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Mehr Interesse am Glauben in Finnland – warum eigentlich?

Der Kirchenbesuch junger Männer in Finnland nimmt zu (Symbolbild)
Die Meldung, dass junge Männer in Finnland deutlich mehr Interesse an Glaube und Kirche haben, ging durch die Medien. Nun hat eine neue Studie nachgehakt: Woher kommt das? Was sind Gründe und Motive?

Zur Erinnerung: Im Januar 2024 wurde auf einer lutherischen theologischen Konferenz in Finnland berichtet, dass sich der Gottesdienstbesuch junger Männer seit 2011 mehr als verdoppelt habe (Livenet berichtete). Im Februar 2025 legte die Universität Ostfinnland nach: Das Bekenntnis von jungen Männern zum christlichen Glauben habe sich in den letzten Jahren verstärkt und der Glaube an Gott sei «unter Jungen deutlich häufiger anzutreffen als unter Mädchen».

Das bedeutet eine Umkehrung der bisherigen Annahmen, nach denen Glaube mehr für Frauen und für ältere Menschen wichtig sei – und dass er bei jungen Menschen ständig abnehme. 

Die Frage nach dem Warum

Nun ist man den Gründen für diese Entwicklung nachgegangen. Die Theologinnen Kati Tervo-Niemelä und Pietari Hannikainen untersuchten, warum junge Männer in Finnland offenbar ein grösseres Interesse am christlichen Glauben zeigen. Für die Studie wurden Gespräche mit 30 jungen Männern ausgewertet; die Erkenntnisse wurden im «Journal for the Scientific Study of Religion» veröffentlicht. Als qualitative Untersuchung will sie bewusst nicht statistisch umfassend verstanden werden.

Mehr als nur «Konservativ»

Ihre wichtigste Erkenntnis: Die Gründe sind «komplex und bestimmt von mehreren, einander überschneidenden Motiven». Man mache es sich zu leicht, einfach nur eine «Rückkehr zum Konservativen» anzunehmen. Statt den christlichen Glauben nur als politisches oder ideologisches Statement zu sehen, verstünden junge Männer ihn als «stabilisierende Kraft in einer fragmentierten Kultur»: Der Glaube wird als «moralischer Anker» und als «gegenkulturelle Antwort auf raschen Wandel, Instabilität und eine umfassendere Sinnkrise» erlebt. Das Christentum werde von vielen jungen Männern nicht einfach als eine Reihe von Lehren angenommen, sondern als das, was die Autoren in einer Zeit der Unsicherheit als «ganzheitliches Rahmenkonzept für Identität, Sinn und Wachstum» bezeichnen.

Rituale und Theologie gefragt

Der Kirchenbesuch junger Männer in Finnland nimmt zu. Die Studie dazu: «Rituale und theologische Tiefe verleihen dem Glauben sowohl intellektuelle Ernsthaftigkeit als auch greifbare Präsenz und machen ihn so zu mehr als nur einer abstrakten Weltanschauung.» Kirchen bieten jungen Männern offenbar neben persönlicher Unterstützung und Gemeinschaft auch ein «starkes Gefühl, dazuzugehören».

Im persönlichen Bereich ist Glaube offenbar oft in Krisen entstanden: Viele junge Männer hinterfragen sich selbst und suchen eine gesundere Identität, speziell in Debatten um Männlichkeit und Genderrollen.

Digitale Kultur

Neben persönlichen Kontakten, Kirchen und Familie spielen religiöse Online-Inhalte wie Podcasts, Videos und christliche Influencer eine wichtige Rolle im geistlichen Neu-Erwachen. Die digitalen Inhalte bestätigen für junge Männer nicht nur bestehende Meinungen, sondern dienen in vielen Fällen dazu, überhaupt ein Interesse und einen Einstieg in den Glauben zu finden.

Schlussfolgerung der Autoren: «Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Anziehungskraft des Christentums auf junge Männer vielschichtig ist: Es bietet Gemeinschaft und Geborgenheit, Stabilität durch Tradition und Hoffnung in Zeiten persönlicher und globaler Krisen und vermittelt zugleich eine gegenkulturelle Identität sowie ein verantwortungsbewusstes Modell von Männlichkeit.»

Zum Autor: Reinhold Scharnowski ist Pfarrer, Netzwerker und Redaktor. 21 Jahre war er Pfarrer der FEGs in Thun und Steffisburg, dazu Leiter von DAWN Europo und drei Jahre Missionar in Bolivien. Heute im «Unruhestand», seit 2012 aktiv als Redaktor bei Livenet.

Datum: 16.04.2026
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / Christian Today

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