Aktuelles

Hilfe aus der Luft zwischen Himmel und Meer

Amos Collin (Mitte) im Einsatz auf der Insel Ulithi
Über die Weiten des Ozeans begegnet die «Pacific Mission Aviation» (PMA) Not und Perspektivlosigkeit auf abgelegenen Pazifik-Inseln via Luftweg. Die Einsätze bringen Hoffnung und Zukunft.

«Als ich meine Ausbildung in der Missionsfliegerei begann, dachte ich an kleine einmotorige Maschinen über den Dschungeln Afrikas oder Papua-Neuguineas», erinnert sich Amos Collins, Chefpilot auf Yap (Mikronesien).

Doch Gott hatte andere Pläne, berichtet er in der jüngsten Ausgabe des «Insel Echos»: «Statt Buschpisten wartete der Pazifik – mit PMA und zweimotorigen Flugzeugen über endlosem Ozean. Fünfzehn Jahre lang flog ich die betagte Beechcraft Queen Air: um Gewitterfronten herum, auf schmalen, regennassen Graspisten, mit Wildtieren auf der Landebahn und manchmal gestrandet auf Inseln, bis eine Reparatur den Heimflug ermöglichte.»

Über den Wellen getragen

Um den Flugdienst (z. B. Rettungsdienste oder Lebensmitteltransport) zu den mikronesischen Inseln möglichst effektiv zu gestalten, sah sich das PMA-Leitungsteam vor rund fünf Jahren nach zwei Maschinen des Typs «King Air» um. «Zufällig» schickte sich das von Franklin Graham gegründete, christliche Hilfswerk «Samaritan's Purse» gerade an, zwei solche Maschinen zu verkaufen. Schliesslich entschied sich Franklin Graham, die beiden Maschinen für einen Preis von je einem symbolischen Dollar zu verkaufen.

Die Herausforderungen liegen aber weniger im Dschungel auf abgelegenen Inseln, erklärt Amos Collins, «sondern in internationalen Drehkreuzen grosser Städte wie Guam oder Manila. Im September absolvierten wir bereits unseren fünften medizinischen Evakuierungsflug nach Manila. Der Lotse – mit starkem philippinischem Akzent – koordinierte uns zusammen mit acht Jets, schickte uns im Zickzackkurs in einen 30-Meilen-Endanflug. Während wir vom Tower kaum verständliche Anweisungen im Sekundentakt erhielten, mussten wir genau nach Vorgaben eindrehen, sinken und währenddessen das Flugzeug für die Landung konfigurieren. Eine völlig andere Welt als unser ruhiger Inselbetrieb.»

Getrieben von kulturellem Druck

«Wenn ich heute sehe, was unsere kleine Missionsorganisation leisten darf, staune ich», berichtet Amos Collins: «Landungen auf abgelegenen Pisten, Transporte von Kranken, Gesunden und Hilfsgütern, manchmal sogar von Schweinen und Hühnern, Abwürfe über Inseln ohne Landebahn und kurz darauf ein vierstündiger Flug über offenes Meer zu einem internationalen Notfall. Unser Horizont ist grösser geworden, und mit ihm unser Vertrauen.»

Wie beispielsweise bei einem Baby, von dem die Leiterin des Bahay Kalinga Waisenhaus, Analou Caspe, berichtet, das ebenfalls von PMA betreut wird: «Am Abend brachte das Sozialamt der Gemeinde Victoria (Philippinen) einen erst 18 Tage alten Säugling in unser Kinderheim Bahay Kalinga. Der Junge, den wir Felix nennen, stammt aus dem Tadyawan-Mangyan-Stamm. In seiner Kultur gilt ein Baby, das mit der Nabelschnur um den Hals geboren wird, als Unglücksbringer – ein Kind, das der Familie den Tod bringen könnte. Getrieben von Angst und kulturellem Druck entschieden sich die Eltern schweren Herzens, ihr Kind abzugeben. Trotz finanzieller und psychologischer Unterstützung durch die Sozialbehörden blieben sie bei ihrer festen Entscheidung.»

Ein durchbrochener Fluch

Für die Familie war Felix ein «Fluch» und das Weggeben schien der einzige Weg, ihre Familie zu schützen, erinnert sich Analou Caspe. «Angesichts dieser Situation empfahl die Sozialarbeiterin, das Kind zur Adoption freizugeben. Doch wo Menschen aufgeben, greift Gottes Liebe. Felix fand in Bahay Kalinga Sicherheit, Fürsorge und die ersten zarten Erfahrungen von Zuneigung.» Sein Leben erinnere an die Worte aus der Bibel, Psalm Kapitel 27, Vers 10: «Selbst wenn Vater und Mutter mich verstossen, nimmst du, Herr, mich dennoch auf.»

Felix’ Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie Gottes selbst aus Schmerz Heilung wachsen lässt, so Analou Caspe: «Wo Angst und Aberglaube herrschen, lässt Gott neue Perspektiven entstehen – durch Menschen, die sich rufen lassen, seine Liebe weiterzugeben. In Bahay Kalinga erlebt der Junge, dass er angenommen ist, dass jedes Kind ein Wert und eine Zukunft hat. Sein Lächeln, wenn er vertraute Stimmen hört, und sein Griff nach der Hand seiner Pflegerin erzählen eine stille Geschichte der Wiederherstellung. Mit jeder Woche wird er kräftiger – ein lebendiges Zeugnis dafür, dass Leben und Liebe stärker sind als jede Angst.»

Zur Website:
Pacific Mission Aviation

Datum: 05.04.2026
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet / PMA

Publireportage
Werbung
Livenet Service
Werbung