Johannes Czwalina: Vom Tod her denken
Zum Buchprojekt mit den Sprüchen der Bibel wurde ein Favoriten-Autor des Talkmasters Flo Wüthrich eingeladen: Johannes Czwalina.
Die Erkenntnis, dass man mehr vom Lebensende her denken sollte, ist für Czwalina durch eine schwere Vergiftung in den Fokus gerückt. Drei Monate war er im Spital und musste konkret Abschied nehmen. Er sehe es als Wunder, hier bei Livenet zu sein, und er beurteile heute einiges schärfer, meint er.
Weisheit: Zuerst das Ende
«Wir sind es gewohnt, vom Anfang her zu denken, mit Ausbildungen und anderem, das uns weiterhelfen soll. Aber das Leben wäre einfacher vom Ende her zu denken», startet Johannes Czwalina und erzählt eine Episode, wie namhafte Persönlichkeiten von seinem Input berührt waren: «Ich war als Unternehmens-Berater in Berlin, wo wir Geschäftsleute von Firmen wie Telekom, Daimler oder Politiker vom Bundestag eingeladen hatten. Normalerweise geht es um Weiterbildungsfragen, Mobbing etc., aber hier erzählte ich von der Frage, wie wir dem Tod gegenüber stehen? Dann geschah etwas, womit ich überhaupt nicht rechnete. Alle zückten ihre Taschentücher, ein Ex-Vorstands-Mitglied von Daimler war total erschüttert. Einer nach dem anderen ging spontan ans Mikrophon und erzählte, was ich ihnen bei persönlichen Treffen mitgegeben hatte. Es ging um Wertschätzung, die sie erhielten, nicht ums Geschäft.»
Werte und die Angst des Loslassens
Scheinbar waren die Geschäftsleute so berührt, weil diese zentrale Frage ihr Innerstes traf. Der Berater dazu: «Es geht darum, mit welchen Werten wir leben. Da kommt auch der Zugang zur Weisheit, das mehr Vom-Ende-her-Denken. Das Leben wäre viel einfacher, weil die unwichtigen Werte wegfallen. Und es geht um unvergängliche Werte, die wir auch den Kindern weitergeben können.»
Er beobachte heute fehlende Kraft, Ängste und Opportunismus. Es gäbe viele kleine Ängste, die auf die grosse finale Angst, den Tod, hinwiesen, alles loszulassen.
Wüthrich weist auf Czwalinas Buch «Wenn ich nochmal anfangen könnte» hin, das auch in die Thematik reinspielt. Der Autor fährt fort, dass ein Co-Autor sich als abgebrüht bezeichnete, aber eine einzige Angst erwähnte: Er habe Angst vor dem Tod... «Im Gegensatz zu den Tieren, weiss der Mensch, dass er sterben wird und kann sich Gedanken dazu machen, was nachher sein könnte. Er hat diese Fähigkeit. Und falls es weitergeht, möchte er mit sich im Reinen sein», erklärt Czwalina weiter.
Der «Prediger» mittet ein
Das Sprüche-Buch vom Prediger klinge oft auch resigniert, aber es mitte ein, weil es auch vom Lebensgenuss spreche; also von beidem – aber mit der Perspektive, dass alles vergänglich sei, meint Czwalina und fährt fort: «Ein Besuch 1999 in Prag zeigte mir, dass all die Erfindungen von Telefon, Automobil etc. nur Transportmittel unserer Gesinnungen sind. Alles wird schneller. Welche Werte werden damit transportiert? Auch KI wird immer schneller. Es gibt Herausforderungen: ‘Was ist Wirklichkeit, was Phantasie?’ Den Menschen da als Christen und kluge Leute zu helfen, wird immer wichtiger. Es hat auch apokalyptische Züge, wie beispielsweise Roboter zu Monstern werden können – das ist eine Gefahr der Zukunft», so Czwalina.
Auch werde es immer schwieriger zu sehen, welche Bilder oder Bücher von KI hergestellt wurden. Künftig werde es so auch wichtiger werden, wer menschlich-persönlich etwas erschaffen habe.
Das Ziel von absoluter Wahrhaftigkeit
«Das Bemühen von absoluter Wahrhaftigkeit ist die Zukunft. Leute suchen Wahrhaftigkeit, wo sie auch vertrauen können. Wir bleiben auf dem Boden der Kreativität und verzichten auf Manipulation», und Johannes Czwalina resümiert: «Es ist eine Würde, lieber für etwas gehasst zu werden, als sich in jeder Form beliebt zu machen. Was die Welt verändern wird, sind mutige Menschen, die um der Wahrheit willen auch einsam gehen können und auch Nachteile in Kauf nehmen. Dem müssen wir nachstreben!», und schliesst damit ab: «Biblisch weise ist der, der an den inneren Werten festhält. Das Wichtigste bleibt, einen festen Grund im Glauben zu haben. Was in der Bibel über Weisheit gesagt wird, bleibt universell für alle Zeiten immer das Gleiche.»
Zum Talk:
Datum: 24.04.2026
Autor:
Roland Streit
Quelle:
Livenet