Unkonventionelles Osterlachen in der Kirche
«Das letzte Wort hat nicht der Tod, sondern das Leben», dies übermitteln die frühen Gläubigen. Sie lachten am Ostersonntag über den Tod. In diesem Sinne fand schon mehrmals das Osterlachen der Kirchgemeinde Bern-Nord mit Pfarrer Tobias Rentsch statt. In einer Welt voll mit Krisen und Unsicherheiten sei Lachen wichtig, berichtet das SRF Regionaljournal Bern, Freiburg, Wallis. Braucht es denn heute unkonventionelle Aktionen? Tobias Rentsch: «Die Kirche ist schon lange unkonventionell. An Ostern feiern wir einen, der drei Tage nach seinem Tod auferstanden ist. Bei Jesus wird über das Wasser gelaufen, es geschehen immer wieder unkonventionelle Geschichten.»
Und wieso das Osterlachen? «Es geht nicht darum, etwas lächerlich zu machen, sondern Freude auszudrücken. Ein bisschen den Tod auslachen gehört auch dazu. Das Osterlachen ist nicht einfach Klamauk. Die Freude über das Wunder des Lebens steht im Mittelpunkt.» Die Idee für Witze an Ostern ist nicht von Pfr. Tobias Rentsch: «Osterlachen ist eine uralte Tradition. Das wollte ich mal ausprobieren. Das macht richtig Freude. Religion ist nicht Griesgram - Ostern und Weihnachten sind für mich grosse Freudenfeste.» Der Humor gepaart mit besinnlichen Momenten wird geschätzt, berichtet TeleBärn.
Improvisationstheater wie eine Kochsendung
Er ist oft ausserhalb der Kirchenmauern unterwegs, besonders gerne in Beizen, im Fussballstadion oder an Festen. Tobias Rentsch gibt daher als unkonventioneller Theologe zu reden: Sei es als Gastropfarrer, Velopfarrer, Witzepfarrer oder Impropfarrer. Die Predigt als Improvisationstheater sei wie eine Kochsendung, wo verschiedene Zutaten hinzukommen. Das Format heisst «à point». Wie in einer Küche macht der Pfarrer das mis-en-place. Es sind dann verschiedene Leute, die etwas einbringen. «Dadurch kommen Dinge hervor, die einem Pfarrer nicht auffallen würden. Es ist lustig, es wird viel gelacht. Manchmal finden wir absurde Dinge.» Der Berner zögert auch nicht, aktuelle Themen in seine Predigten zu verpacken. Ihn fasziniert, dass sein Glaube überall Inspirationen liefert, dass er immer neue Facetten entdeckt. «Wie auf einem Wimmelbild.» Allein zum Thema Geld gebe es knapp 300 Stellen im Neuen Testament. Zu seinen Kolumnen und Predigten gehören Themen wie «Der verlismet Bibeltext» oder «A-Dieu».
Auch scheitern können
Was ihn aber wohl auszeichne: Er probiere gerne neue Ideen aus. Und er sei bereit, dafür Risiken einzugehen, sagt er der Zeitung «Der Bund». Tobias Rentsch bleibt aber realistisch: «Man muss scheitern. Das ist normal, wenn man neue Sachen ausprobiert. Wir sprechen so viel von Gnade. Da kann man auch scheitern. Wir könnten einander viel gnädiger sein.» Sieht er die Markuskirche als Labor, fragte ihn die Berner Stadtzeitung «Hauptstadt»: «Was wir hier in der Zwischennutzung ausprobieren, ist aus meiner Sicht ein scheuer Anfang in die Richtung, wie ich mir eine moderne Stadtkirche vorstelle.»
Ungezwungene Begegnungen
Tobias Rentsch hat sein Büro schon in eine Beiz verlegt. Auch schenkt er bei der Lorraine-Chilbi oder auf dem Areal der Markuskirche Bier aus. Frei nach dem Motto, das auf einem Glasfenster der Johanneskirche prangt: «Wen dürstet, der komme». Bringt das neue Mitglieder? «Ich bin gerne mit den Leuten in Kontakt, nehme gerne auf, was sie denken. Ich will mich erreichbar machen. Das geschieht, wenn sie den Pfarrer an einem Ort antreffen, wo sie ihn nicht erwarten.» Viele würden gerne reden, machen es dann doch nicht. Mit der Präsenz wird das erleichtert. Und die Kirche erscheint mit dieser Präsenz auf positive Art in der Öffentlichkeit. Bei all diesen Projekten geht es Tobias Rentsch primär um eines: der ungezwungenen Begegnung. Ich «schnorre» einfach gerne, sagt Rentsch – egal ob über Musik, Beziehungen, strittige VAR-Entscheide bei YB oder eben den Glauben.
Dieser Beitrag erschien zuerst in der Dienstagsmail Nr. 919.
Datum: 03.04.2026
Autor:
Markus Baumgartner
Quelle:
Dienstagsmail