Ein Sinnbild für die Einheit in Jesus
Jedes Jahr treffen sich an verschiedenen Orten Menschen zu Ostern, um zusammen auf einen Ostermarsch zu gehen. In den meisten Fällen handelt es sich dabei aber nicht um eine traditionelle Wanderung, sondern vielmehr um eine Kundgebung oder Demonstration, die von der Friedensbewegung getragen wird. Wie zum Beispiel in Deutschland oder auch in Grossbritannien der Fall ist oder auch in der Bundesstadt in Bern.
Etwas anders ist der traditionelle Ostermarsch in Pfäffikon ZH im Zürcher Oberland aufgebaut. Jedes Jahr bieten verschiedene Kirchgemeinden diesen Anlass an. Zusammen umrundet man dabei den Pfäffikersee am frühen Morgen. Dies bedeutet für die meisten einen Fussmarsch von etwa zwei Stunden. Dabei will man von der Dunkelheit ins Licht kommen – wortwörtlich. So wie das damals vor etwa 2000 Jahren auch Jesus am Kreuz vollbracht hat.
Von der Dunkelheit ins Licht
Um 5 Uhr morgens startet der Ostermarsch. Alle willigen Wanderer treffen sich bei der katholischen Kirche um das Osterfeuer. Sie bringen das Osterlicht dann in die reformierte Kirche, wo sich weitere Wanderlustige um 5:15 zu der Gruppe dazugesellen können. In der Dunkelheit bewegen sie sich Richtung Seegräben, wo sie als Gruppe den neuen Tag begrüssen und zusammen die Auferstehung von Jesus Christus feiern .
Ein weiteres Highlight erwartet die Gruppe auf der anderen Seite des Sees in Pfäffikon. Die Wanderer werden auf dem Römerkastell in Pfäffikon (einer alten Ruine aus der Römerzeit) von Blasmusik empfangen. Dort brennt zwischen den alten Mauern ein Feuer, Gebet und Gesang stehen im Fokus. Nach einem Segenswort nimmt die Gruppe das letzte Wegstück zur reformierten Kirche unter die Füsse. Der Anlass endet am Morgen mit einem gemeinsamen Frühstück im reformierten Kirchgemeindehaus in Pfäffikon.
Der Ostermarsch ist mehr als bloss ein Spaziergang um den See, sondern soll durchaus auch eine geistliche Komponente haben. Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, die Natur auf sich wirken zu lassen, oder auch auf Eindrücke aus ihrem Inneren zu achten. Ausserdem erleben sie den Wechsel von der Dunkelheit am Start hin zum Licht in der Form des Sonnenaufgangs, der den Tag einleitet. So können sie das Ostergeschehen nachvollziehen.
Einheit mit Gott
Die Geschichte ist bekannt. Jesus Christus wurde von den Juden als Gotteslästerer gebrandmarkt und schliesslich vor die römische Gewalt in Form von Pontius Pilatus gezerrt. Dieser erkannte zwar, dass Jesus eigentlich unschuldig war, doch trotzdem war der Druck von jüdischer Seite so gross, dass er sich beugen musste. Dies aber zunächst nur teilweise. Er bot den Juden einen «Deal» an. Zum jährlichen Passahfest war es Brauch, einen Gefangenen freizulassen. Die Juden entschieden sich aber nicht, wie von Pilatus zunächst beabsichtigt und angenommen, für Jesus, sondern für einen anderen Gefangenen mit dem Namen Barabbas. In diesem Moment war das Schicksal von Jesus besiegelt. Er wurde verurteilt und starb einen qualvollen Tod am Kreuz.
Dies war aber noch nicht das Ende. Am dritten Tag kam er zurück ins Leben durch die Auferstehung. Er starb als Sühneopfer für die Sünden der Menschen und hat die Brücke geschlagen, damit jeder Einheit mit Gott haben kann. Durch diesen Akt der Versöhnung hat jeder Mensch die Möglichkeit, sein altes Leben zu beenden und neues Leben zu empfangen. Ein Leben in Einheit mit Gott. (Nachzulesen in den vier Evangelien im Neuen Testament der Bibel, Matthäus, Markus, Lukas und Johannes)
Einheit unter den Kirchen als Sinnbild
Der Ostermarsch in Pfäffikon ist eine schöne Analogie. Am Ostersonntag, an dem die Christenheit die Auferstehung Jesu feiert, kann man das einerseits erleben. Sowohl der Tagesablauf sowie die Liturgie ist perfekt danach ausgerichtet. Andererseits sieht man am Miteinander der Kirchen auch, dass hier eine Einheit vorhanden ist.
Dieses Miteinander von Katholiken und Reformierten wird als «Ökumene» bezeichnet. Das Wort kommt aus dem Griechischen und heisst «oikumene». Auf Deutsch bedeutet dies: die ganze bewohnte Erde. Sie ist eine Bewegung innerhalb des Christentums, die anstrebt, die verschiedenen Konfessionen wieder zu einen und zusammenzuführen. Also zurück zu den Anfängen: Denn die allererste Kirche war geeint und kannte keine verschiedenen Konfessionen. Diese entstanden erst mit der Zeit durch verschiedene Spaltungen.
Heute ist die ökumenische Bewegung schon weit fortgeschritten. Der Ostermarsch in Pfäffikon ZH ist nur ein Beispiel dieser gelebten Einheit. Eine Einheit, die auf die Auferstehung Christi hinweist. Wo gäbe es einen besseren Moment dafür, dies zu betonen, als am Ostersonntag?
Zum Autor: Nach einer KV-Lehre und einigen Berufsjahren studierte Karl Dittli Theologie am TDS Aarau. Später hat es ihn in den Journalismus verschlagen. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Mit seiner Familie lebt er in Amriswil. Karl ist leidenschaftlicher Jogger, Leser und trifft sich gern mit Menschen. Ausserdem ist er begeistert von Italien.
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Datum: 02.04.2026
Autor:
Karl Dittli
Quelle:
Jesus.ch