Der Weltverfolgungsindex

Die verfolgte Kirche – was hat das mit mir zu tun?

Unter der Christenverfolgung leiden auch viele Familien und Kindern
Weltweit leiden etwa 388 Millionen Christen unter schwerer Verfolgung. Diverse Hilfswerke setzen sich weltweit für verfolgte Christen ein. Eine Realität, die uns in Europa fassungslos macht. Doch was können wir überhaupt tun?

Egal ob in Zentral- und Südamerika, in Afrika oder Asien: In vielen Teilen der Welt leiden Christen unter Verfolgung. Das kann bedeuten, dass Menschen wegen ihres Glaubens ins Gefängnis kommen, dass sie in der Schule und der Gesellschaft benachteiligt werden, oder dass sie unter physischer oder psychischer Gewalt leiden müssen. Aber auch dass sie enteignet, entführt oder sogar getötet werden. Plötzlich stellen sich der Staat, die Familie, die Gesellschaft, die Verwandten, die Behörden oder auch die Nachbarn gegen einen. Ein Umstand, den wir hier in Europa in diesem Mass nicht kennen.

Verfolgung vs. Diskriminierung

Diese Intensität von Gewalt oder aktivem Wirken des Staates gegen Kirchen und Christentum ist uns in Europa in den meisten Fällen fremd. Zwar erleben wir hier in unseren Breitengraden auch immer mehr Gegenwind in Form von Diskriminierung, das heisst, indem der Staat gegen Christen vorgeht, die gegen Abtreibung oder Homosexualität sind. Kirchen werden auch immer mehr Opfer von Vandalismus.

Der Weltverfolgungsindex von 2026

Aber insgesamt kann man das nicht vergleichen mit dem Grad der Verfolgung, denen die Christen in anderen Ländern ausgesetzt sind. Open Doors ist ein Hilfswerk, das jedes Jahr den Weltverfolgungsindex herausgibt, eine Liste der 50 Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Open Doors unterscheidet dabei ganz klar zwischen dieser Verfolgung und sieht den Gegenwind in Europa eher als Vorstufe, also spricht man dort eher von Diskriminierung.

Auch wenn in Europa ganz andere Umstände herrschen: Das heisst nicht, dass wir Christen dagegen nichts tun können. Es gibt verschiedene Wege, wie man aktiv werden kann. In diesem Artikel widmen wir uns zwei davon: dem Gebet und dem Spenden.

Beten

Das Gebet ist die Grundlage jeden Engagements für verfolgte Christen. Jedes Werk, das sich für die verfolgte Kirche einsetzt, baut als Grundlage auf das Gebet. Da reicht es nicht, dass alle Mitarbeitenden beten. Es braucht eine breite Beterschaft.

In der Bibel finden wir entsprechende Stellen, die uns auffordern, für leidende Menschen zu beten. Zum Beispiel im Hebräerbrief, Kapitel 13, Vers 3 (HFA):

«Kümmert euch um alle, die wegen ihres Glaubens gefangen sind. Sorgt für sie wie für euch selbst. Steht den Christen bei, die verhört und misshandelt werden. Leidet mit ihnen, als würden die Schläge euch treffen.»

In diesem Vers geht es darum, Gefangene zu unterstützen. Aber auch solche, die misshandelt werden. Da können wir also Menschen im Gefängnis und auch alle Leidenden miteinschliessen. Ob durch Gebet oder auch durch Taten.

Paulus’ Dankbarkeit für das Gebet der Mitchristen

Im Philipper, Kapitel 1, Vers 19 (HFA) sagt der Apostel Paulus ausserdem etwas Wichtiges: «Weil ihr für mich betet und Jesus Christus mir durch seinen Geist beisteht, bin ich sicher, dass hier alles zum Besten für mich ausgehen wird.»

Paulus schrieb diese Zeilen aus der Gefangenschaft in Rom oder in Ephesus. Für ihn war es enorm wichtig, auf das Gebet seiner Mitgeschwister zählen zu können. Als Apostel war er auf verschiedenen Missionsreisen unterwegs (nachzulesen in der Apostelgeschichte im Neuen Testament der Bibel). Er predigte das Evangelium in verschiedenen Provinzen des römischen Reiches und war auf die Unterstützung von Christen angewiesen. Unter anderem durch das Gebet.

Dieses Gebet stärkte nicht nur ihn, sondern schuf auch eine Verbindung zwischen den Betenden und ihm. Denn wo können wir uns mehr eins machen mit dem Schicksal von Menschen als im Gebet, egal, wie weit weg sie geografisch von uns sind? Gebet ist eine Win-Win-Situation. Es kommt den Leidtragenden zugute und gibt der betenden Person einen Anteil am Leiden des Empfängers.

Geben für die Verfolgten

Beten allein ist schon sehr wertvoll. Aber man kann auch praktischer aktiv werden, indem man Geld spendet, das den verfolgten Christen zugutekommt. So kann man beispielsweise Geld geben für humanitäre Nothilfe im Jemen oder für Traumaseminare in Nigeria oder für Bibeln in China spenden.

Im selben Brief, indem sich Paulus für das Gebet seiner Geschwister bedankt, widmet er dem Thema Finanzen einen ganzen Abschnitt (Philipper Kapitel 4, Verse 10-20). Dort bedankt er sich zunächst, dass es der Gemeinde von Philippi wieder möglich ist, ihn finanziell zu unterstützen. Dabei erwähnt er auch, dass es nicht sein Ziel war, auf seine Not aufmerksam zu machen. Er wollte einfach nur danken.

Geben ist seliger als Nehmen

Danach erwähnt Paulus, dass ihre Gabe nicht ohne Frucht sein wird (Vers 17, HFA): «Ich schreibe das nicht, weil ich mir weitere finanzielle Unterstützung erhoffe. Es geht mir um die Frucht, die daraus erwächst: Gott wird euch für eure Liebe und Fürsorge belohnen.»

Finanzielle Unterstützung heisst zuerst einmal für uns: weniger Geld auf dem Konto. Was kann da die Frucht sein? Vielleicht Gottes Segen in gewissen Umständen oder Lebenssituationen? Vielleicht finanzieller Segen, der auf uns zurückfliesst? Vielleicht einfach nur innerer Frieden, Freude und Ruhe? Oder alles zusammen? Wie genau die «Frucht» aussieht im Detail, wird hier nicht erwähnt. Aber all diese Dinge wurden von Gebenden schon erlebt. Wer also finanziell etwas gibt, soll das nicht etwa wegen eines Ertrags tun, doch er kann gewiss damit rechnen, dass der Segen in irgendeiner Form wieder auf ihn zurückkommt.

Eins werden mit der verfolgten Kirche

Eins werden im Gebet

Warum aber dieses Engagement? Es könnte uns doch immer noch relativ egal sein, was in anderen Kontinenten passiert. Die Bibel redet aber im zwölften Kapitel des 1. Korintherbriefs von einem Leib, den wir als alle Gläubigen bilden. Als eine Einheit. Bei einem Leib, also Körper, ist es auch so, dass jedes einzelne Glied seine Aufgabe hat. So braucht unser Körper auch alles, um als Gesamtwerk funktionieren zu können. Im Vers 21 (HFA) heisst es:

«Darum kann das Auge nicht zur Hand sagen: »Ich brauche dich nicht!« Und der Kopf kann nicht zu den Füssen sagen: »Ihr seid überflüssig!« Vielmehr sind gerade die Teile des Körpers, die schwächer und unbedeutender erscheinen, besonders wichtig.»

Dieser Vers zeigt uns auf: Gerade die schwächeren Glieder sind die Wichtigen. Ausserdem kann kein Glied für sich beanspruchen, allein zu funktionieren. Wir alle brauchen einander. So sind unsere verfolgten Geschwister angewiesen auf unsere Gebete und unsere finanzielle Unterstützung.

Ausserdem können wir auch von ihnen profitieren. Von ihrer Leidensbereitschaft, ihrer Widerstandskraft und ihrem Willen, dranzubleiben und ihren Glauben nicht loszulassen. Wie gesagt, eine Win-Win-Situation! Schade, wenn wir sie nicht wahrnehmen.

Zum Autor: Nach einer KV-Lehre und einigen Berufsjahren hat Karl Dittli Theologie am TDS studiert. Später hat es ihn in den Journalismus verschlagen. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Mit seiner Familie lebt er in Amriswil. Karl ist leidenschaftlicher Jogger, Leser und trifft sich gern mit Menschen. Ausserdem ist er begeistert von Italien.

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Datum: 16.06.2026
Autor: Karl Dittli
Quelle: Jesus.ch

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