Persönlicher Impuls

«Ohne Hetzredner beruhigt sich der Streit»

Hetzredner nach Sprüche 26,20 richten Schaden an.
Aus der Ferne beobachte ich seit Monaten die Spaltung einer Kirche in Frankfurt. Ohne die genauen Hintergründe zu kennen, schmerzt es mich zutiefst, wie der Streit in aller Öffentlichkeit ausgetragen wird. Wie konnte es nur so weit kommen?

«Ohne Holz erlischt das Feuer.
Ohne Hetzredner beruhigt sich der Streit.»
Sprüche 26,20 / Basis Bibel

Wer sich auf die Sprüche einlässt, muss sich auch auf unbequeme Konfrontationen gefasst machen. In unserem heutigen Impuls gehen wir der Falle nach, wenn wir Streit, Beschimpfungen, Spaltung, Verrat und zerstörte Beziehungen auf die leichte Schulter nehmen oder selbst das Feuer schüren. Gott hasst es, wenn ein Mensch Brüder gegeneinander aufhetzt, lesen wir zum Schluss der Aufzählung in Sprüche 6,16-19.

«Es ist mein gutes Recht, gekränkt zu sein!»

Hinter uns liegt gerade das Osterwochenende, an dem wir hoffentlich alle die Gelegenheit wahrgenommen haben, ans Kreuz zu treten und Verletzungen, Enttäuschungen, Schmerz loszulassen. Das ist das tiefe Geheimnis der Vergebung, die Jesus in Markus Kapitel 11, Verse 25-26 so klar auf den Punkt bringt: «Wenn ihr dasteht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergibt. Wenn ihr aber nicht vergebt, so wird auch euer Vater im Himmel eure Verfehlungen nicht vergeben.»

Vor diesem Hintergrund ist mir schleierhaft, warum wir so an unserem Recht festhalten, verletzt und gekränkt zu sein. Unvergebenheit ist in der Tat der Köder des Feindes, wie es John Bevere im gleichnamigen Buch formuliert hat. «Auch wenn du nicht richtig behandelt worden bist, hast du kein Recht, am Gekränktsein festzuhalten», schreibt der Leiter von Messenger International. Und weiter: «Der Blick gekränkter Christen ist nach innen gerichtet; sie beobachten sich ständig selbst.» Bevere schreibt weiter, dass unsere Reaktion auf Kränkungen und Ärgernisse über unsere Zukunft entscheiden werde. «Unser Reifegrad als Christen bestimmt, wie wir mir einer Verärgerung umgehen, ohne gekränkt zu sein.»

Eine starke Inspiration darf uns auch die alttestamentliche Geschichte von David und Saul sein. David hätte mehrmals die Gelegenheit gehabt, seinen Verfolger zu beseitigen, doch er wagte es nicht, den gesalbten König anzurühren. Vielmehr überliess er es dem Herrn, für ihn Gerechtigkeit zu erwirken, nach Sprüche 20,22: «Sag nicht: 'Ich will Böses heimzahlen!' Hoffe auf den Herrn, dass er dir hilft!»

Streit und Unvergebenheit lähmen uns

Die Entwicklung hin zu mehr Streit, Spaltung und Unvergebenheit unter Christen beschäftigt mich sehr. Wir sind so abgestumpft, dass es uns nicht mehr traurig stimmt, wenn Prediger sich gegenseitig vor Gericht zerren oder Gemeinden wegen Zank und Eifersucht gelähmt sind. Es überrascht uns auch nicht mehr wenn christliche Ehepaare die Scheidung einreichen.

Lass uns mal ganz ehrlich in den Spiegel blicken: Wo stehst du heute? Bist du eine Person, die eher noch Holz auf ein Feuer legt und den Streit neu anfacht? Oder versuchst du zu schlichten oder auch mal trotz einer Kränkung oder Verletzung loyal zu bleiben? (gemeint sind nicht grobe Vergehen wie Missbrauch, Veruntreuung, die natürlich nicht geduldet werden dürfen!)

Manche Christen scheinen sich zum Ziel gesetzt zu haben, die Verfehlungen anderer ans Licht zu bringen oder öffentlich anzuprangern, obwohl uns die Bibel doch rät, Konflikte wann immer möglich unter vier Augen zu klären (vgl. Matthäus 18,15 ff.). Gerade sie sollten mal einen Blick in die Sprüche werfen, wo doch warnend steht: «Ein Streit kann schnell anschwellen, wie Wasser, das einen Damm durchbricht. Drum lass ab vom Streit, bevor er losbricht!» (Sprüche Kapitel 17, Vers 14). Oder auch, wenn es darum geht, verantwortungsvoll mit unseren Worten umzugehen. «Worte haben Macht: Sie können über Leben und Tod entscheiden», steht in Sprüche 18,21 (Hoffnung für alle). Weder in der Kirche, der Familie, dem Arbeitsumfeld noch in irgend einem anderen Beziehungsumfeld ist dies ein lockeres Spielchen, mit dem wir leichtfertig umgehen können.

Für diejenigen, die sich berufen fühlen, jede Entwicklung in ihrer Kirche oder alle Schlagzeilen auf den Sozialen Medien kritisch zu kommentieren, ist auch diese biblische Weisheit aufschlussreich: «Einen wilden Hund an den Ohren zu packen, ist völliger Irrsinn. Genauso irrsinnig verhält sich einer, der sich nebenbei in einen Streit einmischt, der ihn nichts angeht.» (Sprüche 26,17, Basis Bibel) Wenn du also einen Konflikt mitverfolgst, ohne eine spezifische Verantwortung zu tragen oder Kenntnis des Sachverhalts zu haben, solltest du dich künftig vielleicht besser zurückhalten.

Warum gibt's in Kirchen so viele Verletzungen?

Tobias Teichen, der Pastor von ICF München, spitzt es in seiner Predigt «Heilung für zerbrochene Beziehungen» noch stärker zu: «Im Reich Gottes hast du kein Recht mehr, verletzt zu sein. Du hast ein Recht auf das Kreuz, auf Vergebung. Und aus dieser Haltung bist du aufgerufen, für deine Feinde zu beten.» (vgl. Matthäus Kapitel 5, Vers 44).

Tobi Teichen geht in seiner Predigt, die auf YouTube über 100'000 Aufrufe generiert hat, auf eine spannende Frage ein: «Warum produziert die Kirche so viele Verletzungen?» Seine Antwort: «Je niedriger mein Anspruch an einen Mitmenschen ist, desto weniger werde ich durch sein Fehlverhalten verletzt. Bei einem Arbeitskollegen nehme ich vielleicht an, dass er schlecht redet und erwarte kein besonders moralisches Verhalten. Aber an deine Kinder oder deinen Partner hast du einen höheren Anspruch. Und erst recht dein Pastor müsste fast perfekt sein – ein Vorbild in allen Belangen. Entsprechend gilt: Je höher der Anspruch, desto grösser die Verletzung! »

Der ICF-Pastor zeigt in seiner Predigt auf, wie diese Verletzungen oft entweder zu einem Angriffs- oder Verteidigungsverhalten führen. Angriffsverhalten bedeutet, man attackiert die Person, die uns verletzt hat. Oft beginnt hier das Verleumden oder Lästern. Das verteidigende Verhalten wiederum führt dazu, dass Menschen Schutzmauern aufbauen. Sie sind frustriert, igeln sich ein und lassen niemanden mehr nah an sich heran. Auch der Kirche vertrauen sie nicht mehr. Tobi Teichen zitiert dazu Sprüche 18,19: «Ein Freund, den du beleidigt hast, ist schwerer zurückzugewinnen als eine bewachte Festung; wenn man sich entzweit, ist jede Tür verschlossen.» Die Folge im Kirchenkontext kann sein, dass ein Herz zunehmend hart wird. Man lässt nichts mehr an sich heran, auch Gott nicht. Durch diese schützende Haltung geht alle Leidenschaft und Liebe verloren. «Solche Menschen sagen irgendwann, der Worship gebe ihnen nichts mehr», bilanziert Teichen.

Josef hätte allen Grund für Bitterkeit gehabt

Betrachten wir zum Schluss das Beispiel von Josef aus der Bibel. Dieser Mann hat so viel Verrat und Enttäuschung erlebt, dass er längst einen Groll gegen Gott und die Menschen hätte hegen können. Er wurde von seinen Brüdern in die Sklaverei geschickt, verlor seinen guten Status, seine Freiheit, alles. Später kam eine Verleumdung durch Potifars Frau hinzu. Doch Josef entschied sich, weiterhin an Gottes Verheissungen festzuhalten. Am Ende rettete er seinen Brüdern, von denen er verraten und verletzt wurde, das Leben. Und er rettete das Volk Gottes, das ihn verstossen hatte. So konnte der Heilsplan Gottes dank seiner Vergebensbereitschaft weitergehen.

Zum Autor: Florian «Flo» Wüthrich ist seit über 25 Jahren als Journalist tätig. 2014 wechselte Flo vom Lokalradio zu Livenet in Bern, wo er als Chefredaktor, Talkmaster und Brückenbauer in der christlichen Szene wirkt. Sein Anliegen ist es, das Evangelium authentisch und gesellschaftsrelevant zu kommunizieren.

Predigt «Heilung für zerbrochene Beziehungen» von Tobias Teichen, ICF München:

Datum: 07.04.2026
Autor: Florian Wüthrich
Quelle: Livenet

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