Verantwortung, Vergebung und gegenseitiger Respekt
Im Livenet-Talk sitzen sich Chefredaktor Florian Wüthrich und Marcel Mettler gegenüber. Der Präsident der Stiftung «Empowering Lives» und Geschäftsführer der CISA setzt dabei einen bewussten Kontrapunkt zur aufgeheizten Stimmung in der sogenannten «Fischer-Affäre» rund um den Eishockeytrainer Patrick Fischer. Aber in erster Linie reden die beiden über Respekt, Hoffnung und den positiven Blick hinter die Kulissen, der mit dem aktuellen Magazin «Hope meets Hockey» möglich ist.
Was Menschen trägt
Im Zentrum des Gesprächs steht «Hope meets Hockey», ein Medienprojekt, mit dem die beiden bewusst einen Gegenpol zu negativen Schlagzeilen setzen wollen. So enthält das Magazin Geschichten aus dem Eishockey-Umfeld, die Hoffnung und Sinn vermitteln möchten. Sie zeigen auch persönliche Stärke, die oft erst auf den zweiten Blick sichtbar wird. Dabei geht es natürlich um Sport und Leistung – und die Sportbegeisterung merkt man den Interviewpartnern sichtlich an –, aber auch um das, was Menschen innerlich trägt.
Marcel Mettler kritisiert an der «Fischer-Affäre» die Kultur der Schuldzuweisung und öffentlichen Verurteilung. Hier geht es scheinbar nur darum, Fehler zu skandalisieren und dabei in Kauf zu nehmen, dass Menschen dauerhaft beschädigt werden. Erschwerend kommt hinzu, dass unaufgearbeitete Ängste und Wut aus der Covid-Pandemiezeit sich summieren. In diesem Prozess bleiben seiner Meinung nach am Ende nur Verlierer übrig, weil sowohl Betroffene als auch Medien in eine Eskalationsspirale geraten seien. Marcel Mettler plädiert deshalb für einen konstruktiven Umgang mit Fehlern. Fehler müssen erkannt und benannt werden, aber es muss auch Raum für Vergebung und zweite Chancen geben.
Fehler gehören zum Menschsein
Das Prinzip, Fehler weniger zu vermeiden als damit korrekt umzugehen, sieht Marcel Mettler in vielen Bereichen. Das beginnt im Training beim Sport, wo man nach einem Fehler nicht auf die Ersatzbank gesetzt werden sollte, und es reicht bis zu christlichen Werten, nach denen Vergebung sich selbst und anderen gegenüber ein befreiender Prozess ist, der Weiterentwicklung erst ermöglicht. Problematisch sind für ihn nicht so sehr die Fehler selbst als die Art und Weise, wie man darauf reagiert. In diesem Spannungsfeld stehen auch die Berichte in «Hope meets Hockey», in denen Sportlerinnen und Sportler wie Roman Josi, Sinja Leemann und Janis Moser erzählen, was ihre Wendepunkte im Leben oder auch Kraftquellen sind. Sie zeigen, was ihnen Halt gibt und lassen damit die Menschen hinter den Sportlern sichtbar werden.
Vergebung statt Vergötterung
Florian Wüthrich und sein Gesprächspartner identifizieren eine besondere Empörungskultur, aber auch den Trend zu immer mehr Regulierung als problematisch. Kontrollversuche durch Regeln oder Technik wie KI greifen zu kurz. Dadurch verlieren Menschen ihrer Meinung nach Handlungsspielräume, statt sich eigenverantwortlich zu entscheiden und den gesunden Menschenverstand einzusetzen. Ein weiterer kritischer Punkt liegt für sie in der Tendenz, Menschen zu überhöhen. Je stärker Prominente idealisiert würden, desto härter sei hinterher die Kritik an ihnen. Marcel Mettler warnt davor, Menschen weder zu «Halbgöttern» zu erheben noch sie zu schnell zu verurteilen. Sein Gegenentwurf ist eine Haltung, die auf Verantwortung, Vergebung und gegenseitigem Respekt basiert. Zentral dafür ist die Fähigkeit, eigene Fehler einzugestehen, daraus zu lernen und sich selbst, aber auch anderen danach eine zweite Chance zu geben. Diese Perspektive gilt für mehr als den Sportbetrieb: Sie kann Grundlage der persönlichen Freiheit und des gesellschaftlichen Zusammenhalts sein.
In diesem Sinne verbindet das Interview sportliche Einblicke mit dem Hinweis auf ein lesenswertes Magazin zur Eishockey-WM und grundsätzlichen Fragen nach Werteorientierung, einem tragfähigen Menschenbild und dem gesellschaftlichen Umgang miteinander. Es kann in einer zunehmend polarisierten Öffentlichkeit genau hierzu einladen, denn Marcel Mettler zeigt, dass wahre Stärke aus innerer Sicherheit entsteht, wie sie zum Beispiel durch den Glauben wächst und nicht nur aus Leistung.
Zum Talk:
Hier findest du einen Einblick in die Hockey-Ausgabe:
Datum: 01.05.2026
Autor:
Hauke Burgarth
Quelle:
Livenet