Geplant waren nur zwei Folgen

Wie Dr. April Kepner Generationen ermutigt

Sarah Drew
Eigentlich sollte ihre Rolle in «Grey's Anatomy» nach zwei Folgen enden. Doch aus Dr. April Kepner wurde eine der prägendsten Figuren der Serie. Die Schauspielerin Sarah Drew zeigte, wie wertvoll Glaube und Hoffnung sein können.

«Ich glaube, viele Menschen gehen davon aus, dass man als Pastorenkind gern rebelliert oder dass die Eltern super verurteilend sind und man das Gefühl hat, in einer Box zu leben, aus der man nicht herauskommt», erinnert sich Sarah Drew. «Meine Erfahrung war jedoch genau das Gegenteil. Ich bin in einem wunderschönen Zuhause mit viel Lachen und enormer Unterstützung aufgewachsen.»

Wertvoll war ein Film, den sie in jungen Jahren sah: «Wir haben in meiner Kindheit immer wieder ‘Chariots of Fire’ geschaut. Eric Liddell, die Hauptfigur, ist ein aussergewöhnlicher Läufer, und seine Schwester möchte, dass er mit dem Laufen aufhört, um als Missionar nach China zu gehen. Er sagt an einer Stelle: ‘Nun, ich kann nicht gehen, denn wenn ich laufe, spüre ich Gottes Wohlgefallen.’ Das wurde so etwas wie mein Lebensmotto. Genau das ist die Schauspielerei für mich.»

Geplant waren nur zwei Episoden

Schon als Kind spielte sie oft bei Theatern mit. Später, während ihrer Studienzeit, erhielt sie gute Kritiken. Eines führte zum anderen und ihr wurde eine Zwei-Episoden-Rolle als Dr. April Kepner in «Grey's Anatomy» angeboten. «Du wirst auftauchen und gefeuert werden. Das wird richtig Spass machen.»

Sarah Drew erinnert sich: «Ich drehte diese zwei Episoden im Wissen, dass es nur zwei sein würden, hatte grossen Spass und verabschiedete mich wieder. Am Morgen nach der Ausstrahlung der Kündigungsfolge erhielt ich einen Anruf von meinem Team: ‘Wir wollen dich zurückholen, und das könnte eine feste Serienrolle werden.’»

Sie sollte nervig und anstrengend sein

Die Figur der April Kepner entstand, blühte auf, wuchs und veränderte sich. Interessanterweise war jedoch von Anfang an keine langfristige Planung für sie vorgesehen. Sie sollte zunächst eine Art Katalysator sein: nervig und ein wenig anstrengend.

Sarah Drew: «Das Geschenk so vieler Staffeln ist, dass man Zeit hat, jemanden wirklich zu entfalten, Wendungen und Brüche zuzulassen. Wenn man eine Figur über einen langen Zeitraum begleitet, erlebt man ein viel menschlicheres Leben mit ihr.»

Zur Christin wurde April allerdings erst am Ende von Staffel acht gemacht. «Sie erlebte in der Serie enorme Traumata: Eine Waffe wird auf sie gerichtet, sie stolpert buchstäblich über den toten Körper ihrer besten Freundin, sie verliert ein Baby, ihre Ehe zerbricht, sie wird ohne Betäubung operiert und vielleicht wird auch ihr nächstes Baby sterben, sie fällt durch ihre Fachprüfung, wird gefeuert und verliert schliesslich ihren Glauben – die ultimative Qual. Meiner Meinung nach ist das eine noch grössere Qual als all das andere: den inneren Nordstern zu verlieren. Wenn ich das verliere, was mich verwurzelt und meinem Leben Sinn gibt, wenn das unter meinen Füssen ins Wanken gerät – was mache ich dann hier? Wie atmet man weiter, wenn man im Innersten erschüttert ist?»

«Was müsstest du hören?»

Diese Geschichte zu erzählen, war unglaublich tiefgehend und bewegend für Sarah Drew. «In Aprils Glaubenskrise sprach ich mit der Autorin darüber. Wir wussten, dass April diesen Weg des Glaubensverlusts gehen und in Staffel vierzehn zum Glauben zurückfinden würde. Über acht Jahre hinweg hatte ich eine Beziehung zu dieser Figur aufgebaut, und die Autorin fragte mich: ‘Was würde es brauchen, damit eine Gläubige zurückkehrt? Was müsstest du hören?’»

Sarah Drew sagte: «Es ist wichtig zu wissen, dass uns niemand ein schmerzfreies Leben verspricht, wenn wir ‘Ja’ sagen. Im Gegenteil: Uns ist Leiden zugesichert. Aber uns ist auch zugesichert, dass wir nie allein hindurchgehen, weil wir Gott in menschlicher Gestalt haben, der es für uns und mit uns durchlebt hat. Wir haben also jemanden mit der grössten Empathie an unserer Seite. Ich müsste hören, dass Gott deinem Schmerz nicht gleichgültig gegenübersteht.» Dieser Satz wurde in das Drehbuch aufgenommen.

Das Konzept der Gnade

Zu Beginn von Aprils Glaubensreise in Staffel acht sprach Sarah Drew mit den Autoren über das Konzept der Gnade, «dass Gnade der Herzschlag des christlichen Glaubens ist. Ich erinnere mich, wie sie sagten: ‘Das ist wunderschön. Lass uns mehr davon machen.’» Und die Drehbuchautorin Shonda Rhimes sagte: «Ich möchte eine ehrliche, vielschichtige und verletzliche Geschichte über eine gläubige Person erzählen. Es soll authentisch und real wirken. Wenn sich etwas nicht echt anfühlt, nicht richtig, zu einfach – sagt es uns bitte.»

Sie habe das grosse Privileg gehabt, die Figur in vielen kleinen und manchmal auch grösseren Momenten mitzugestalten. «Auf Fan-Conventions oder wenn ich Menschen auf der Strasse begegne, die April lieben, sehe ich oft Tränen. Nicht, weil sie sich freuen, Sarah zu treffen, sondern weil April so viel durchgemacht und dennoch diese funkelnde, freudige Hoffnung bewahrt hat. Sie ist unerbittlich in ihrer Suche nach dem Guten im Leben und darin, die Hoffnung nicht zu verlieren – egal wie schwer es wird.»

«Das kannst du auch!»

Für Sarah Drew ist klar: «So viele Menschen leiden. Wenn sie eine Figur über Tage, Wochen und Jahre in ihr Leben lassen und gewissermassen mit ihr befreundet sind, durchleben sie alles mit ihr. Sie denken: Wenn sie das schafft, schaffe ich es auch – April ist meine Freundin. Es ist wunderschön und kraftvoll zu sehen, wie sehr sie Menschen berührt hat. Ich habe neun Jahre lang mit dieser Figur gelacht und geweint. Sie hat so viel durchgemacht und ist gestärkt daraus hervorgegangen – und das kannst du auch.»

In jedem Projekt, an dem sie arbeitet, möchte sie, «dass sich alle – Schauspieler, Crew und das gesamte Team – zugehörig fühlen und wissen, dass sie dort hingehören, dass sie Teil dieser Gemeinschaft sind und dass wir froh sind, dass sie da sind. Ich denke, das ist eine der wichtigsten Arten, wie ich meinen Glauben lebe.»

Selbst wenn andere sich schwierig verhalten oder weniger positiv oder begeistert sind, «kann man seine eigene Atmosphäre schaffen. Man kann Menschen in diese positive Energie, diese geerdete Offenheit und Wärme hineinziehen, die man selbst mitbringt.»

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Datum: 25.02.2026
Autor: Jesus Calling / Daniel Gerber
Quelle: Jesus Calling / gekürzte Übersetzung: Jesus.ch

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