Aktuelles

Jedes fünfte Kind von Armut bedroht

Kürzungen in der Sozialhilfen betreffen viele Kinder in Österreich
In Österreich sorgen geplante Kürzungen bei Sozialhilfe und Familienleistungen für Kritik. Die Heilsarmee warnt, dass besonders armutsgefährdete Kinder betroffen wären. Rund 344’000 Kinder gelten als gefährdet, etwa 22 Prozent.

In Österreich stehen Kürzungen in der Sozialhilfe und bei den Familienleistungen im Raum, bedauert die Heilsarmee Österreich. Diese würden jene am härtesten treffen, die bereits jetzt am wenigsten haben: «Für armuts- oder ausgrenzungsgefährdete Kinder werden die Einschnitte besonders hart sein. 344’000 Kinder und Jugendliche sind es in Österreich.»

Laut dem Bundeskanzleramt lebten im Jahr 2023 insgesamt 1'577’703 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Österreich; rund ein Sechstel der Gesellschaft; wobei die Anzahl der unter 18-Jährigen ist in den letzten Jahrzehnten insgesamt zurückgegangen ist. Betroffen sind demnach rund 22 Prozent der Kinder und Jugendlichen.

«Existenzbedrohend»

Für Familien, die Sozialhilfe erhalten, sind Streichungen existenzbedrohend, betont die Heilsarmee. «Denn das ohnehin knappe Haushaltsbudget muss umgehend wieder für das Nötigste, also Wohnen, Energie und Lebensmittel, ausgegeben werden. Dabei macht die Sozialhilfe in Österreich ohnehin weniger als 0,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus.» Auf diese Weise würde sich der Haushalt von Bund und Ländern somit nicht sanieren lassen.

Zu denjenigen, die bereits im Februar mit einem Aufruf Alarm geschlagen haben, gehören unter anderem Amnesty International, die Caritas, die Katholische Sozialakademie Österreichs (ksoe) und die Katholische Jungschar, berichtet «ORF»: «Die Folgekosten von Kinderarmut beliefen sich laut OECD schon jetzt auf rund 18 Milliarden Euro jährlich.»

Mehr als ein Drittel der Empfänger sind Kinder

37 Prozent – also mehr als ein Drittel – der Menschen, die Sozialhilfe empfangen, sind Kinder. «Nimmt die Politik diesen Kindern nun noch mehr weg, sind die negativen Konsequenzen abzusehen», bedauert die Heilsarmee.

In ihrem Aufruf sind sich Organisationen und Interessensvertretungen einig: «Wer bei Sozialleistungen für Kinder kürzt, löst damit nicht nur Stress, Belastungen und Leid bei den Betroffenen aus, sondern führt auch zu höheren Folgekosten für die Republik, etwa durch höhere Gesundheitsausgaben, geringere Steuereinnahmen oder Arbeitslosigkeit.» Gefordert wurde daher eine finanzielle Absicherung für Kinder und Jugendliche, die armutsfest ist, sowie ein Ausbau kindbezogener Sozialleistungen. «Denn nur so können wir davon sprechen, dass wir die Kinderrechte in Österreich tatsächlich einhalten.»

Hohe Werte auch in Deutschland und der Schweiz

Die Heilsarmee ihrerseits hilft armutsbetroffenen Menschen und Familien mit bedarfsorientierten Angeboten und Beratung, begleitet beim Wohnen, wenn Unterstützung benötigt wird.

Auch in Deutschland setzt sich die Heilsarmee für Kinder und Jugendliche ein, namentlich auch für Alleinerziehende. Laut der «Süddeutschen Zeitung» sind in Deutschland 2,2 Millionen Kinder und Jugendliche armutsgefährdet; das sind 15,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen. In der Schweiz ist laut «Caritas» rund jedes fünfte Kind betroffen.

Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas.

Datum: 19.05.2026
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

Publireportage
Werbung
Livenet Service
Werbung