Lisa Ross: Trauer um ermordete Helferin
Ein 26-jähriger Boxer aus Afghanistan wird beschuldigt, Elisabeth Ross (38) aus Schottland getötet, in einen Koffer gelegt und diesen anschliessend versteckt zu haben. Ross hatte in Griechenland für eine Hilfsorganisation gearbeitet. Sie war laut «Spiegel» die Tochter eines prominenten schottischen Anwalts.
Inzwischen wurde der Verdächtige namens Sharif Ahmadzai festgenommen und am Donnerstag wegen vorsätzlicher Tötung, Raubes und Verstössen gegen das Waffenrecht in Untersuchungshaft genommen. Den Vorwurf der vorsätzlichen Tötung bestreitet er laut «CNN». Der Verdächtige, ein ausgebildeter Boxer, ist seit 2023 mit einer US-Amerikanerin verheiratet, das Paar hat ein gemeinsames Kind.
George Kalliakmanis, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft für Südost-Attika, sagte: «In seiner ersten Aussage bestreitet er, die Frau getötet zu haben. Er sagte, er habe sie tot im Badezimmer gefunden. Anschliessend sei er in Panik geraten und habe beschlossen, die Leiche wegzuschaffen. Es bleiben jedoch Fragen dazu, wie er in die Wohnung der Frau gelangt ist. Und ob sie ihm die Tür geöffnet hat oder ob er einen Schlüssel hatte», sagte Kalliakmanis. Ausserdem habe Sharif Ahmadzai zugegeben, die Bankkarte von Ross benutzt zu haben, um etwa 10’000 Euro abzuheben.
«Ein Engel voller Unschuld und Güte»
Von ihren Freunden wurde Elisabeth Ross als ein «Engel voller Unschuld und Güte» beschrieben, berichtet die britische Zeitung «The Guardian». Sie war bereits fast drei Wochen in Griechenland, als sie starb.
Ihr Familie erinnert sich laut «Christian Today» an eine «freundliche, prinzipientreue und selbstlose Frau». In einer Erklärung sagte ihre Familie: «Ihre Integrität war unerschütterlich, und sie widmete ihr Leben der Hilfe für Menschen in Not. Wir sind zutiefst schmerzvoll getroffen und bitten um Zeit und Privatsphäre, während wir versuchen, mit unserem Verlust zurechtzukommen.»
Und weiter: «Lisa wird immer für ihre unermüdliche Leidenschaft in Erinnerung bleiben, Menschen zu helfen, denen es schlechter ging als ihr selbst. Diese Leidenschaft und ihr tiefes Gefühl der Berufung führten sie manchmal an schwierige Orte. Lisa war entschlossen, diese Welt nicht so zu verlassen, wie sie sie vorgefunden hatte, ohne etwas zu verändern.»
Standortdaten belasten den Verdächtigen
Ahmadzai wird beschuldigt, Ross getötet und anschliessend eine Reihe von Nachrichten von ihrem Handy an ihre Freunde und Familienangehörigen geschickt zu haben, bevor er das Gerät ausschaltete, berichtet «BBC». Nachdem die Leiche gefunden worden war, ging die Ehefrau des Verdächtigen gemäss «CNN» zur Polizei und meldete, dass eine von dem Ehepaar verwendete App zur Standortfreigabe angezeigt habe, dass sich ihr Mann in der Nacht des 15. Juli in der Wohnung befand, in der Ross starb, sagte Kalliakmanis.
Das Ehepaar hatte 2023 eine NGO zur Unterstützung von Flüchtlingen gegründet. Die Behörden untersuchen, ob der Verdächtige Ross durch ihre gemeinsame Arbeit zur Unterstützung von Flüchtlingen in Griechenland kannte. Ahmadzai bleibt bis zu seinem Prozess in Untersuchungshaft. Bis zum Beginn des Prozesses könnten bis zu 18 Monate vergehen.
Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas. Er ist verheiratet mit Guilene und Vater von drei Kindern.