So machten Kirchen Schlagzeilen

Christliche Gruppen kämpften um Migros-Bons

So machen Kirchen Schlagzeilen
Diese Woche wurde die Migros-Aktion für Jugendlager abgeschlossen. Daran beteiligten sich auch Kirchen und christliche Organisationen. Und der GDI-Trendtag zeigt, wie man von Reizüberflutung zu Relevanz kommt.

Mit der Aktion «Support my Camp» verteilt die Migros dieses Jahr drei Millionen Franken an Vereine, die Ferienlager für Kinder und Jugendliche organisieren. Kundinnen und Kunden entscheiden per Vereinsbon, welche Organisationen wie viel erhalten. Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung führt die Rangliste mit 130’000 Bons an. Religiöse Organisationen dürfen teilnehmen, sofern ihre Lager für alle Kinder offen sind. Die Camps müssen für alle Kinder und Jugendlichen zugänglich sein, unabhängig von ihrer Religion, Herkunft oder ihren Überzeugungen. So mischen auch zwei christliche Gruppierungen unter den Top 10 mit.

Migros-Aktion «Support my Camp»

Die Migros sieht dabei kein Problem, berichtet der «Tages Anzeiger». Auf Platz Zwei liegt das Schweizertreffen 2026 (STR26) der evangelisch-methodistischen Kirche mit 112’000 Bons. Auch die christliche Jugendorganisation JAB Suisse Romande liegt in den Top 10. Man habe die Organisationen sorgfältig geprüft, erklärte die Migros. Ihre Teilnahme an der Migros-Aktion stehe «im Einklang mit den Werten der Offenheit und Inklusion». Hinzu kommen diverse Jungwacht- und Blauring-Gruppen der katholischen Kirche. Ein Verein mit 5000 Bons könne so gegen 900 Franken gewinnen, rechnet die Genossenschaft in einem fiktiven Beispiel vor. 

Von Reizüberflutung zu Relevanz

Digitale Ermüdung und durch die permanente Ablenkung führt zu Verlusten im Fokus der Jugendlichen

Spannende Parallelen für Kirchen können aus dem 22. Europäischen Trendtag des zur Migros gehörenden Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI) herausgelesen werden. Die Welt ist laut. Der ständige Lärm führt zu digitaler Ermüdung und durch die permanente Ablenkung kann der Blick aufs Wesentliche verloren gehen. Zugedröhnt von austauschbarer Werbung, irrelevanten Inhalten und Deep Fakes schalten viele ab. Wortwörtlich indem Social Media Accounts gelöscht oder Handys der alten Generation ohne Apps mit ständigen Benachrichtigungen gekauft werden. Das reale Leben gewinnt bei der digitalen Ablenkung an Bedeutung. 

Interessant auch der Vergleich mit der Kommunikationszwiebel. Im Kern liegt der komplizierte Zusammenhang, der nur dem Fachpublikum zugänglich ist. Auf der äussersten Schicht ist erscheint der Inhalt als Tanz- oder Tiktok-Video mit einer viel grösseren Reichweite. Es haben alle Schichten ihre Berechtigung, wobei die Zielrichtung das tiefere Eindringen sein sollte, erklärte Mai Thi Nguyen-Kim, promovierte Chemikerin und Wissenschaftsjournalistin. Wer bereit ist, komplexe Themen zu vereinfachen, weckt Interesse, um tränenfrei in tiefere Schichten einzutauchen.

Eine weitere Erkenntnis des Trendtages: Um klare Signale zu schaffen, müsse man nicht lauter werden, sondern wie ein Leuchtturm konsistent das immer gleiche Signal versenden. Das schaffe Identität. Nathalie Nahai, Autorin und Expertin zu KI und Kreativität, sagte: «Wir haben nur dieses eine kostbare Leben. Die Technologie, die wir nutzen, sollte dem dienen, was uns wirklich am Herzen liegt.»

100 Jahre Vereinigung evangelischer Freikirchen (VEF) in Deutschland

1926 wurde die VEF in Berlin gegründet – und ist damit der älteste ökumenische Zusammenschluss in Deutschland. Zum 100. Geburtstag laden die Freikirchen kommende Woche in die Hauptstadt ein. Zur VEF gehören 15 Mitgliedskirchen. Ihre Aufgabe ist es, «auf die Freikirchen aufmerksam zu machen», wie Präsident Marc Brenner erklärte. Darüber hinaus führt sie im Namen der Mitgliedskirchen regelmässige Gespräche mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und strebt dies auch mit der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz an. Auch die Kommunikation zwischen den Freikirchen spielt eine wichtige Rolle.

Doch nicht nur regelmässige Treffen der Kirchendelegierten untereinander und gemeinsame Arbeitsgemeinschaften zu Sachthemen wie Theologie, gesellschaftliche Verantwortung oder neuerdings Kinderschutz gehören zum Tätigkeitsfeld der VEF. Sie strebt auch Kontakte in die Politik und in die Medien an. Deshalb beschäftigt sie zwei Beauftragte, einmal im politischen Bereich mit dem FEG-Pastor Konstantin von Abendroth. Und einmal im Bereich des Rundfunks mit der Theologin und Referentin beim Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Jasmin Jäger. Sie führen Gespräche und bemühen sich um Kontakte etwa im Bundestag oder in Rundfunkanstalten. «Unser Ziel ist es, die Anliegen der Freikirchen gemeinsam nach aussen zu vertreten», sagte der VEF-Vizepräsident Jochen Geiselhart. «Wir glauben, dass wir im gesellschaftlichen Diskurs auch einen Akzent setzen können. Die Aufmerksamkeit der Politik in Bezug auf die Freikirchen ist gewachsen.» Echte Einheit beginne nicht bei Positionen, sondern bei jedem selbst. Echte Kraft, so ist er überzeugt, liege nicht in der Stärke einzelner Gemeinden, sondern in der Gemeinschaft. Dadurch könne christliche Hoffnung sichtbar werden.

Zum Autor: Markus Baumgartner ist Inhaber der Kommunikationsagentur b-public AG und u.a. Mediensprecher Dachverband Freikirchen.ch, Co-Präsident Forum Christliche Führungskräfte, Vizepräsident der Agentur C und Herausgeber des Dienstagsmail.

Datum: 26.04.2026
Autor: Markus Baumgartner
Quelle: Livenet

Werbung
Livenet Service
Werbung