«Es geht um Mehrwert statt Nährwert»
Seit fünf Jahren wird das Andachtsmagazin «Freude am Heute» veröffentlicht. Mit kurzen Texten sollen Menschen der Bibel nahe gebracht und täglich ermutigt werden. Etwa mit der biblischen Geschichte, bei der eine Frau ihren Mann verloren hatte und man der Witwe nun ihre Söhne wegnehmen und die Sklaverei verkaufen wollte. Davon berichtet die Bibel in 2. Könige Kapitel 4 in den Versen 1 bis 7. «Sie ging zu einem Propheten. Es ist gut wenn man weiss, wohin man gehen kann», so Claude Greder, Präsident des Radiosenders «Phare FM» und Redaktionsleiter der Zeitschrift «Freude am Heute» bei der Andacht am Team-Treffen des Magazins in Weil am Rhein.
«Und was sagte der Prophet? Bring ein Opfer? Mach etwas für mich? Nein. Er verwies auf das, was sie hatte.» Das war nichts, bis auf ein kleines Fläschchen Öl. «Er sagte: ‘Geh und sammle alle Gefässe die du finden kannst.’ – ‘Hallo? Ich habe ein kleines Fläschlein Öl und soll Gefässe füllen?’ Normalerweise ist es umgekehrt. Doch sie fängt an ... und es fliesst und es fliesst und es fliesst und hört nicht mehr auf. Der grosse Klug wird voll. Sie geht zum nächsten Krug und zum nächsten. Hätte sie noch mehr Gefässe gehabt, wären auch diese noch gefüllt worden. Auch ein 38-Tonnen-Gefäss wäre – wohl nach einem ganzen Tag – ebenfalls gefüllt worden.»
Ein biblisches Prinzip
Dieses Prinzip zieht sich durch die Bibel hindurch, bilanziert Claude Greder. «Fünf Brote und zwei Fische für 5’000 Männer, dazu kamen noch Frauen und Kinder. In der Gemeinde ‘Porte Ouverte’ haben wir 2’700 Stühle. Wenn ich bei unserer 60-Jahre-Feier fünf Brote und zwei Fische bereitstellen würde, würde ich wohl gefragt, ob ich doof bin. Doch Jesus teilt die Menschen in Gruppen zu 50 auf. Er hat Erwartungen!»
Claude Greder ermutigt dazu, in sicheren Erwartungen zu leben. «Als Jairus nach Hilfe für seine Tochter suchte, war ihm sein Ruf egal; er wusste, dass etwas geschehen wird. Oder der römische Hauptmann sagte zu Jesus: ‘Ein Wort von dir genügt.’ Oder eine Frau war schon zwölf Jahre krank und ihr Geld war bei den Ärzten. Dann berührte sie das Gewand von Jesus.»
«Ein nettes Andachtsbüchlein?»
«Was wollen wir? Ein nettes Andachtsbüchlein?», fragt Claude Greder. «Es geht um viel mehr. Es geht um eine innere Herzensbewegung. Kapernaum war eine Hafenstadt; das war nicht der heiligste Ort.» Alle kamen mit Erwartungen. Anders danach in Nazareth. «Es passierten nur wenige Wunder, viele erwarteten nichts. ‘Das ist doch der Sohn von Jesus und Maria’, hiess es.»
Es gehe darum, Erwartungen zu haben und daran zu glauben, was Gott weitergeben will. Bob Gass, der die Ursprungsversion von «Freude am Heute» auf Englisch gründete, war Pastor und als jemand an seiner Hochzeit sagte, er werde mehr Menschen durch das Schreiben als durch das Predigen erreichen, entgegnete er: «Ich kann nicht schreiben!» Doch er wurde ermutigt, damit zu beginnen. «Mittels einer Fax-Maschine sendete der Brite die Texte in die USA, wo sie verbessert wurden.» Heute wird «Word for Today» von Millionen gelesen.
Scherbenhaufen aufgeräumt
Gott will Menschen retten und jene ermutigen, die down sind. Claude Greder spricht aus Erfahrung: «Auch Christen gehen durch Probleme. Am 21. Juni 2003 stand unsere Ehe vor dem Aus. Ich sagte, dass ich zu Pastor Samuel Peterschmitt gehe und sage, dass ich aussteige und eine säkulare Arbeit suche. Ich kann nicht vorne predigen und hinten sieht es ganz anders aus. Ausserdem würde ich ausziehen.» Und dann konnten die beiden – weil es ja ohnehin aus war – plötzlich wieder miteinander reden, bis tief in die Nacht hinein. «Ich fragte meine Frau, ob ich noch für sie beten kann, und legte ihr die Hände auf.»
Am Morgen verschlief Claude Greder und fuhr dann schnell zur Arbeit. «Sie rief mich an und fragte, ob ich ihr den Tagestext aus Freude am Heute vorlesen kann. Ich schlug auf und sagte: ‘Es ist über die Ehe.’ Sie meinte, ich solle trotzdem weiterlesen. Es war, als wäre der Pastor bei uns gewesen. Es kam wie ein sanftes Öl über unsere Seele. Der Text war so gut, dass er half, unsere Scherbenhaufen zusammenräumen. Und ich bin überzeugt, dass er noch Hunderttausende berührt.»
«Menschenleben verändern»
«Wir sind nicht nur Verleger, die ein schönes Andachtsheft verbreiten möchten, sondern wir möchten Menschenleben durch Gottes Wort verändern», erklärt Claude Greder.
Guido Berger, Pastor in der «Offenen Tür» in Muttenz und Herausgeber und Leserbetreuer der deutschen Ausgabe von Freude am Heute für die Schweiz, hält fest, dass die Leserschaft Ansprüche hat und dass es um Mehrwert statt Nährwert geht. Dies widerspiegelt sich auch in der Zusammenarbeit der Herausgeber der deutschsprachigen sowie der französischsprachigen Ausgabe, die Hand in Hand gehen. «Dies geschieht in Einheit und das ist ein klar definierter, biblischer Wert. Wir sind Brückenpfeiler auf festem Untergrund, wir sind lebendige Steine. Unser Chef ist allwissend und allmächtig.»
Auflage steigt stetig
«Gott wusste schon vor ein, zwei Jahren, was er vorhat», bilanziert Guido Berger. Es gehe darum, die Menschen mit einem täglichen Kraftriegel aufzubauen. Inzwischen wurde auch eine App entwickelt. «Ohne Jesus Christus, den Heiligen Geist und den Vater haben wir keine Chance. Doch Gott hat schon die Übersicht, wo wir in fünf Jahren sind.»
Das Magazin erscheint nun seit fünf Jahren in deutscher Sprache, erst vor kurzem ist die 20. Ausgabe erschienen. Guido Berger: «Die Auflage in Deutschland liegt inzwischen bei 14'000 und so wie es sich entwickelt, erreichen wir Ende Jahr 16'000. Und in der Schweiz rechnen wir mit einem Anstieg von aktuell 5’000 Exemplaren auf 6000 bis Ende 2026.»
Und Jérôme Hell, Produktionsleiter der französischen Ausgabe bilanziert: «Inzwischen gibt es das Magazin in 17 Sprachen in 27 Ländern. Spanisch und Portugiesisch sind in der Pipeline.»
Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas. Er ist verheiratet mit Guilene und Vater von drei Kindern.
Zur Website:
Freude am Heute
Datum: 21.06.2026
Autor:
Daniel Gerber
Quelle:
Livenet