Sozial wirksam

Pfimi begleitet Menschen aus der Schuldenfalle

Ein Einblick in die Pfimi Burgdorf/Grünenmatt
Ungeöffnete Mahnungen, Schulden oder ein knappes Budget: In der Budgetberatung der Pfimi Burgdorf/Grünenmatt erhalten Ratsuchende praktische Unterstützung. Ziel ist es, gemeinsam Lösungen zu finden und finanzielle Stabilität zu fördern.

Bernhard Ingold, wie ist die Idee entstanden, in der Pfimi Burgdorf/Grünenmatt eine Budgetberatung anzubieten?
Bernhard Ingold:
In der Begleitung von Menschen in allen Altersgruppen wurden wir immer wieder konfrontiert mit Sorgen rund um Geld und auch Verschuldung. Oft fühlten sich die Personen hilflos und baten um Hilfe.

Welche Menschen nehmen dieses Angebot typischerweise in Anspruch und mit welchen Anliegen kommen sie?
Das «typischerweise» gibt es nach unserer Erfahrung eigentlich nicht. Da kommt der Jugi’ler, der sich mit einem zu teuren Handyabo und dem neu gekauften E-Bike in eine missliche finanzielle Situation gebracht hat. Da kommt aber auch die Seniorin, die nach dem Tod ihres Ehemannes nun mit viel weniger Geld auskommen muss als vorher. Oder da kommt der Familienvater, der trotz guter Anstellung an seinen Schulden und Betreibungen aus seinem früheren Leben leidet.

Bernhard Ingold

Welche Themen stehen am Anfang meist im Vordergrund: Ausgaben senken, Überblick gewinnen oder eher Zukunftsplanung?
Zuerst geht es sicher mal darum, den Überblick zu gewinnen und die Ausgaben und Einnahmen in einem einfachen Budget zu erfassen und anzusehen. Nun müssen wir entscheiden, ob wir als Gemeinde die Begleitung machen. Bei Verschuldungen von über zwei Monatslöhnen oder drohenden Betreibungen oder gar Pfändungen, vermitteln wir die Ratsuchenden an eine professionelle Schuldenberatungsstelle.

Gibt es Momente oder Rückmeldungen aus Beratungen, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Ein Erlebnis war das Erstgespräch mit einer Person, die mir zwei grossen Migros-Taschen in die Hand drückte. Darin waren unzählige ungeöffnete Kuverts mit Rechnungen und Mahnungen. Diese Person hat mich vier Jahre später stürmisch umarmt und mir gesagt: «Bärnu, nun sind wir absolut schuldenfrei!» Oder eine Frau in mittlerem Alter dankte uns, dass sie seit unserer Hilfe und den Vermittlungen keine Bauchkrämpfe mehr habe, wenn der Postangestellte zu ihrem Briefkasten fährt. Sie hatte jeweils panische Angst, er bringe wieder eine Mahnung oder sonst einen «bösen Brief».

Welche kleinen Veränderungen können im Alltag oft überraschend viel bewirken?
Es ist einfach und doch schwierig – die Grundregel –, dass ich nur ausgeben kann, was ich auch verdiene oder einnehme. Es ist der geschlossene Kreis – das heisst die Ausgaben müssen abgestimmt sein auf die Einnahmen. Auf der Einnahmeseite etwas zu verändern, ist nicht einfach, etwa durch bessere Anstellung oder Weiterbildung. Auf der Ausgabenseite schauen wir die Versicherungen an und die Wohnkosten und müssen manchmal auch über Hobbies oder sogar das Auto reden. Wir orientieren uns an den Budgetvorschlägen von budgetberatung.ch, der «Budgetberatung Schweiz».

Das Gemeindegebäude der Pfimi Burgdorf/Grünenmatt

Gibt es neben der Budgetberatung weitere soziale oder karitative Angebote von der Pfimi Burgdorf/Grünenmatt?
Wir versuchen den Menschen auch zu dienen mit Seelsorge, Mahlzeitendienst und Besuchsdienst. In einzelnen Fällen engagieren wir uns auch in diakonischen Einsätzen wie Gartenarbeit, Reinigungen, Fahrdienste, Familienunterstützung in Krankheitszeiten. Mit der Ermutigung an alle Gemeindeglieder «mir häufe üsne Nächschte» versuchen wir, zu einem achtsamen Leben im Alltag beizutragen. Das sind unzählige Stunden von Männern und Frauen, die ihren Nachbarn helfen und Menschen unterstützen in ihrem Wohnblock oder Quartier.

Können Sie auch die Pfimi Burgdorf/Grünenmatt kurz vorstellen, was muss man generell über die Gemeinde wissen?
Die Pfimi Burgdorf/Grünenmatt lebt und dient an zwei Standorten. Wir sind junge und alte Menschen, sind verheiratet, alleinerziehend oder Single und kommen aus verschiedenen sozialen Schichten, Berufen und Orten. Toll ist, dass viele junge Familien zu uns gehören und auch unsere Gemeinde ist eine grosse Familie. Wir gehören zusammen, weil Gott uns liebt. Gemeinsam leben wir den Glauben an Jesus Christus, der auf diese Welt gekommen ist, um allen Menschen die Erlösung und konkrete Lebenshilfe zu bringen. Unser Ziel ist, Gott und den Menschen zu dienen. Wir sind eine pfingstlich charismatische Freikirche, eingebunden in die «Schweizerische Pfingstmission» (SPM).

Welche Anlässe sind in der nächsten Zeit ausserdem prägend für die Gemeinden?
Ein ganz besonderer Höhepunkt im Jahr ist die Kinderwoche auf der Schützematte in Burgdorf vom 6. bis 10. Juli 2026. Seit 1994 findet die Kinderwoche in Burgdorf statt. Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren erleben eine spannende, unvergessliche und actionreichen Woche mit ihren Freunden. Und dann gibt es die erste Kinderwoche in Grünenmatt vom 13. bis 17. Juli 2026 zum Thema «Abenteuer im Grünenland». Gemeinsam verbringen wir eine Woche mit verschiedenen Workshops, Geschichten und Musik. Wir werden bestimmt viele Abenteuer erleben und zusammen eine Woche voller Spass verbringen.

Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas. Er ist verheiratet mit Guilene und Vater von drei Kindern.

Datum: 16.06.2026
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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