Dein Reich komme: Apostolisch-prophetische Impulse
Unter diesem gewichtigen Titel fand vom 17.-19. April in der Aula Heimberg eine Konferenz statt. In Gesprächen fällt mir immer wieder auf, wie bereits der Begriff «apostolisch» zu roten Köpfen führen kann. Schwierige Erfahrungen mit selbsternannten Aposteln und Propheten oder auch Sonderlehren von schillernd auftretenden Figuren spielen dabei oft eine zentrale Rolle.
Sola Scriptura – allein die Schrift – ein Leitspruch der Reformatoren. Im theologischen Wirrwarr der heutigen Zeit drängt sich eine Rückbesinnung auf das biblische Wort buchstäblich auf. Bei der Bibellese wird uns auffallen, wie zentrale Begriffe (z.B. Gnade, Liebe, Toleranz, Versöhnung, Gemeinde, Leiterschaft u.a.), welche unseren Glauben, unser Verständnis von Nachfolge prägen, oft weit mehr vom Zeitgeist als durch biblische Substanz gefüllt sind. Zudem stelle ich mit Schrecken fest, dass Aussagen von Predigern und Lehrmeinungen aus Büchern von vielen Christen einfach übernommen werden, ohne diese im Lichte der Bibel auch nur ansatzweise zu prüfen. Unmündigkeit, ein zunehmend kraftloses Evangelium und geistlicher Missbrauch sind Folgen davon.
Verändertes Denken
«Tut Busse, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen» (Matthäus 4,17). So beginnt Jesus sein Wirken bei Matthäus. Auch «Busse» gehört zu den Begriffen, welche es biblisch zu füllen gilt: Metanoeo steht im griechischen Urtext. Umdenken, über das Bisherige hinausdenken, etwas völlig neu betrachten, bisherige Vorstellungen über Bord werfen, so könnte man dies umschreiben. Jesus will uns damit klar machen, dass wir das Himmelreich oder das Königreich Gottes nie verstehen werden, wenn wir unser Denken nicht grundlegend ändern. Wobei mit Denken unsere inneren Gedankengebäude, Gedankenfestungen (gemäss 2. Korinther 10,5) mit eingeschlossen sind. Nicht vergessen dürfen wir, dass Jesus als Jude Denken nicht bloss im Kopf, sondern ganz besonders auch im Herzen verortet. Es geht um eine grundlegende Erneuerung des Herzens, des inwendigen Menschen!
Nach diesem Bussruf lesen wir dann in Matthäus 4,23: «Und Jesus ging in ganz Galiläa umher, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium vom Königreich und heilte alle Krankheiten und Gebrechen.» Er predigte das Evangelium vom Königreich. Nicht das Evangelium der Erlösung, Heilung, sondern vom Königreich. In den Evangelien lesen wir ca. 80-mal, dass Jesus das Evangelium vom Himmelreich oder Königreich Gottes verkündete. Spätestens bei «trachtet zuerst nach dem Königreich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit» (Matthäus 6,33) müssten wir hellwach werden: Es geht um eine höhere Perspektive, wir müssen den Blick von uns weg auf diesen einen König und sein Reich richten. Das Ziel des Kommens Jesu war nicht deine persönliche Erlösung (obwohl dies gewaltig ist!), sondern die Aufrichtung des Königreichs Gottes! Weshalb sonst sollen wir beten: «Dein Reich komme!»?
Wir leben in einer «Ich – Mich – Meiner – Mir»-Gesellschaft. Der Geist des Individualismus hat in den Gemeinden längst Einzug gehalten. Dies zeigt sich u.a. daran, dass die Frage, was bringt mir das? weit mehr zu hören ist als: Was ehrt Gott? (Soli deo Gloria – Gott allein die Ehre! Auch das ein Grundsatz der Reformation).
Treffen mit Auswirkungen
Mit diesen Gedanken will ich euch mitnehmen in einen längeren Prozess, in welchen Gott uns seit einigen Jahren hineinnimmt. «Uns» ist eine wachsende Schar von Verantwortungsträgern aus der Region, welche sich ca. alle sechs Wochen zum Gebet, zur gegenseitigen Stärkung und zum Austausch trifft. «Was bewegt Gott in unserer Region, Nation, weltweit»? – Diese Frage leitet uns seit allen Anfängen. Wir wollen Gott am Werk sehen (das verstehen wir unter dem Begriff «Vision») und gemäss Epheser 2,10 das tun, was er uns in die Hände, resp. vor die Füsse legt. Etliches mit kleinerem und grösserem Ausfluss in die Region hat den Ursprung in dieser Runde. Da wir weitgehend «unter dem Radar» fliegen, wird dies kaum wahrgenommen, und das ist auch gut so. Dies hat mit unserem Selbstverständnis zu tun: Zahlen (wie gross ist deine Gemeinde?), Grösse und «Gewicht» eines Dienstes spielen keine Rolle, entscheidend ist, wen Gott ruft. So staunen wir, was in all den Jahren organisch gewachsen ist. Klärung, Schärfung, Ermutigung und auch Korrektur gehören zu den grossen Schätzen, welche ich persönlich aus diesen Meetings mitnehme.
Ganz in diesem Sinne ist die Konferenz in grosser Schlichtheit entstanden. Wir haben sie bewusst einfach beworben und aufgegleist und dann entwickelte sich so etwas Kraftvolles! Holger Petri setzte Freitagabend mit «selig sind, die da arm sind im Geist, denn ihnen gehört das Reich der Himmel» einen ganz starken Startpunkt. Mit diesem Vers aus Matthäus 5,3 beginnt Jesus die Verkündigung des Evangeliums vom Königreich Gottes. Als Menschen, die sich ihrer Ohnmacht, totalen Gottesabhängigkeit bewusst sind, werden wir erst fähig, das Himmelreich zu empfangen.
Sonntagmittag konnten wir nur staunen, wie alle Inputs und die vielen Gespräche, Begegnungen und Rückmeldungen Ausdruck eines eindrücklichen Flows waren. Menschen fragten, wie wir dies so vorbereiten konnten: «Sicher habt ihr alles intensiv abgesprochen» – so eine Aussage. Haben wir nicht! Die Konferenz wurde von ca.120 Leute besucht – nicht die grossse Schar. Die Zahl ist nicht entscheidend, sondern die Zusammensetzung. Es waren etliche Gemeindeleiter/-Teams dabei, Verantwortungsträger aus unterschiedlichen Gesellschaftsbereichen, teilweise breit vernetzt.
Eine Reich-Gottes-Bewegung
Getragen wurde die Konferenz durch die erwähnte Regioleiterrunde, vorbereitet in einem Kernteam aus dieser Runde. Wir wollten bewusst keine bekannte «Bühnenpersonen» einladen, sondern Menschen in den Prozess hineinnehmen, welchen wir mittlerweile als «Reich-Gottes-Bewegung» erleben: (Noch) klein, aber überaus kraftvoll und ermutigend.
In dem Sinn ging und geht es uns auch nicht primär um Konferenzen, sondern das gemeinsame Unterwegssein. Viele reden von neu entstehenden Netzwerken. Wir können uns mit diesem Begriff nur dünn anfreunden. Zu stark verbindet sich damit Organisatorisches und der Ansatz vom Teilen der Ressourcen. Wir merken aber, dass Gott weit tiefer gräbt: Er verbindet Herzen, heilt tiefe Wunden (auch gerade in Leiterherzen), verbindet, was noch vor kurzer Zeit zerstritten war, schenkt eine neue Schärfe im Geist.
In etlichen Gesprächen mit Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmern wurde mir bewusst, dass Gott offenbar dran ist, Menschen aus unterschiedlichen Hintergründen und Verantwortungsbereichen auf eine neue Weise zusammenzuführen. Was wir erleben, spriesst hier und dort aus dem Boden, zum Teil erst ansatzweise. Aber eines ist offensichtlich: Neues bricht auf, Gott führt Gemeinden, Werke, Denominationen, Verantwortungsträger aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen in einer Art und Weise zusammen, wie ich es bisher nur ansatzweise erlebt habe. Zudem begegnet mir eine zunehmende Offenheit in einer wachsenden Zahl von Gemeinden für eine tiefgreifende apostolisch-prophetische Bewegung.
Ich ermutige euch: Lasst euch hineinnehmen! Der anschliessende Input ist der oben erwähnte Konferenzeinstieg von Holger Petri. Wer gerne alle Impulse sehen, hören will, kann diese unter reichgottes.ch abrufen.
Zum Autor: Martin Kaltenrieder ist reformierter Pfarrer, Mitgründer des Gemeindenetzwerks «Neues Land Region Gantrisch», Ehemann und Familienvater.
Datum: 30.04.2026
Autor:
Martin Kaltenrieder
Quelle:
Livenet