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Sommergottesdienste als Erfolgsmodell in Uri

Ein Highlight der gemeinsamen Sommergottesdienste war ein Berg-Gottesdienst auf dem Klausenpass
Vier Personen, kollegiale Hierarchien und viel Herzblut: Alan Cereghetti beschreibt die Allianz Uri als engagiert. Er setzt auf Nähe zu den Leuten … und liess als Armee-Seelsorger auch das Eis durch einen 10-Kilometer-Marsch im Tiefschnee brechen.

«Grundsätzlich schaue ich dankbar zurück», sagt Alan Cereghetti, Pastor des ICF Altdorf über seine Zeit als Leiter der Evangelischen Allianz Uri. «Wir sind ein kleines Team von vier Personen. Der Unterschied zwischen Leitung und Nicht-Leitung ist bei uns nicht besonders gross.»

Ein besonderer Moment seiner Amtszeit war die Annäherung an die katholische Kirche: «Ich habe bewusst den Kontakt gesucht und habe dem neuen Pfarrer gratuliert, daraus ist ein herzlicher Kontakt entstanden. Es ist ein Austausch auf Augenhöhe, das ist wirklich schön und bereichernd.»

Älter als das ICF Zürich

Besonders in Erinnerung geblieben ist das 40-Jahre-Jubiläum des ICF Altdorf im vergangenen Jahr: «Wir haben zu unserem 40-jährigen Bestehen eingeladen. Wir sind ja sogar älter als das ICF Zürich», teilt er mit einem Schmunzeln mit. «Zwar konnte der zuständige katholische Vertreter nicht persönlich kommen, er liess sich aber durch den Vikar vertreten, der eine wertschätzende Ansprache hielt.»

Älter als ICF Zürich? Ja! Das ICF Altdorf geht auf die Freie Christliche Gemeinde (FCG) Uri zurück. Im Herbst 2018 wechselte die FCG Uri infolge des Pastorenantritts von Alan zum ICF Movement. «Mir ging es um ein Netzwerk, dies war damals nicht mehr wirklich vorhanden.» Als er angefragt wurde, welche Denomination er vorschlagen würde, nannte er das ICF. Dies natürlich auch, weil er vorher knapp 15 Jahre im ICF Schwyz, ICF Zug und ICF Luzern in unterschiedlichen Rollen pastoral gearbeitet hatte. Darüber wurde dann intensiv ausgetauscht, und einige Monate später in einer Mitgliederversammlung wurde dieser Vorschlag angenommen und die FCG Uri wurde offiziell zum ICF Altdorf.  Deshalb also ist ICF Zürich jahrgangsmässig der kleine Bruder des ICF Altdorf.

Neben diesen Begegnungen prägen auch die regelmässigen Treffen der Allianz die Arbeit. Zwei Schwerpunkte stehen innerhalb des Leitungsteams im Zentrum: «Das eine ist das Persönliche – der Austausch und das Gebet füreinander. Das andere sind gemeinsame Projekte und Gottesdienste.»

Gegenseitige Sommerbesuche

Was immer wichtig war, sind die Allianz-Gottesdienste und die Allianz-Gebetswoche. Diese werden rege genutzt. Unlängst kam eine neue Idee dazu, erinnert sich Alan Cereghetti: «Vor rund zwei Jahren merkten wir: Als kleine Kirchen hatten wir in den langen Sommerferien stets Engpässe. Gleichzeitig wollten wir aber keine so lange Sommerpause haben.»

Die Lösung: gemeinsame Sommergottesdienste. «Von Anfang Juli bis Mitte August organisiert jede Gemeinde einmal einen Anlass, und die Leute der anderen Gemeinden kommen dazu. So entsteht eine schöne Anzahl an Leuten, weil die Besucher aus vier Gemeinden zusammenkommen.» Das Konzept geht auf: «Diejenigen, die nicht in den Ferien sind, haben immer die Möglichkeit, einen Gottesdienst zu besuchen.»

Solche Ideen bringen frischen Wind. «Man denkt sich im Nachhinein: Warum sind wir nicht schon früher darauf gekommen? Viele haben Familie und Job – da ist es wichtig, auch einmal durchatmen zu können.» Diese Idee der gemeinsamen Sommer-Gottesdienste empfiehlt Alan Cereghetti auch anderen Orts-Allianzen.

Berg-Gottesdienst und Mahnwache

Die Mahnwache für verfolgte Christen von «CSI»

Ein Highlight war dabei ein besonderer Anlass in den Urner Bergen. «Einmal haben wir auf dem Klausenpass einen Berg-Gottesdienst gefeiert», ein echtes Highlight! Auch grössere Projekte gehören dazu. «Alle zwei Jahre führen wir ein ‘Adonia’-Musical durch, so auch diesen Frühling.» Und für den Herbst 2027 ist ein grösserer, gemeinsamer Anlass geplant.

Solche Veranstaltungen ziehen stets auch Menschen von ausserhalb an: «Wenn etwas Besonderes ist, wie ein Gottesdienst auf dem Klausenpass oder ein ‘Adonia’-Konzert, dann kommen auch mehr externe Besucher. Ähnlich wie ja bei einem Weihnachtsmusical in der eigenen Kirche.»

Ausserdem führte die Allianz Uri letzten Dezember eine Mahnwache für verfolgte Christen von «CSI» durch, dies sei ebenfalls ein starkes Erlebnis gewesen.

Sichtbar werden im Alltag

Die Zusammenarbeit wirkt sich auch auf das Gemeindeleben vor Ort aus. «Als Freikirchen-Pastor hatte ich bisher auch immer wieder gute Begegnungen mit den Urnern», berichtet Alan Cereghetti. Oft auch kurze, aber stets herzliche Gespräche. «Unser Lokal wird zunehmend auch für Geburtstagsfeiern oder Generalversammlungen genutzt. Das macht uns in der Region sichtbarer, was uns sehr freut.»

Auch zwischen den Gemeinden ist eine Selbstverständlichkeit entstanden: «Wenn in einer der Gemeinden beispielsweise kein Gottesdienst stattfindet, besuchen jeweils einige Personen einen Gottesdienst einer anderen Gemeinde der Allianz Uri. Es fliesst ineinander hinein.» Diese gelebte Einheit ist für ihn ein starkes Zeichen. Neu geleitet wird die Allianz Uri seit letztem Herbst von Andreas Reiffler der Gemeinde Brennpunkt Uri.

Kaserne statt Kirche

Ein ganz anderer, aber ebenso prägender Bereich ist für Alan Cereghetti sein Engagement als Armee-Seelsorger (hier spricht er in einem Video darüber). «Es ist interessant: 15 Jahre, nachdem ich alles abgegeben hatte, holte ich das Armee-Material wieder heraus.» Die Ausbildung zu diesem Amt erstreckte sich über vier Wochen, verteilt auf ein Jahr.

Nun ist er einer Tessiner-Kaserne zugeteilt «In Airolo sind etwa 600 Leute stationiert, und ich bin für rund 150 Armee-Angehörige in der Rekrutenschule zuständig.»

Seine Aufgabe beschreibt er so: «Am Anfang stelle ich mich vor, erkläre meine zentralen Aufgaben als Armeeseelsorger. Danach kann ich selbstständig einteilen, wie oft ich die Truppen besuche.» Wichtig ist dabei stets die Abstimmung mit dem Kommando: «Wir haben gemeinsam festgelegt, dass ich regelmässig komme, damit meine Präsenz wahrgenommen wird.»

Bis zu 20 Gespräche pro Tag

Alan Cereghetti

Der Alltag ist vielfältig. «Alle zwei bis drei Wochen verbringe ich einen Tag in Airolo. Ich gehe mit dem Kader hinaus aufs Feld, besuche die Züge und schaue, was sie so für Übungen machen.»

Dabei geht es vor allem um Begegnung; die Gespräche sind unterschiedlich: «Manchmal sind es zwei, drei Personen, die ein Gespräch wünschen, manchmal 15 bis 20. Die Gespräche können zwischen drei Minuten oder zwei Stunden variieren; halt je nach Bedürfnis.»

Ein Marsch im Schnee, der das Eis brach

Mit der Zeit wächst das Vertrauen. «Am Anfang geht es mehr um Organisatorisches, aber dann merkt man: Die Leute haben ein Bedürfnis zu reden.» Zunächst haben junge Rekruten manchmal drei Hemmschwellen zu überwinden; sprich die drei Balken, auf dem Abzeichen, welche einen Armee-Seelsorger automatisch als Hauptmann auszeichnen. «Mir war es von Anfang wichtig, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Ich war selbst einmal einfacher Gefreiter.» Der Rang des Gefreiten erhält ein verdienstvoller Soldat.

Eine besondere Erfahrung prägte die Rekruten besonders. «Einmal bin ich einen 10-Kilometer-Marsch im Tiefschnee mitgelaufen. Das war ziemlich anstrengend, aber genau dort sind tiefere Gespräche entstanden. Der Marsch hat das Eis gebrochen. Die Leute haben gemerkt: Ich bin nicht nur für schöne Worte da, sondern gehe den Weg gemeinsam mit ihnen, auch wenn er herausfordernd ist. Denn genau für solche Herausforderungen bin ich ja überhaupt Armeeseelsorger geworden.»

Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas.

Datum: 10.05.2026
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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