Jugendarbeit: Never alone!
Einer der Slogans unserer Jugendarbeit heisst: «Never alone!» Was ist damit gemeint? Ich möchte möglichst wenig in der Kirche allein machen! Ich möchte überall, wo ich kann, andere Leute involvieren. Ich will jemanden an meine Seite nehmen. Warum? Weil wir miteinander Kirche sind und so vieles von Kirche erst durch das Miteinander entsteht.
Ein Team bilden
Das Erste, was ich tue, wenn ich ein neues Projekt angehen möchte, ist, ein Team aufzubauen. Ich möchte andere Leute an meiner Seite haben. Ich möchte «never alone» sein. Selbst wenn ich es allein effizienter, schneller und vielleicht sogar besser könnte.
Wenn ich einen Auftrag fasse, dann frage ich mich als Erstes: Wen könnte ich da involvieren? Kenne ich Jugendliche, welche in diesem Gebiet Potenzial haben? Wen möchte ich zurzeit fördern? Wem will ich diese Plattform geben? Gibt es jemanden, der nützliche Stärken dafür hat? Wer könnte durch Mitarbeit wachsen? Manchmal auch: Gibt es jemanden, den ich einfach dabei haben möchte?
Das Leben als Christ ist keine Solo-, sondern eine Gruppenreise. Gott möchte, dass wir miteinander unterwegs sind. Die meisten seiner Aufträge an die Jünger waren Gruppenaufträge, keine Einzelanweisungen. Ich bin deshalb überzeugt, dass unsere Aufgabe als Leiter und Pastoren in vielem mit einem Coach zu vergleichen ist. Ich möchte, dass andere brillieren. Ich begleite sie. Ich coache sie. Und nicht: Ich mache die ganze Arbeit.
Miteinander besser als allein
Ich habe schon ziemlich alles Mögliche in der Kirche zusammen mit anderen gemacht: Predigten geschrieben, Camps geplant, Gespräche geführt, Sitzungen vorbereitet, Strategien entwickelt, Gebetszeiten auf den Knien verbracht, Räume renoviert, Einkäufe gemacht und vieles mehr.
Miteinander ist in vielerlei Hinsicht besser als allein:
- Wenn man Dinge miteinander tut, dann entstehen Beziehungen.
- Durch das Miteinander geschieht ganz natürlich Jüngerschaft.
- Ich werde ergänzt durch die Begabungen und Persönlichkeiten der anderen.
- Potenzielle Leiter können ohne viel Verantwortung dabei sein.
- Wir prägen eine Kultur des «better together», welche uns als Kirche auszeichnen sollte.
- Du bist nicht allein
Es gibt die sehr reale Gefahr, dass in Kirchen eine Konsumentenmentalität entsteht, bei der man von den Profis erwartet, dass sie die ganze Arbeit machen. Das ist absolut unbiblisch. Denn wir arbeiten nicht primär in der Kirche mit, weil wir dafür Geld bekommen, sondern weil wir ein Teil der Kirche sind! Kirche, das sind nicht die Bischöfe – Kirche, das sind wir alle miteinander! Paulus verwendet in 1 Korinther 12 das Bild eines Körpers, von dem wir alle Glieder sind. Wir bilden «gemeinsam den Leib» (1 Kor 12,20). Allgemeines Priestertum heisst, dass wir alle gefragt sind – nicht nur ein paar wenige!
Disclaimer: Natürlich gibt es Aufgaben, welche du allein erledigen musst. Aber falls du wie ich dazu tendierst, zu viel allein zu machen, kann dich der «never alone»-Slogan anspornen, immer mehr im Miteinander statt individualisiert zu denken!
Real-Life-Story von Raffael
Ich erinnere mich noch gut an den Moment: Es war drei Tage vor einem grossen Konzert, welches wir in unserer Kirche durchführten, und ich sass völlig übermüdet vor meinem Laptop. Die Beschriftungen der Räume waren noch nicht fertig, der Ablaufplan war unklar und ich war gefühlt für alles verantwortlich, von der Technik bis zum Snackeinkauf für die Band.
Da erkannte ich selbstkritisch: Ich hatte niemanden gefragt, mir zu helfen. «Es geht schneller, wenn ich es alles selbst mache», hatte ich mir gedacht. Aber jetzt war ich am Anschlag. Und gleichzeitig frustriert: Warum fühlte ich mich eigentlich so allein, mitten in der Kirche?
Am nächsten Tag fasste ich mir ein Herz und schrieb ein paar Leute an. Spontan fanden sich zwei Jugendliche, die beim Aufbau helfen wollten. Eine Kollegin übernahm den Einkauf der Snacks, ein anderer Freund stellte den Ablaufplan mit mir fertig. Und plötzlich war ich nicht mehr allein. Wir lachten zusammen, organisierten zusammen, und ich merkte: So macht Kirche Sinn.
Das Event wurde super, nicht nur, weil fast alles funktionierte, sondern weil wir gemeinsam unterwegs waren. Seitdem frage ich bei jedem neuen Projekt zuerst: Wen könnte ich mitnehmen?
Reflexionsfragen
- Bist du eher der Einzelgänger- oder der Gruppentyp?
- Wo hast du selbst schon davon profitiert, dass du mit dabei sein konntest, obwohl es dich nicht wirklich gebraucht hätte?
- Was hast du in den letzten zwei Wochen ganz allein gemacht? Wäre es möglich gewesen, hier andere zu involvieren?
- Welche Aufgabe in der nächsten Woche könntest du mit jemandem zusammen machen?
Dies ist ein Auszug aus dem Buch «Kirchliche Jugendarbeit» von Joel Meier (Verlag BoD - Books on Demand, ISBN 9783695124992) In den kommenden Wochen bietet Livenet weitere Einblicke in den Inhalt des Buches.
Zum Buch:
Kirchliche Jugendarbeit
Hier findest du alle Buchauszüge:
Dossier: Kirchliche Jugendarbeit
Zum Autor: Joel Meier ist seit über zehn Jahren Jugendpastor in der Buchegg Church in Zürich. Er hat Theologie in Basel, Zürich und London studiert. Heute coacht und begleitet er mit viel Leidenschaft junge Leiter und Pastoren in der Jugendarbeit. Zudem doziert er an mehreren Bibelschulen und ist in seiner Freizeit am liebsten mit seiner Familie in den Bergen unterwegs.
Datum: 12.06.2026
Autor:
Joel Meier
Quelle:
Buchauszug «Kirchliche Jugendarbeit»