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Ein Jahr nach dem Bombenanschlag in Damaskus

Syrien ist auf dem sechsten Platz des Weltverfolgungsindex
Beim Terroranschlag auf die griechisch-orthodoxe Kirche St. Elias in Dweil’a (Damaskus) während der Abendmesse wurden mindestens 22 Menschen getötet und über 50 verletzt. Ein Jahr später leben Syriens Christen weiter in Angst vor neuen Angriffen.

Die christliche Gemeinde in Syrien stand damals unter Schock. Ein Terrorist hatte sich während der Abendmesse Zugang zur Kirche verschafft. Zuerst fielen Schüsse, danach zündete er einen Sprengstoffgürtel und tötete damit sich selbst und viele weitere Menschen.

Emotionaler Abschied

Zwei Tage später löste die Beerdigung der Opfer in der Mar-Elias Kirche grosse Emotionen aus. Die Kirche war damals überfüllt. Die Portraits der Verstorbenen wurden von ihren Angehörigen hochgehalten, bevor sie dann auf die Särge gelegt wurden. Es gab auch Trauerfeiern an anderen Orten, wo die Opfer herkamen, die nicht aus der Hauptstadt Damaskus stammten.

Am Tag zuvor versammelten sich in ganz Syrien Christen aller Konfessionen in griechisch-orthodoxen Kirchen, um der Opfer zu gedenken und für die Betroffenen zu beten. Auch an diesem Tag waren die Kirchen überfüllt, sodass sich auch ausserhalb Christen und Muslime gemeinsam trafen. Viele von ihnen trugen Kerzen in ihren Händen. 

Kirche in Aleppo entkommt einem Angriff

Aktuell ist die Gefahr vor weiteren Anschlägen auf Kirchen in Syrien gross. Mitte Mai wurde eine weitere Tragödie während einer Beerdigung in einer Kirche in Aleppo nur knapp abgewendet. In dem Moment, wo der Leichenwagen in den Innenhof fuhr, um den Sarg zum Friedhof zu bringen, wurde ein seltsamer Gegenstand entdeckt, der sich später als Bombe entpuppte.

Es entstand eine Massenpanik und alle Anwesenden flüchteten. Durch das schnelle Eingreifen der Polizei und von Experten passierte schlussendlich nichts. Diejenigen, die bei der Beerdigung anwesend waren, zeigten sich zwar schockiert, aber dankbar: «Wir danken Gott, dass die Bombe fiel, bevor sie explodierte. Wenn sie explodiert wäre, während wir alle drinnen waren, wäre es ein Massaker gewesen. Wir hatten Glück, am Leben zu bleiben.»

Heilung für die Traumatisierten 

In Damaskus hatten die lokalen Partner von Open Doors bereits vor dem Anschlag und den daraus resultierenden körperlichen und psychischen Leiden Workshops zur posttraumatischen Betreuung für Frauen und Kinder ins Leben gerufen – vor dem Hintergrund von Gewalt und Unsicherheit, unter denen die Christen in der Region seit Langem leiden. Heute, nach dem Anschlag, sind diese Seminare notwendiger denn je.

Hoffnung trotz weniger Christen im Land

Einer der Hauptinitianten dieser Traumaseminare ist Pater Bashar Laham. Er ist Priester einer katholischen Gemeinde in Damaskus. Er sieht die Herausforderung der christlichen Gemeinde in Syrien, die seit 2011 von 1,8 Millionen auf etwa 300'000 geschrumpft ist. Darunter sind auch viele junge Menschen, die Syrien wegen der fehlenden Zukunftsperspektiven verlassen haben.

Trotzdem glaubt Pater Laham, dass die Kirche in Syrien überleben wird. Dazu brauche es unter anderem wieder mehr Sicherheit im Land und eine Perspektive für Familien, die ihren Lebensunterhalt bewältigen und sichern können. Dies sei momentan unter den aktuellen Umständen nicht gegeben.

Konvertiten als Hochrisikogruppe

In Syrien (Nr. 6 im Weltverfolgungsindex von Open Doors) leben alle Christen unter grossem Druck und der Gefahr, Opfer von Gewalt zu werden. Aber Konvertiten, die sich von anderen Religionen dem Christentum hingewandt haben, leiden unter grösserer Verfolgung als Gläubige, die in eine christliche Familie hineingeboren wurden.

Eine Konversion aus dem Islam kann zu grossem Widerstand seitens der Familie und dem weiteren Umfeld führen. Es drohen Strafen wie geschlagen zu werden, ihre Häuser zu verlieren, und es kann sogar so weit kommen, dass eine selbsternannte Todesstrafe über sie verhängt wird. Konvertiten werden wegen ihres neuen Glaubens auch häufig aus ihrer vorherigen Gemeinschaft ausgestossen.

Der Angriff vor einem Jahr und der vereitelte Angriff in Aleppo erinnern uns an die Bedrohung für Christen in Syrien. Die Gefahr besteht derzeit weiterhin.

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