Ex-Scharfschütze ist beim «Prinz des Friedens»
Kurz nachdem die Hamas durch massive Einschüchterungen und alles andere als freie Wahlen die Macht im Gaza-Streifen an sich gerissen hatte, besuchte Livenet-Mitarbeiter Daniel Gerber Taysir «Tass» Abu Saada in Gaza, um mit ihm gemeinsam das Buch «Ich kämpfte für Arafat» zu verfassen.
In einem Ort im südlichen Gazastreifen betreut Tass in dieser Zeit mehrere Christen, er trifft Arme und baut einen Kindergarten auf. Einmal verscheucht er einen Kämpfer von der Strasse, da dieser die Gegend zum Ziel machen könnte… seine Vergangenheit mit Arafat verleiht Tass den dazu nötigen Respekt.
Dazwischen erzählt er seine Geschichte. Er kam in Gaza zur Welt, wenig später zog seine Familie zunächst nach Saudi-Arabien, dann nach Katar. Im Teenager-Alter riss Tass von Zuhause aus, um sich Jassir Arafats «Fatah» anzuschliessen. Von jordanischem Boden aus übte Tass Saada mit der Fatah Kommando-Aktionen gegen Israel aus. Als Scharfschütze wurde er zudem für gezielte Attentate eingesetzt.
Tass wurde damals «Butcher» («Schlächter») genannt. Die Verluste in den eigenen Reihen waren hoch und bald stieg der junge Mann in den militärischen Graden. Zudem wurden Kinder an den Waffen ausgebildet.
Trick und Wende
Nach mehreren Jahren nahm sein Vater Kontakt mit ihm auf. Es gelang ihm, Tass nach Hause zu locken. Nur kurz solle er nach seiner Mutter schauen kommen, dann könne er wieder in den Kampf ziehen. Doch am Flughafen in Doha wurde ihm der Pass abgenommen. Sein Vater stellte ihn vor die Wahl, in Katar zu bleiben oder im Ausland zu studieren.
1974 zog Tass in die USA, mit einer besseren Ausbildung wollte er später wieder gegen Israel kämpfen. In den Staaten heiratete Tass, studierte Wirtschaft und arbeitete sich in einem Restaurant vom Tellerwäscher zum Besitzer hoch. Knapp zwanzig Jahre später entschied sich der Palästinenser für ein Leben mit Christus.
Bei seiner Hinwendung zu Gott bereute Tass seinen Hass. Durch das Lesen der Bibel stellte er fest, dass die Juden das Recht haben, in Israel zu leben. Gleichzeitig sollten nach seiner Überzeugung auch die Söhne Ismaels – ebenfalls Nachkommen von Abraham – Platz finden. Die Brüdervölker, so der Wunsch von Tass, sollen in Frieden miteinander leben. Schlüssel dazu sei der «Prinz des Friedens», Jesus Christus.
Später kehrte Taysir Abu Saada teilzeitlich in den Nahen Osten zurück. Doch er säte nicht mehr Feindschaft, sondern Versöhnung. Er wünscht sich, dass die Jugendlichen heute einen anderen Weg einschlagen, als er das damals getan hat.
Hoffnung für Gaza
Unter anderem engagierte sich Tass Saada für Kinder- und Jugendprojekte; durch die von ihm gegründeten Organisationen «Hope of Peace Foundation» (früher «Hope for Ishmael») sowie «Seeds of Hope» setzte er sich für die Menschen in der Region ein.
Neben seinem Wirken im Gazastreifen führte er einen Kindergarten in Jericho und einen in Jerusalem. Dazu kamen Kurse für Jugendliche in Englisch sowie ein Start-up-Programm für solche, die ein Unternehmen beginnen wollten. Finanziert wurde dies unter anderem durch ein Restaurant, eine Eier- und Hühnerfarm sowie ein Trinkwasser-Brunnenprojekt.
Er betete für beide Seiten
Vor einiger Zeit berichtete Livenet, dass Jesus vielen Menschen in Gaza im Traum erschienen ist. Diese Darstellung bestätigte Taysir. Er betete täglich für die Menschen auf beiden Seiten. «Viele Muslime suchen nach einer Alternative zum Islam», bilanzierte Tass Saada nach dem Überfall vom 7. Oktober 2023 gegenüber «CBN». «Trotz der Zerstörung glaube ich, dass Gott vorhat, die Palästinenser in Gaza aufzuwecken und nach einer Alternative zu suchen.»
Saada glaubte, dass sich viele Menschen Jesus zuwenden werden. Er bestätigte den Bericht, dass Hunderte von Bewohnern des Gazastreifens Jesus im Schlaf begegnet seien. Ein Mitglied seines Teams vor Ort berichtete: «Der Herr erschien ihnen in Visionen und Träumen, sie umarmten sich und freuten sich. Sie stellten fest, dass sie alle dieselbe Vision gehabt hatten». Und Saada war sich sicher: «Die Ernte wird gross sein.»
Nun ist Tass Saada am 1. April 2026 im Alter von 75 Jahren nach kurzer Krankheit im Koma verstorben, wie die HMK Schweiz mitteilt. «Die letzten Jahre lebte er in Jericho in der Westbank, von wo aus er vor allem Jesus-Nachfolger mit muslimischem Hintergrund begleitete», so die HMK, die zu seinen Partnern gehörte und mit deren Hilfe er mehrere Vorträge in der Schweiz hielt. Dies unter anderem mit dem messianischen Juden Moran Rosenblit (von «Hope 4 Israel»), der einst Araber hasste («Nur ein toter Araber ist ein guter Araber»).
Christen aus Gaza haben diesen Nachruf verfasst:
(von Livenet aus dem Englischen übersetzt)
Der Körper ist gegangen … doch seine Wirkung bleibt.
Seine Stimme ist verstummt … doch seine Worte leben in unseren Herzen weiter.
Heute stehen wir mit gebrochenen Herzen da, aber voller Hoffnung, denn wir verabschieden uns nicht von einem gewöhnlichen Mann, sondern von einem Mann des Glaubens. Er hat mit seinem ganzen Sein für Christus gelebt und unauslöschliche Spuren hinterlassen.
Bruder Tass war nicht nur ein Diener, sondern auch ein geistlicher Vater, ein Erbauer von Menschen, ein Sämann des Glaubens und ein lebendiges Zeugnis der Liebe Christi in einem von Leid geprägten Land.
Durch die Gnade des Herrn war er massgeblich daran beteiligt, Männer des Glaubens zu formen und Samen zu pflanzen, die nicht sterben, sondern wachsen, Frucht bringen und denselben Geist weitertragen werden, mit dem er lebte.
Unser Traum war es, ihn wieder unter uns zu sehen, hier in Gaza, unter seinen Kindern und Jüngern (...). Wir wollten die Früchte sehen, die er gesät hat.
Doch der Herr hat entschieden, ihn zu sich zu holen. Nun kann er uns vom Himmel aus sehen.
Unser Verlust ist gross und die Lücke, die er hinterlassen hat, kann nicht gefüllt werden. Aber wir trauern nicht wie jene ohne Hoffnung, denn wir wissen, dass er jetzt in der Gegenwart des Herrn ist, an einem Ort, an dem es keinen Schmerz und keine Tränen gibt.
Tass ist gegangen …
Doch in Wahrheit … ist er noch hier.
In jedem Herzen, das er berührt hat,
in jedem Leben, das er verändert hat,
in jedem Gebet, das er uns gelehrt hat,
und in jedem Schritt des Glaubens, den wir nach ihm weitergehen werden.
Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuß geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas.
Datum: 09.04.2026
Autor:
Daniel Gerber
Quelle:
Livenet