Brückenbauen in Spiez: ein Sozialwerk verbindet
Viele Kirchen und Gemeinden engagieren sich auf sozialer Ebene. Im Interview mit Livenet geben Anna Fink, Präsidentin der Gemeindeleitung vom EGW Spiez, und Pastor Thomas Oesch einen Einblick in die umfangreiche Sozialarbeit der Gemeinde.
Welche Angebote bietet das Sozialwerk EGW Spiez?
Anna Fink: Wir bieten Angebote, die der Freizeitgestaltung, Begegnung und Gemeinschaft aller Generationen dienen. Das geht von BeachSports in der Spiezer Bucht für Teenies, Jugendliche und junge Erwachsene bis zum «zäme ab 55», wo sich die ältere Generation zum Wandern, Spielen oder gemütlichen Beisammensein trifft. Kreative finden in der Malwerkstatt ein Angebot und der Frühlingsverkauf bietet neben einer Auswahl an schönen Blumenbouquets einen Ort zum Verweilen bei Kaffee und Kuchen.
Die sozial-diakonische Arbeit beinhaltet zahlreiche Facetten, welche Rolle spielt soziale Arbeit im EGW Spiez?
Anna Fink: Wir haben für uns den Leitsatz «Bei uns erleben und leben Menschen Gottes Liebe» definiert. Daraus leiten wir ab, dass wir das uns von Gott Geschenkte dankbar empfangen und grosszügig weiter verschenken. Das leben wir innerhalb des EGWs, das möchten wir aber auch ausserhalb des EGWs leben, mitten im Alltag, dort wo wir uns privat und beruflich bewegen. Wir sind eine lokale Gemeinde, gut verankert und vernetzt in Spiez, hier möchten wir präsent sein, und dort wo es uns braucht, mit dem was wir anbieten können, zur Verfügung stehen. Soziale Anliegen bewegen uns, entsprechend beteiligen wir uns an Runden Tischen der Gemeinde Spiez zu Themenbereichen wie Alter, Familie und geflüchtete Menschen und wollen einen aktiven Part übernehmen.
Thomas Oesch: Wir suchen die Zusammenarbeit mit verschiedenen sozial tätigen Organisationen, unterstützen diese mit ehrenamtlichen Mitarbeitenden und stellen Räume zur Verfügung. In unseren Räumlichkeiten finden von Montag bis Freitag Deutschkurse statt und die wöchentliche Lebensmittelabgabe von Tischlein deck dich ist hier beheimatet.
Welche Erfahrungen macht ihr im Angebot «Deutsch für Fremdsprachige»?
Anna Fink: Einerseits bieten wir dem Verein «Gemeinsam Deutsch lernen» (GeDeLe) sehr preisgünstig unsere Räumlichkeiten an, mittlerweile wegen hoher Nachfrage an allen Wochentagen. Weiter gibt es mehrere Freiwillige aus dem EGW, die sich im GeDeLe als Deutschlehrerinnen engagieren. Daraus entstehen Kontakte und persönliche Beziehungen, die weiter über die Deutschkurse hinausgehen und eine Sensibilität für Menschen mit Fluchterfahrung oder Migrationshintergrund schaffen. Das bereichert die EGW-Gemeinschaft.
Welche Bedeutung haben Konversations- und Spielgruppen für Menschen aus dem Asyl- und Migrationsbereich?
Anna Fink: Freiwillige unterstützen mit dieser Arbeit den Verein Asyl Berner Oberland, der vom Kanton zuständig ist für die Unterbringung und Integration von geflüchteten Menschen. Die Konversations- und Spielgruppe gibt Menschen die Möglichkeit, die in Kursen erlernten Deutschkenntnisse spielerisch zu vertiefen. Wir schätzen es, können wir dieses wertvolle Angebot mit dem kostenlosen Zurverfügungstellen von Räumlichkeiten unterstützen.
Wie funktionieren die internationalen Projekte im Tschad und im Nahen Osten?
Thomas Oesch: Wir unterstützen interkulturelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in Afrika, im Nahen Osten und in Australien tätig sind. Ihre Aufgabenfelder reichen von Sprachforschung über die Ausbildung von Handwerkern bis hin zur Reparatur von Flugzeugen einer Missionsgesellschaft. Wir haben für alle eine Kontaktperson bestimmt und informieren monatlich in den Gottesdiensten über die interkulturellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir teilen ihre Anliegen und beten in verschiedenen Gebetskreisen dafür.
Ein weiterer Punkt des EGW Spiez ist der Verein «Rachma», was leistet dieser?
Anna Fink: Der sozial-diakonische Verein Rachma ist ein eigenständiger, gemeinnütziger Verein, der vom Sozialwerk EGW finanziell unterstützt wird und in dem sich viele Freiwillige aus dem EGW engagieren. Rachma hat zwei Arbeitszweige: spiez-solidar und SpiezConnect. Spiez-solidar setzt sich für Menschen in Nothilfe ein, das sind abgewiesene Asylsuchende, die oft in einer grossen Perspektivenlosigkeit leben müssen. Spiez-solidar leistet einen Beitrag, die Not dieser Menschen zu lindern. SpiezConnect schafft Begegnungen und gibt administrative Hilfe bei Behördenbriefen, Bewerbungen, Stellen- und Jobsuche und will damit die Selbständigkeit von sozial benachteiligten Menschen stärken und ihre soziale Integration, ihre Teilhabe an der Gesellschaft fördern. Wir sind sehr überzeugt von der Arbeit des Vereins Rachma und freuen uns, diese mit Finanzen und Freiwilligenarbeit unterstützen zu können.
Das EGW Spiez unterstützt auch den Verein «Verein Hilfe in finanziellen Dingen» (hifidi); was tut dieser?
Anna Fink: hifidi unterstützt und begleitet Menschen mit finanziellen Schwierigkeiten. Vor bald 30 Jahren als kirchliches Projekt gegründet, ist hifidi mittlerweile ein etablierter regionaler Sozialpartner, der seinen diakonischen Charakter beibehalten hat und Menschen professionell, schnell und unbürokratisch unterstützt. Das Sozialwerk unterstützt hifidi mit einem finanziellen Beitrag.
Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas.
Datum: 28.04.2026
Autor:
Daniel Gerber
Quelle:
Livenet