Überwinder im Glauben

Die zwölf Apostel

Die zwölf Jünger nahmen eine besondere Stellung unter den Nachfolgern von Jesus ein
Jesus Christus vereinte vieles in seinem Leben: Er war Prediger, Heiler und Wundertäter. Er hatte Vollmacht über die bösen Geister und Dämonen. Neben seinem öffentlichen Dienst war er aber auch intensiv mit einzelnen Menschen unterwegs, den Jüngern.

Eine besondere Stellung dabei nahmen die zwölf Jünger ein, auch bekannt als die zwölf Apostel.

Die Berufung der zwölf

In drei der vier Evangelien im Neuen Testament gibt es einen Abschnitt, in dem steht, wie Jesus die zwölf Jünger berufen hat. So auch in Markus, Kapitel 3,Verse 13-19 (HFA):

«Danach stieg Jesus auf einen Berg. Er rief die Jünger, die er bei sich haben wollte, und sie kamen zu ihm. Dann wählte er zwölf von ihnen aus, die er Apostel nannte. Sie sollten ständig bei ihm bleiben und von ihm lernen. Er wollte sie mit dem Auftrag aussenden, die rettende Botschaft zu verkünden und mit seiner Vollmacht Menschen aus der Gewalt dämonischer Mächte zu befreien. Diese zwölf Männer waren: Simon, dem Jesus den Namen Petrus gab; dann Jakobus und sein Bruder Johannes, die Söhne von Zebedäus – Jesus nannte sie Boanerges, das bedeutet »Donnersöhne« –; dazu Andreas, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, der Sohn von Alphäus, Thaddäus, Simon, der ehemalige Freiheitskämpfer, und Judas Iskariot, der Jesus später verriet.»

Nun waren diese zwölf sicherlich nicht die einzigen Jünger, die Jesus damals nachfolgten. Aus manchen Schriftstellen ist dies ganz klar zu erkennen. Aber diese zwölf haben anscheinend einen besonderen Status bekommen.

Einfache Leute

Dabei waren diese Männer nicht etwa Hochbegabte oder Studierte. Im Gegenteil. Sie waren einfache, junge und unerfahrene Leute. Unter ihnen waren Fischer, wie Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes. Oder Steuereintreiber wie Matthäus. Aber auch Bauern, Schatzmeister und Freiheitskämpfer.

Sie wurden in diesem Moment zu seinen Schülern. Das griechische Wort «μαθητές» heisst wortwörtlich «Lehrling» oder «Schüler». Aber nicht Schüler in unserem Sinne, die den ganzen Tag die Bank drücken und Frontalunterricht über sich ergehen lassen müssen. Vielmehr ist es ein Schüler im Sinne eines «Lernenden». Also wirklich jemand, der einem Meister nachfolgt. Einfach nicht nur während der Arbeitszeit, wie in der Lehre, sondern durch das ganze Leben.

Schwierigkeiten im Verständnis

Es waren also nicht unbedingt so rosige Aussichten für die noch junge Jesus-Bewegung. Diesen jungen und unerfahrenen Menschen wollte Jesus den Stab übergeben. Sie waren bestimmt, sein Erbe zu übernehmen und weiterzutragen. Die Voraussetzung dafür: Sie mussten verstehen, was Jesus ihnen weitergab.

Das war aber am Anfang gar nicht so einfach, wie aus einer Stelle im Markus Kapitel 4, Verse 10-13 sichtbar wird:

«Später, als Jesus mit seinen zwölf Jüngern und den anderen Begleitern allein war, fragten sie ihn: »Warum verwendest du Gleichnisse? Er antwortete: »Euch lässt Gott das Geheimnis seines Reiches verstehen. Die anderen aber, die nicht zu mir gehören, erfahren das alles nur durch Gleichnisse. Denn ›sie sollen sehen, aber doch nichts erkennen; sie sollen hören, aber doch nichts verstehen. Sonst würden sie zu Gott umkehren, und ihre Sünde würde ihnen vergeben. Dann sagte er zu seinen Jüngern: »Ihr versteht schon dieses Gleichnis nicht? Wie wollt ihr dann all die anderen begreifen?»

Es gab also eindeutig Kommunikations-Probleme zwischen Lehrer und Schülern. Jesus redete in Gleichnissen zu den Menschen. Glücklicherweise heisst es auch in diesen Versen, dass sie das Geheimnis oder die Geheimnisse des Reiches verstehen werden.

Hitzige Debatten

Die 12 Apostel werden auch Jünger genannt

Die Jünger sassen sicherlich an manchen Abend zusammen, mit und ohne Jesus, und führten intensive Diskussionen über das, was sie an diesem Tag wieder mit ihrem Meister erlebt haben. Da sind sicher Worte des Erstaunens gefallen, wenn er einen Kranken geheilt hat. Oder der Verwunderung, als sogar Tote auferstanden sind oder die Geister ihm gehorchten. Durch das Erleben und das Auseinandersetzen mit diesen Situationen lernten die Jünger immer mehr, wer Jesus wirklich ist.

Jesus wurde gekreuzigt – wo waren die Jünger?

Einer der Jünger war Judas Iskariot. Er war sozusagen der Finanzchef von Jesus und der Bewegung. Doch seine Gier nach Geld war grösser als die Treue zu Jesus. Darum verriet er ihn für 30 Silberstücke.

Jesus wurde daraufhin verurteilt und gekreuzigt. Von den zwölf Jüngern war aber nur einer bei diesem Ereignis vor Ort: Johannes. Judas, der Verräter, hatte sich mittlerweile selbst das Leben genommen. Die anderen haben sich alle aus dem Staub gemacht. Inklusive Petrus, der als Anführer der Gruppe galt. Er war Jesus und den Tempelwachen noch gefolgt. Doch dort wurde er mehrfach als Jünger identifiziert. In diesen Momenten verleugnet er seinen Herrn, ein krähender Hahn entlarvte ihn. Darauf weinte er bitterlich und ergriff die Flucht.

Die Auferstehung und der Auftrag

Die Geschichte nahm eine unglaubliche und göttlich inszenierte Wende. Jesus kam am dritten Tage von den Toten zurück. Seine Auferstehung war der Anfang der Stabsübergabe. In den Tagen, in denen der auferstandene Jesus nochmals präsent auf der Erde war, traf er auch wieder auf seine Jünger.

Dort gab er ihnen folgende Botschaft weiter (nachzulesen unter anderem in Matthäus Kapitel 28, Verse 16-20):

«Die elf Jünger gingen nach Galiläa zu dem Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Als sie ihn dort sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel. Da ging Jesus auf seine Jünger zu und sprach: »Ich habe von Gott alle Macht im Himmel und auf der Erde erhalten. Deshalb geht hinaus in die ganze Welt und ruft alle Menschen dazu auf, meine Jünger zu werden! Tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! Lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch aufgetragen habe. Ihr dürft sicher sein: Ich bin immer bei euch, bis das Ende dieser Welt gekommen ist!»

Nicht aus eigener Kraft

Nach diesen Worten verabschiedete sich Jesus von dieser Erde. Er fuhr auf zum Himmel und beendete seinen Dienst. Von nun an waren die Jünger auf sich allein gestellt. Doch Gott liess sie nicht alleine, sondern sandte ihnen den Heiligen Geist an Pfingsten (nachzulesen in Apostelgeschichte Kapitel 2, Verse 1-5).

Die Jünger wurden von einer himmlischen Kraft erfüllt und sprachen in unbekannten Sprachen. Plötzlich erfasste sie Kühnheit und Mut. Eine göttliche Kraft, die auf den Bildern oft mit Feuerflammen dargestellt wird. Dies war der wirkliche Startschuss der ersten Kirche.

Kirche «on fire»

El Greco, Pfingsten, Öl auf Leinwand, um 1600. Der Heilige Geist wird durch die Flammen dargestellt

Von da an waren die Jünger nun komplett hineingewachsen in den Dienst ihres Meisters. Sie vollbrachten Zeichen und Wunder, heilten Menschen und trieben Dämonen aus. Sie machten genau das, was Jesus vorhin tat. Sie waren nun nicht mehr Zuschauer, sondern Protagonisten. 

Alle von ihnen brachten das Evangelium, die gute Botschaft von Jesus Christus, hinaus in die Welt. Ohne Kompromisse. Sie wurden zu Überwindern. Ihr Vermächtnis wirkt noch bis heute und zeigt sich in der bestehenden Kirche. Sie alle (ausser Johannes) starben auch einen qualvollen und grauenhaften Tod. So wie damals ihr Meister. Ob am Kreuz, durch den Speer, durch Steinigung oder das Schwert oder andere grauenhafte Hinrichtungsformen. Aber sie alle haben den Lauf vollendet und wurden zu Überwindern.

Auch wir sind Überwinder

Im 1. Johannesbrief 5, 4-5 (HFA) ist dies bezeugt: «Jedes Kind Gottes kann den Sieg erringen über alles, was sich in dieser Welt Gott widersetzt. Ja, unser Glaube hat diese Welt bereits besiegt. Denn nur wer daran glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, kann diesen Sieg erringen.»

Die Apostel waren eindeutig Überwinder. Und auch wir sind es heute. Durch den Glauben an Jesus Christus und seinen Sieg am Kreuz. Dies ist die Basis. Doch das Leben und Sterben seiner ersten Nachfolger zeigt uns: Gott beruft fehlerhafte und gewöhnliche Menschen für einen aussergewöhnlichen Dienst. Es braucht nur eines dazu: dem Ruf von Jesus zu folgen, «Folge mir nach!»

Zum Autor: Nach einer KV-Lehre und einigen Berufsjahren hat Karl Dittli Theologie am TDS studiert. Später hat es ihn in den Journalismus verschlagen. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Mit seiner Familie lebt er in Amriswil. Karl ist leidenschaftlicher Jogger, Leser und trifft sich gern mit Menschen. Ausserdem ist er begeistert von Italien.

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Datum: 20.06.2026
Autor: Karl Dittli
Quelle: Jesus.ch

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