bequemen, passiven Weg: «Faule Menschen sehen überall Dornen auf ihrem Weg. Ehrliche Leute aber finden immer eine Strasse, die sie gehen können», heisst es in Sprüche 15,19. Sich nur im Bett zu drehen, macht arm und führt ebenfalls ins Verderben.
Wo stehst du in diesem breiten Spektrum?
Back to work
Unabhängig von der Phase der eigenen beruflichen Karriere, lohnt es sich immer wieder, die eigene Arbeitsmoral zu reflektieren. Wo kann ich einen aktiven Schritt machen, um der göttlichen Ebenbildlichkeit entsprechend schöpferisch zu bleiben. Wo möchte ich hin? Wie kann mein Verhalten dazu beitragen, dass ich in einigen Jahren die Früchte meiner Arbeit ernten kann? Ich wünsche dir dabei viel Mut, Ausdauer und Gunst für gute Gelegenheiten!
«Kennst du jemanden, der fähig ist in seinem Beruf? Er wird in den Dienst von Königen treten, geringeren Leuten wird er nicht dienen.»
Sprüche 22,29 / Basis Bibel
Zum Autor: Florian «Flo» Wüthrich ist seit über 25 Jahren als Journalist tätig. 2014 wechselte er vom Radio- in den Online-Journalismus. Bei Livenet ist er seit über zehn Jahren als Chefredaktor und Talkmaster tätig, 2023 hat er zudem die Verantwortung als Livenet-CEO übernommen. Flo wirkt als Brückenbauer in der christlichen Szene mit dem Anliegen, das Evangelium authentisch und gesellschaftsrelevant zu kommunizieren.
Datum: 01.05.2026
Autor:
Florian Wüthrich
Quelle:
Livenet