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Die Welt mit Osteraugen sehen

Ostern heisst: neu sehen, frisch sehen
Die Welt leidet. Schreckliche Schlagzeilen jagen sich. Vieles lastet auf uns. Es ist zum Abschalten, Abstumpfen, Davonlaufen. Ostern blendet das nicht aus. Im Gegenteil: Darin findet Ostern statt. Und Ostern setzt etwas anderes dagegen.

In den Dörfern des Piemont gibt es einen schönen Osterbrauch: Die Brunnen werden mit Blumen geschmückt. Am Ostermorgen waschen sich die Kinder mit dem Wasser die Augen. Sie tun es in der Hoffnung, die Welt mit Osteraugen sehen zu können. Nicht an der Wirklichkeit vorbei. Sondern mitten in ihr. Die Wunden bleiben sichtbar. Aber sie erzählen nicht die ganze Wahrheit.

Der Tod hat nicht das letzte Wort

In der Auferstehung Jesu Christi von den Toten hätten wir eine lebendige Hoffnung, lesen wir im ersten Petrusbrief Kapitel 3, Vers 15. Das ist mehr als Zuversicht auf bessere Zeiten. Diese Hoffnung lebt aus Gottes Treue. Sie vertraut darauf, dass in Jesus Christus nicht der Tod das letzte Wort hat, sondern das Leben. Das ist der Osterblick, die Perspektive trotz allem.

Wer hinsieht und wer aus dieser Hoffnung lebt, sieht das Dunkel und bleibt dennoch nicht darin gefangen. Wer daraus lebt, muss nicht zynisch werden, kann dem Leben dienen, auch wenn vieles offen bleibt. In einem tröstenden Wort. In einem Besuch. In einer helfenden Hand. In einer Gemeinde, die zusammenkommt und sich an Gottes Verheissung erinnert.

Gott sei Dank, haben wir Osteraugen: Augen, die das Kaputte sehen und dennoch mit Gottes Zukunft rechnen. Hinter dem Jetzt das grosse Versprechen erkennen. Augen, die nicht nur auf das starren, was zerbricht, sondern auch auf das, was neu werden kann.

Frische Augen sehen klar

Die Zürcher Altstadt-Kirchen schmücken in diesem Jahr die Brunnen wieder mit Rosen. Vielleicht schöpfen alle Zürich-Reisenden auch hier eine handvoll des kühlen Nass und waschen sich die Augen mit dem Wasser aus den österlich geschmückten Brunnen.

Denn: Frische Augen sehen klar: Das Leben ist stärker. Nicht weil wir stark sind. Sondern weil Gott treu ist und neues Leben schafft. Das ist die Hoffnung, von der wir leben. Und von der wir erzählen können. Denn anders wird es dieses Jahr nicht Ostern werden.

Zur Autorin: Rita Famos ist Präsidentin der Schweizer Reformierten Kirche und der GEKE.

Datum: 02.04.2026
Autor: Rita Famos
Quelle: EKS-Newsletter

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