Seit 2000 Jahren

In den Fussstapfen von Jesus laufen

Jesus zu lieben heisst auch ihm zu folgen (Symbolbild)
Er fasziniert die Menschen: Jesus Christus. Er war Heiler, Wundertäter, Retter, Erlöser oder Gottes Sohn. Aber auch «Rabbi». Ein Lehrer, der auch seine Schüler hatte. Bei Jesus hiessen diese «Jünger». Ein Prinzip, das auch heute noch gelebt wird.

Wenn man sich eingehender mit der Bibel beschäftigt, dann stösst man auf Worte, die einem zunächst vielleicht einmal fremd vorkommen. In den vier Evangelien begegnet uns immer wieder das Wort «Jünger». Jesus hatte bekanntlich zwölf von ihnen.

Was ist ein Jünger?

Das Wort «Jünger» kann man im heutigen Kontext darum wohl am ehesten mit einem «Lernenden» oder «Lehrling» vergleichen. In letzter Zeit habe ich mich etwas ausführlicher mit diesem Thema befasst. Auch dank der Bücher von John Mark Comer. Sein Werk «Practising the Way» beschreibt ausdrücklich und tiefgehend, was es heisst, in den Fussstapfen Jesu zu laufen.

Dann kam mir ein ehemaliger Mitstudent in den Sinn. Er heisst Silvan (auf persönlichen Wunsch werden keine weiteren Angaben zur Identität gemacht) und bezeichnet sich heute als jemand, der Jünger in der Schweiz und in Europa macht. Ich habe bei ihm nachgefragt.

Jüngerschaft leben

Ein Jünger ist für ihn jemand, der Jesus liebt, ihm nachfolgt und wieder andere zu Jüngern macht. Nicht jeder kann ein Jünger Jesu sein. Silvan arbeitet nur mit Menschen, die das auch wollen.

Jesus zu lieben heisst auch, das zu tun, was er sagt. Ihn lieben heisst auch, ihm zu folgen. Darum bringt er den Menschen, mit denen er unterwegs ist, von Anfang an bei, auf das Wort Gottes zu reagieren. Das soll die DNA eines Nachfolgers sein. Darum liest er von Anfang an mit diesen Menschen in der Bibel und gemeinsam fragen sie sich, was sie tun sollen. Wie wendet man das an, was man gelesen und von Gott empfangen hat? Sie setzen dabei nicht auf Lehreinheiten, sondern wollen es vorleben.

Die Methode der vier Felder

Ausserdem arbeiten sie mit der «4-Felder Strategie». Hintergrund ist das Gleichnis von Jesus, wo ein Sämann auf ein leeres Feld sät. Er geht heim und schläft. Die Saat wächst unterdessen. Dann kommt der Tag, an dem er erntet. Wenn er dann von der Saat etwas zurückbehält und wieder sät, multipliziert es sich. (Markus Kapitel 4, Verse 26-29 Hfa)

Das Modell ist aufgebaut auf vier Feldern, die fünf Teile haben: (siehe Bild)

  1. Wie komme ich in ein leeres Feld? Was mache ich dort? 
    In unserem heutigen Kontext heisst das: Wie erreiche ich Menschen in meiner Umgebung? Beten, Dienen, Gespräche eröffnen.
  2. Wie säe ich das Evangelium?
    Wie kann ich ihnen die Gute Botschaft so vermitteln, dass sie in ihre Lebenswelt passt?
  3. Wie macht man Jünger?
    Wie kann ich sie zu Menschen machen, die hören, umsetzen und das Empfangene weitergeben?
  4. Wie starte ich eine Gemeinde?
    Wie schaffe ich es, dass sie sich in Gruppen treffen, die sich dann auch von sich aus wieder weiter multiplizieren? Das sie selbstständig funktionieren und nicht von einer äusseren Leitung abhängig sind?
Diese vier Punkte sind eine Orientierung

Schritte gehen im Wachstum mit Gott

Am Tag unseres Interviews trifft sich Silvan später mit einer Person aus seiner Nachbarschaft. Er spricht mit ihm und erzählt ihm von Jesus Christus. Prinzipiell versucht er überall, wo er ist, herauszufinden, mit wem er ins Gespräch kommen kann. Er stellt sich dabei immer die Frage: Wo sind «meine» Leute? Indem er ihnen Fragen stellt, versucht er, diese Frage zu beantworten. Er sucht nach Menschen, die darauf vorbereitet sind und die von Gott angezogen werden.

Danach macht er zwei Dinge: Er beginnt mit ihnen, in der Bibel zu lesen oder ihnen von seinen eigenen Erlebnissen mit Gott zu erzählen. Damit versucht er ihnen zu vermitteln, wer Jesus ist, was er für uns Menschen gemacht hat, was wir darauf antworten und wie wir das weitersagen sollen.

Auf diesem Weg beginnen sie Dinge zu erleben. Vielleicht erkennen sie etwas, oder sie erleben eine Heilung. In diesen Fällen erzählen sie es dann weiter. Solche Leute sieht er dann auch als Personen, die wieder andere Menschen sammeln können.

Das Ampelsystem und Apostelgeschichte 17

Ein Vorbild für diesen Weg ist der Apostel Paulus. Damals war er auch in Athen und verkündete das Evangelium auf dem Areopag. Er begegnete dort unterschiedlichen Menschen. Einige verspotteten ihn, andere waren offen und wollten mehr von ihm hören. Dann gab es auch noch diejenigen, die seinen Worten glaubten. 

Diese drei Gruppen kann man auch mit den drei Farben einer Ampel vergleichen:

ROT: Verschlossen

ORANGE: Offen, aber brauchen mehr.

GRÜN: Menschen, die glauben

Bei der Arbeit mit Jüngern setzen Silvan und sein Team auf die «grüne» Gruppe.

Einfache Evaluation

Die Evangelien und die Apostelgeschichte liefern weitere Inspiration, wie man Menschen befähigen kann. Aufgrund einiger Verse im 2. Kapitel der Apostelgeschichte (Verse 36-47) hat Silvan ein Bild erstellt, mit denen er mit den Menschen unterwegs ist. Es nennt sich «Church Circle».

    Mit diesem Tool legt Silvan ein einfaches Fundament für Jüngerschaft und Gemeinde

    Er glaubt, dass dort im 2. Kapitel alles steht, was man braucht. Keine «Megachurch» und auch keine umfassende Organisation. Einfach die folgenden Punkte:

    • Umkehren und glauben
    • Taufe
    • Den Heiligen Geist empfangen
    • Im Wort (Bibel) bleiben
    • Im Gebet bleiben
    • Gott und die Menschen um uns herum lieben
    • Das Abendmahl feiern
    • Gott loben und preisen
    • Zeit und Ressourcen teilen
    • Multiplikation
    • Leiterschaft

    Das ist natürlich nicht alles. Es gibt schliesslich noch eine ganze Bibel zu entdecken.

    Das Priestertum aller Gläubigen

    In 1. Petrus Kapitel 2, Vers 9 heisst es, dass wir eine «königliche Priesterschaft» sind. Ausserdem wird im Hebräerbrief beschrieben, dass alle Gläubigen freien Zugang haben zum Heiligtum durch das Sühneopfer von Jesus Christus. Daraus schliesst sich das Prinzip des Priestertums aller Gläubigen: Alle Christen haben eine unmittelbare und persönliche Beziehung zu Jesus Christus und es braucht auch keinen Weihestand, um das öffentliche Predigtamt (als Pastor oder Pfarrer) ausüben zu können.

    Silvan glaubt, dass das Priestertum aller Gläubigen unglaublich radikal ist. Wenn es richtig angewendet wird, dann macht jeder alles. Während es in den Kirchen häufig so ist, dass der Pfarrer, die Ordinierten und der Pastor die wichtigen Ämter bekleidet, sieht er vielmehr Gemeinschaften, in denen jeder alles machen kann. Natürlich auch nach Begabungen und Berufung. Ganz so, wie es zu Zeiten von Jesus und den Aposteln der Fall war.

    Menschen in die Fussstapfen von Jesus führen. Das geht also auch noch heute. Die entscheidende Frage eines Jüngermachers wäre also hier: Wärst auch du bereit dafür?

    Zum Autor: Nach einer KV-Lehre und einigen Berufsjahren hat Karl Dittli Theologie am TDS studiert. Später hat es ihn in den Journalismus verschlagen. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Mit seiner Familie lebt er in Amriswil. Karl ist leidenschaftlicher Jogger, Leser und trifft sich gern mit Menschen. Ausserdem ist er begeistert von Italien.

    Zum Thema:
    Den Glauben entdecken

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    Kapieren statt kopiere: Von vielfältiger Jüngerschaft und jüngerschaftlicher Vielfalt

    Datum: 19.04.2026
    Autor: Karl Dittli
    Quelle: Jesus.ch

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