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Studie zurückgezogen: Stille Erweckung - lauter Fehler?

Soll sich die Kirche auf derartige Statistiken verlassen? (Symbolbild)
Die britische Bibelgesellschaft hat die viel beachtete Studie von 2025 mit dem Titel «Quiet Revival» von ihrer Webseite entfernt. Der Grund: Sie basiert offenbar auf teilweise fehlerhaften Daten.

Anfang März hatte das beteiligte Meinungsforschungsinstitut YouGov in Grossbritannien informiert, dass die Untersuchung von 2024, auf der die Bibelgesellschaft den Report «Quiet Revival» aufgebaut hatte, fehlerhaft sei. Sie könne nicht länger als zuverlässige Informationsquelle für die geistliche Landschaft in Grossbritannien gelten.

«Tief enttäuscht»

«Wir sind daher zutiefst enttäuscht, dass YouGov nicht nur einen Fehler begangen hat, sondern diesen auch erst vor Kurzem entdeckt hat», schreibt die Bibelgesellschaft in ihrer Stellungnahme. «Wir sind dankbar, dass sich Stephan Shakespeare, der Geschäftsführer von YouGov, persönlich entschuldigt hat.»

Laut der Umfrage, die nun zurückgezogen wurde, hatte sich der Anteil der 18- bis 34-Jährigen, die regelmässig zur Kirche gehen, zwischen 2018 und 2024 mehr als verdreifacht. Über 30`000 Personen waren befragt worden.

Hauptproblem: «Opt-in»

Diese Ergebnisse waren durch sogenannte «Opt-in-Umfragen» zustande gekommen – Online-Umfragen, zu denen sich Internetnutzer selbst anmelden konnten. Was Kritiker schon im vergangenen Jahr bemängelt hatten, hat sich nun zur Erkenntnis verdichtet: Die Quote von möglichen Fehlern und Missbräuchen ist zu hoch. Eine «Reihe von Befragten» habe teilgenommen, «die wir nun als betrügerisch identifizieren können», teilte YouGov mit. So hätten sich Personen aus dem Ausland an der Umfrage beteiligt, andere mehrfach geantwortet oder die Umfrage zu schnell und unaufmerksam ausgefüllt.

Der Leiter von YouGov, Stephan Shakespeare, schrieb in seiner Entschuldigung: «YouGov übernimmt die volle Verantwortung für die Ergebnisse der ursprünglichen Studie aus dem Jahr 2024 und entschuldigt sich für das Geschehene. Wir möchten betonen, dass die Bibelgesellschaft die von uns bereitgestellten Daten stets korrekt und verantwortungsbewusst weitergegeben hat.»

«YouGov» erklärte weiter, dass bei den betreffenden Umfragen bestimmte Sicherheitsvorkehrungen nicht angewendet worden seien, die normalerweise greifen würden.

«Nicht einfach alles falsch»

Die Erkenntnisse seien trotz der Mängel nicht alle grundsätzlich falsch. Die Bibelgesellschaft bemüht sich um Differenzierung und schreibt in ihrer Erklärung: «Wir möchten betonen, dass der Fehler von YouGov nicht bedeutet, dass alle Ergebnisse falsch waren – es bedeutet vielmehr, dass wir diese Ergebnisse auf der Grundlage dieser Umfrage nicht zuverlässig untermauern können.» 

Es gebe vielmehr eine «sehr positive» Geschichte zu erzählen: «Im vergangenen Jahr haben wir eine beispiellose öffentliche Debatte über das Christentum erlebt, mit unzähligen Berichten über ein spirituelles Erwachen in der Generation Z, gepaart mit einem starken Anstieg der Bibelverkäufe in Grossbritannien, einer wachsenden Zahl von Erwachsenentaufen und Konfirmationen sowie einer steigenden Teilnehmerzahl bei Evangelisationskursen.»

Gesicherte positive Trends  

Die Bibelgesellschaft hat einen neuen Report herausgegeben, in dem sie diese Trends des letzten Jahres präzisiert, die auch durch andere Untersuchungen gestützt seien:

  • «Die Kultur verändert sich» – von Fussballern bis hin zu Philosophen sprächen Gläubige offen über ihren christlichen Glauben.
  • «Religiöse Identitäten gewinnen an Bedeutung» – das nominelle Christentum verliere an Boden, doch jüngere Christen leben ihren Glauben weitaus häufiger aus. Das bedeutet die Entwicklung von einem Volks- zu einem Überzeugungschristentum (vgl. diese Livenet-Analyse).
  • «Junge Menschen sind eine spirituellere Generation» – sie beschäftigten sich intensiv mit spirituellen Praktiken und seien offen für den Glauben.
  • «Es gibt einen Bibelboom» – die Verkaufszahlen seien in die Höhe geschnellt, und die Google-Suchanfragen nach der Bibel hätten die Suchanfragen nach Harry Potter überholt.
  • «Es gibt einen Anstieg bei den Bekehrungen» – die katholische Kirche, die Church of England und andere hätten alle von einer steigenden Zahl erwachsener Konvertiten berichtet.

Um bei diesen Beobachtungen sicher zu gehen, will die Bibelgesellschaft eine weitere YouGov-Umfrage in Auftrag geben, da nun «die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden, um zuverlässige Ergebnisse zu gewährleisten».

Ob die Kirche sich auf derartige Statistiken verlassen sollte oder nicht, ist eine andere Frage. Der schottische Pfarrer David Robertson hält in einer weiteren kritischen Analyse immerhin fest: «Es hat zumindest einen kulturellen Wandel hin zum Christentum gegeben – vor allem in bestimmten Gruppen –, aber es handelt sich noch nicht um eine Erweckung, und dieser Trend kann sich genauso gut wieder umkehren.» Darum solle die Kirche ihre Hoffnung darauf setzen, dass «Jesus seine Gemeinde baue und die Tore der Hölle nicht gegen sie bestehen könnten». Sein Fazit: «Lasst uns weiterarbeiten, solange es noch Tag ist – denn die Nacht kommt, in der niemand mehr wirken kann (Johannes Kapitel 9, Vers 4).»

Zum Autor: Reinhold Scharnowski ist Pfarrer, Netzwerker und Redaktor. 21 Jahre war er Pfarrer der FEGs in Thun und Steffisburg, dazu Leiter von DAWN Europo und drei Jahre Missionar in Bolivien. Heute im «Unruhestand», seit 2012 aktiv als Redaktor bei Livenet.

Datum: 02.04.2026
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / Christian Times / Bible Society / Idea Schweiz

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