«Ich dachte, Erfolg würde sie irgendwie schützen»
«Meine Mutter war Chorleiterin, das hat mich inspiriert», erinnert sich Nathan Davis Jr. «Ich hatte dieses Gefühl in meinem Inneren, dass ich genau das tun soll. Es fühlte sich so natürlich und friedlich an.»
Er habe dann eine «Jona-Phase» durchlaufen, «in der man vor seiner Bestimmung davonläuft, weil man Angst hat und sich ablenken lässt. Doch Gott hat eine interessante Art, einen wieder zurückzuführen.»
Er bewunderte immer seinen kleinen Bruder. «Er hat mich nie um etwas gebeten. Manchmal hat man jüngere Geschwister, die nach Geld oder Gefallen fragen, aber er hat mich nie wirklich um etwas gebeten. Er wollte immer helfen, egal ob beim Filmen meiner Social-Media-Videos oder indem er selbst darin mitgewirkt hat.»
Ziel: Air Force
Sein jüngerer Bruder war sehr reif für sein Alter, «und heute weiss ich, dass er mit einigen Dingen zu kämpfen hatte. Mein Ziel war es, ihn nach Los Angeles zu holen, weil ich wusste, dass er zur Air Force gehen wollte, aber er war noch dabei, sich selbst zu finden. Ich sagte zu ihm: ‘Wenn ich dich nach Los Angeles hole und dir beibringe, wie man filmt und all diese Dinge macht, würdest du dann nicht zur Air Force gehen?’ Und er sagte: ‘Ja, ich komme dorthin und lebe bei dir.’»
Natahn Davis Jr.’s Plan war es, ihn in eine andere Umgebung zu bringen, in der er sehen konnte, dass das Leben nicht so schlimm ist. «Dass es mehr gibt, mehr Möglichkeiten. Leider hat er sich das Leben genommen. Das hat mich sehr verletzt, denn als grosser Bruder ist dein jüngeres Geschwisterkind wie dein erstes Kind. Du sollst es beschützen, führen und bestmöglich leiten. Das hat mich tief beschäftigt, und ich habe lange damit zu kämpfen gehabt.»
Gesicht des Bruders immer sichtbar
Oft müsse man in der Unterhaltungsindustrie einfach funktionieren. «Ich wünschte, ich hätte mehr Momente gehabt, in denen ich ihn hingesetzt und gesagt hätte: ‘Weisst du was? Ich kämpfe mit Depressionen. Ich habe suizidale Gedanken. Ich habe Unsicherheiten. Manchmal fühle ich mich nicht wertvoll.’ Ich wünschte, ich hätte diese tieferen Momente mit ihm geteilt. Mir wurde nie beigebracht, dass es in Ordnung ist, so offen zu sein.»
Jetzt sei der beste Weg seinen Bruder zu ehren, «in dem ich eine bessere Version meiner selbst bin. Ich halte seinen Namen am Leben, indem ich mit Kindern und Menschen spreche, die mit Depressionen und psychischen Problemen kämpfen. Jedes Mal, wenn ich auf der Bühne singe oder mit jemandem spreche, sehe ich sein Gesicht in jedem, mit dem ich spreche. Es ist, als würde ich dieses Gespräch immer wieder mit ihm führen.»
«Viele sind nicht mehr hier»
Er ist Gott dankbar, «dass er mir so viel Gnade und Barmherzigkeit gezeigt hat und dass er mich gebraucht. Es gibt viele Menschen, die nicht mehr hier sind, deshalb bin ich gesegnet, gebraucht zu werden und ein Jünger Christi zu sein. Ich habe nicht nur meinen kleinen Bruder verloren, sondern insgesamt vierzehn Familienmitglieder zwischen 2021 und 2024.»
Davor war er auf TikTok durchgestartet. «Ich habe Filme und Serien gemacht. Ich habe viel Geld verdient und ein Haus für meine Mutter und mich gekauft.» Doch als er seine Familienmitglieder verlor, fiel er in eine tiefe Depression. «Ich hatte immer gedacht, wenn ich erfolgreich werde – wenn ich genug Geld verdiene – dann wäre meine Familie sicher. Ich dachte, Erfolg würde sie irgendwie schützen. Aber als all das passierte, fragte ich mich: Was bringt das alles? Wozu arbeite ich überhaupt? Die Menschen, mit denen ich das alles teilen wollte, gingen alle.»
«Herr, ich brauche dich»
Ihm wurde alles egal. «Ich war in Clubs unterwegs und lebte einfach unkontrolliert. Ich hatte die Einstellung: Was passiert, passiert.» Ihm sei nie beigebracht worden, eine persönliche Beziehung mit Gott zu haben. «Aber ich beschloss, es zu versuchen. Ich hatte noch nie seine Stimme gehört, aber ich sagte: ‘Herr, ich brauche dich. Gott, ich brauche dich. Ich weiss nicht, was ich tue. Dieser Schmerz ist schrecklich. Ich brauche dich einfach.’»
Und zum ersten Mal hatte er eine geistliche Begegnung mit Gott. Er fühlte sich von ihm umarmt. «Er sagte mir, dass er mich liebt. Ich hatte noch nie zuvor Gottes Stimme gehört, und als es geschah, wusste ich: Das ist anders. Das hat mir niemand beigebracht. Das habe ich erlebt. Danach begann Gott, mir etwas über Fasten und darüber beizubringen, wie ich seine Stimme höre. Er sprach zu mir durch soziale Medien, durch die Natur, durch Freunde, durch Filme und durch alltägliche Erfahrungen. Er machte mich vertraut damit, ihn zu hören.»
Loslassen
Er spürte, dass er für Gott Musik machen sollte. «Ich sagte: ‘Aber ich habe gerade erst ein grossartiges R&B-Album fertiggestellt. Bist du sicher, dass ich das loslassen soll? Das ist grossartige Musik.’ Aber er sagte mir: ‘Ich werde dich weiter bringen, als du je zuvor warst.’ Also liess ich es los.»
Er begann, christliche Remixe zu machen, und sie gingen sofort viral. «Normalerweise dauert es eine Weile, bis sich Menschen daran gewöhnen, wenn man seinen Stil in den sozialen Medien ändert. Ich ging von Comedy und Unterhaltung zu ernster, inspirierender Musik über, und es hat sofort funktioniert. Mein erstes Video erreichte direkt etwa eine Million Aufrufe.»
Gott näher gebracht
Dann kam seine Mutter ins Krankenhaus und kämpfte um ihr Leben. «In dieser Zeit lehrte Gott mich, ihm mehr zu vertrauen. Er zeigte mir, dass er heilt. Aus dieser Erfahrung entstand der Song ‘Woke Up This Morning’.»
Sein Leben verlief gerade chaotisch, er kämpfte mit Depressionen, suizidalen Gedanken und die Gefahr war da, das Haus zu verlieren. «Aber jeden Morgen stand ich auf, betete und ging mit Gott. Seine Gegenwart fühlte sich so ruhig an. Ich fühlte mich geliebt, bestätigt und getragen. Ich hatte das Gefühl, dass es einen Grund gab, warum ich noch am Leben bin.»
Menschen sagen ihm ständig: «Ich höre das jeden Morgen. Dieser Song hat mein Leben verändert.» Muslime, Atheisten, Menschen aus verschiedenen Religionen und Kulturen sagen ihm: «Ich liebe diesen Song. Er bringt mich Gott näher.» Einige haben ihm sogar gesagt, dass sie durch diesen Song zum Glauben gefunden haben. «Genau wie bei den Jüngern nahm er die Fische und das Brot und vermehrte sie. Ich habe meine Musik immer wieder in seine Hände gelegt, und er hat sie vergrössert.»
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Datum: 20.03.2026
Autor:
Jesus Calling / Daniel Gerber
Quelle:
Jesus Calling / gekürzte Übersetzung: Jesus.ch