Einheit, die man sehen kann
Ich war mit Freunden in Augsburg am Kongress «MISSION:IS:POSSIBLE» im Kongress am Park. Organisiert vom Gebetshaus Augsburg, getragen von katholischen, evangelischen, freikirchlichen und orthodoxen Gemeinschaften, denen die Einheit der Christen am Herzen liegt. Das Ziel: die Vielfalt des christlichen Glaubens sichtbar machen.
Wenn ich diesen Tagen einen Übertitel geben müsste, dann diesen: Einheit, die man sehen kann. Keine Fake-Ökumene, sondern eine echte. Das ist mir wichtig, gerade als Katholik. Zu oft habe ich Ökumene so erlebt, dass wir unsere Kanten abschleifen, den Glauben verwässern und das klare Bekenntnis zu Jesus lieber weglassen, um niemandem wehzutun. In Augsburg war es umgekehrt: Genau das Bekenntnis zu Jesus Christus war das, was uns verbunden hat.
Immer wieder klang Jesu Gebet aus Johannes 17,21 durch: «Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.» Und es war spürbar: Freude, Liebe, Friede, Hoffnung.
Verschiedenen Welten...
Auf der Bühne standen Menschen aus ganz verschiedenen Welten. Bischof Stefan Oster sprach über das stille Gebet: Mission beginnt im Innern, wo wir das kontrollierende Ego loslassen, um Gott wirklich zu begegnen und von dort in dienender, demütiger Haltung zu den Menschen zu gehen. Die Theologin Mihamm Kim-Rauchholz sprach über Mission als Gottes Suche nach dem Menschen. Sie legte die allererste Frage der Bibel aus: «Adam, wo bist du?» Mission ist nicht zuerst, dass wir loslaufen. Sie ist, dass Gott seit jeher dem Menschen nachgeht, der sich versteckt. Das hat etwas in mir geweitet.
Dazwischen Workshops voller Aufbruch. Wie lässt sich Kirche heute leben? Wie lernen wir voneinander? Ich war in einem Workshop über Social Media, mit Christin Brüning und Tobias Schier. Auch da: Einheit zum Greifen nah. In anderen Workshops ging es um Leadership und den Bau von Gemeinde, für mein katholisches Umfeld ein riesiges Learning. Chris Schuller erzählte von «Follow His Call», von Strasseneinsätzen, Schulbesuchen und einem Podcast-Bus, und davon, wie offen die junge Generation fürs Evangelium ist. Mission geschieht überall.
...aber eins in Jesus
Und dann der Abschluss, der mich nicht mehr loslässt. Getragen von Lobpreis mit Veronika Lohmer und Band haben wir den Abend im Gebet beendet. Wir haben füreinander gebetet, um eine neue Erfüllung mit dem Heiligen Geist gebetet, und der Heilige Geist hat den Raum gefüllt. Denn das ist meine tiefste Überzeugung: Diese Einheit machen wir nicht selbst. Sie ist das Werk des Heiligen Geistes. Er verbindet Herzen, schenkt Mut zum Zeugnis und macht uns über alle Grenzen hinweg zu einem Leib. Gemeinsam sprachen wir ein dreifaches Ja: Ja zum Auftrag, Jünger zu machen. Ja zu den Geschwistern anderer Konfessionen. Ja zu den Menschen, die Gott noch nicht kennen. Da standen sie: Leiterinnen und Leiter der verschiedenen Kirchen, vorne, Hand in Hand. Beim Segenslied «Der Herr segne dich und behüte dich, er lasse sein Angesicht über dir leuchten» sangen wir Amen, Amen. Und ich stand da, erfüllt vom Geist Gottes. Dieses Bild, Verantwortliche verschiedener Konfessionen, Hand in Hand, ist für mich das Bild der Zukunft der Kirche.
Danach zogen wir mit Kerzen in einer Lichterprozession zur Kirche St. Anton und beteten dort gemeinsam die Komplet, das Nachtgebet der katholischen Kirche.
Ich bin heimgekommen mit erfülltem Herzen und mit einem Wunsch für die Schweiz: dass wir es zumindest versuchen. Dass wir aus der Bubble der eigenen Konfession heraustreten, aus dem Komfort des Eigenen, und das suchen, was uns alle verbindet: den Glauben an den dreieinen Gott, mit Jesus Christus in der Mitte.
Mission ist möglich. Einheit auch. Ich habe sie gesehen.
Zum Autor: Nikola Baskarad (*1989) ist Jugendarbeiter in der Pfarrei Heilig Kreuz in Zürich-Altstetten und leitet das Gebetshaus Dietikon. Sein Anliegen: Menschen helfen, Gott persönlich zu begegnen und ihren Glauben echt im Alltag zu leben. «Leben. Echt. Authentisch.»
Datum: 24.06.2026
Autor:
Nikola Baskarad
Quelle:
Livenet