Gott und die Dänen – vor allem die jungen
41 Prozent der Unter-30-Jährigen in Dänemark möchten mehr über die Bibel erfahren. Ein Drittel der Männer gibt an, im letzten Monat mindestens einen Gottesdienst besucht zu haben. Und die Hälfte der jungen Erwachsenen unter 30 glaubt, dass es wahrscheinlich oder definitiv einen Gott oder eine höhere Macht gibt.
Diese neuen Daten stammen aus der Untersuchung «Gott und die Dänen: Die Glaubensanalyse 2026», die im Frühjahr 2026 von der Dänischen Bibelgesellschaft veröffentlicht wurde. 3'000 Menschen wurden befragt, und die Ergebnisse zeichnen ein seltenes Bild dieses stark säkularisierten nordeuropäischen Landes.
Junge Menschen doppelt so «gläubig» wie ältere
Rund ein Viertel der 16- bis 30-Jährigen erklären, dass Religion in ihrem Alltag wichtig ist. Bei den Älteren (ab 45) sind es nur noch rund 12 Prozent. Junge Menschen stehen dem Glauben zudem offener gegenüber als die Gesamtbevölkerung: Fast 49 Prozent der 16- bis 30-Jährigen glauben, dass es definitiv oder wahrscheinlich einen Gott oder eine höhere Macht gibt, verglichen mit 39 Prozent der übrigen Bevölkerung.
Ausserdem besuchen sie häufiger den Gottesdienst als der Rest der Bevölkerung (26 % gegenüber 10 %) und zeigen ein grösseres Interesse daran, mehr über die Bibel zu erfahren (41 % gegenüber 22 %).
Junge Männer sind religiöser
Was überrascht, alte Vorurteile widerlegt und mit Erkenntnissen aus anderen Ländern übereinstimmt, ist, dass junge Männer in Dänemark religiöser sind als junge Frauen. So haben 34 Prozent der jungen Männer im letzten Monat zusätzlich zu Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen einen christlichen Gottesdienst vor Ort oder online besucht. Zudem lesen 21 Prozent der jungen Männer wöchentlich selbstständig in der Bibel, und sie berichten häufiger als junge Frauen von spirituellen Erfahrungen, die ihren Glauben oder ihr Lebensverständnis beeinflusst haben.
Jacob Holst Mouritzen, Strategieberater bei der Beratungsfirma Holst Mouritzen, die die Umfrage durchgeführt hat, kommentiert: «Wenn jeder dritte junge Mann im letzten Monat einen Gottesdienst besucht hat und jeder fünfte wöchentlich in der Bibel liest, lässt sich dies kaum als blosse Neugier abtun. Es deutet darauf hin, dass eine Reihe junger Männer ihrem Interesse tatsächlich Taten folgen lässt.»
Gott vermehrt in der Öffentlichkeit
Laut der Dänischen Bibelgesellschaft erscheint ihr Bericht in einem gesellschaftlichen Kontext, in dem «Christentum, Glaube und Spiritualität zu wichtigen Themen in der öffentlichen Debatte geworden sind. Politiker, Kulturschaffende, Sportler und ganz normale Dänen sprechen offen über ihren Glauben». Im Gegensatz zu dem säkularen Narrativ, das Religion auf den ausschliesslich privaten Bereich beschränken will, entstehe in Dänemark «ein neues Selbstbewusstsein, öffentlich über den Glauben zu sprechen». Nicht zuletzt schaffen christliche Stimmen in den sozialen Medien neue Gemeinschaften.
Johannes Baum, Generalsekretär der Bibelgesellschaft, fasst zusammen: «Wir haben die Umfrage durchgeführt, weil es schon seit langem viele Berichte über junge Menschen, Glauben und Neugier im Zusammenhang mit dem Christentum gibt. Nun haben wir einen fundierteren Einblick darin, wie das Verhältnis der Dänen zum Glauben und zur Bibel derzeit tatsächlich aussieht.»
Zum Autor: Reinhold Scharnowski ist Pfarrer, Netzwerker und Redaktor. 21 Jahre war er Pfarrer der FEGs in Thun und Steffisburg, dazu Leiter von DAWN Europo und drei Jahre Missionar in Bolivien. Heute im «Unruhestand», seit 2012 aktiv als Redaktor bei Livenet.
Datum: 04.06.2026
Autor:
Reinhold Scharnowski
Quelle:
Livenet / Evangelical Focus