Elternboom dank Babyliedern in der Kirche
Babysalmesang ist ein populäres Kirchenangebot in ganz Dänemark. Es nutzt Musik, Gesang und sanfte Bewegungen, um die Sinne von Babys zu stimulieren und die Bindung zu den Eltern zu stärken. Es findet oft in lokalen Kirchen statt, verbindet klassische Psalmen mit Kinderspielen.
«Aber Babys können doch nicht singen», lachten die Leute als 2002 Helene Dam, Pfarrerin der evangelisch-lutherischen «Folkekirken» («Nationalkirche»), und eine Professorin vorschlugen, Eltern und ihre Babys zum Psalmen-Singen in die Kirche einzuladen. Damals war es völlig ungewöhnlich, mit dem Baby im Kirchenraum zu singen und zu tanzen – und auf der Kirchenbank die Windel zu wechseln oder zu stillen. Der damalige Bischof Erik Norman Svendsen war ebenfalls erstaunt, als er von der Idee hörte. Seitdem hat sich Babysalmesang im ganzen Land verbreitet und gilt heute als grösster Erfolg der Landeskirche in jüngerer Zeit – einfach, weil das Angebot junge Eltern in Scharen anzieht, die normalerweise nicht in die Kirche gehen.
Kirche ungezwungen erleben
Musik weckt Emotionen und fördert die sensomotorische Entwicklung eines Kindes. Babysalmesang ist ein musikalisches und rhythmisches Angebot für die kleinsten Kinder und ihre Eltern. Singen und Musik fördern die Entwicklung des Kindes, während man gleichzeitig den Kirchenraum auf eine ungezwungene Art erleben kann. Mitmachen kann jede und jeder – es braucht weder grosses Gesangstalent noch Kirchenkenntnisse. Babysalmesang bedeutet, für die Babys zu singen und dadurch ihre Sinneseindrücke durch Licht und Klang, Gesang und Musik zu stimulieren, erklärt die Kirchen- und Kulturmitarbeiterin Inger Gregersen, die auch Organistin ist. Danach gibt es ein gemütliches Beisammensein bei einem Stück Brot im Gemeindehaus, schreibt die Lokalzeitung Indblik.dk.
Entgegen dem Babytrend
Während die Geburtenzahlen zurückgehen, erleben Kirchen in Dänemark das Gegenteil: Die Løgstør Kirche verzeichnet zum Beispiel den grössten Babysalmesang seit 15 Jahren: Es gab 18 angemeldete Babys. Bei der Premiere gab es zwar sieben Absagen, aber es gab vorher noch nie mehr als 13 bis 14 angemeldete Babys. «Es ist einfach super, dass so viele Babys in die Kirche kommen», freut sich Inger Gregersen, die auch Organistin ist. Unter den anwesenden Müttern war eine, die mit ihrem dritten Kind kam. Das freut Inger Gregersen besonders, dass es Wiederholungen gibt. Marie Ottar Jespersen, die Leiterin des Babysalmesangs in der Lynge Kirche, sagt gegenüber dem Lokalfernsehen TV2OST: «Ich finde das fantastisch. Wir können so Gemeinschaft schaffen. Das ist es, was wir hier in der Kirche können: dass Leute sich über verschiedene Wege begegnen». Besondere Freude hat sie über die kürzlich geschaffene Vatergruppe in der Lynge Kirche. Nach einer offenen Einladung in einer lokalen Facebook-Gruppe wuchs die kleine Vatergruppe innerhalb von nur fünf Tagen von drei auf 13 Mitglieder.
So läuft es ab
Es ist einzigartig, Mutter oder Vater singen zu hören. Das Kind spürt das und es vibriert im Körper. Die Nähe macht den Unterschied. Der Kirchenraum trägt mit seiner Atmosphäre dazu bei. Eine Babysalmesang-Gruppe trifft sich in der Regel einmal pro Woche. Dort werden Psalmen gesungen und mit den Kindern Liedspiele gespielt. Auch werden Seifenblasen geblasen, es wird getanzt und man spielt Instrumente, damit die Kinder den Kirchenraum und den Psalmen-Schatz mit allen Sinnen erleben können. Ab und zu nimmt auch die Pfarrperson teil, um den Erwachsenen Gedanken mitzugeben und für ein informelles Gespräch im Anschluss zur Verfügung zu stehen.
Stärker mit der Kirche verbunden
Früher sagte man in Dänemark, Mütter hätten aufgehört, ihre Kinder mit in die Kirche zu nehmen. Heute nehmen Eltern ihre Kinder mehr denn je mit. Das bedeutet aber nicht, dass sie sonntags zum Gottesdienst kommen. «Mit Babysalmesang hat die Kirche einen Raum geöffnet und bietet ein sinnvolles Erlebnis, das den kulturell-christlichen Zugang verstärkt», sagt Marie Vejrup Nielsen, Dozentin für Religionswissenschaft an der Universität Aarhus. Sie leitete ein Forschungsprojekt, das zeigt, dass «sowohl Mutter als auch Kind sich danach stärker mit der Kirche und besonders mit dem Raum verbunden fühlen, weil sie gute Erfahrungen beim Babysalmesang gemacht haben».
Dieser Beitrag erschien zuerst in der Dienstagsmail Nr. 923.
Datum: 29.04.2026
Autor:
Markus Baumgartner
Quelle:
Dienstagsmail