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Ein grosser Grüner geht mit Gott

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Mitte) im Gespräch mit Gästen
Winfried Kretschmann, der Gerade-noch-Ministerpräsident von Baden-Württemberg, wurde am 29. April mit einem Festakt in den Ruhestand verabschiedet. Dabei betonte er noch einmal, wie stark ihn der Glaube halte.

Am 13. Mai 2026 wird Winfried Kretschmann (77) nach 46 Jahren in der Politik zum Privatmenschen werden. 15 Jahre lang leitete er die Geschicke von Baden-Württemberg als Grüner Ministerpräsident. Dabei schaffte er es, in jeder Partei anzuecken – und gleichzeitig Respekt bei Wählern aus allen Lagern zu bekommen. Lucia Schmidt und Rüdiger Soldt interviewten ihn für die FAZ, um einen Rück- und vor allem einen Ausblick von ihm zu bekommen. «Was folgt danach?», fragten sie ihn.

Rückzug ins Private – jedenfalls fast

Zunächst hatte Kretschmann noch darüber nachgedacht, Philosophie oder Theologie zu studieren, doch nun fehle ihm die Motivation, erklärte der bekennende Katholik: «Meine Sommer sind gezählt, und ich muss mich jetzt, mal pathetisch gesagt, ja eher auf den Tod vorbereiten.» Doch bis dahin wolle er sich als «Bürger Kretschmann» mehr oder weniger ins Privatleben zurückziehen. Seine Frau wolle reisen, erklärte er, aber er selbst wäre froh, zu Hause bleiben zu können. In die Tagespolitik werde er sich nicht mehr einmischen, hielt er fest, doch ohne sich den Terminkalender mit aller Gewalt zu füllen, könne er sich ein Engagement in Demokratie-Projekten gut vorstellen.

Einmal Lehrer, immer Lehrer

Zu diesen Plänen brachte ihn seine Profession beziehungsweise Begabung: «Meine politische Laufbahn und mein Lehrerberuf haben mir die Fähigkeit gegeben, schwierige Dinge so zu übersetzen, dass auch Leute sie verstehen, die sich damit nicht professionell beschäftigt haben.» Das will Kretschmann gern auch in Zukunft tun und mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch kommen. Mehr noch: Er will Vorbild sein, denn seine Ansicht zur Bildungsmisere erklärte er auch damit, dass Deutschlehrer nicht mehr ins Theater gingen, Gemeinschaftskundelehrer nicht in Parteien und Religionslehrer nicht in die Kirche. «Es muss wieder Lebendigkeit in den Schulalltag, ein Blick in die Praxis und das Leben.» All diese Pläne nehmen dem zukünftigen Pensionär die Angst, demnächst in ein grosses Loch zu fallen.

Befreiender Glaube an Gott

Rede von Ministerpräsident Winfried Kretschmann

Gefragt, wie er bisher seinen Glauben erlebte, antwortete Kretschmann: «Erst einmal macht mich der Glaube frei. Er befreit mich von tiefen Ängsten, auch vor Versagensängsten.» Seine gesamte Amtszeit über erlebte er, dass Gott ihn in problematischen Phasen und bei schwierigen Entscheidungen trug. Scheitern war immer eine realistische Option, doch «wenn man politisch scheitert, scheitert man noch lange nicht als Mensch». Mit zunehmendem Alter wurde ihm auch eine Haltung der Dankbarkeit wichtig, genauso wie ein Glaube, der sinnstiftend sein müsse. Noch einmal auf das Thema Sterben angesprochen, stellte er klar: «Als Christ habe ich keine Angst vor dem Tod. Wer an Gott glaubt und an die Hoffnung der Auferstehung, der kann dem Tod ins Gesicht schauen, ohne wegzugucken.»

Zum Autor: Hauke Burgarth (*1964) ist gebürtiger Hamburger und lebt in Pohlheim bei Giessen. Hauke arbeitet freiberuflich als Lektor, Autor und Journalist. Daneben engagiert er sich in Teilzeit, aber mit ganzem Herzen, als Pastor der Christusgemeinde in Lich.

Datum: 04.05.2026
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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