Gottvertrauen trägt durch
«Als Kind steigerte ich mich jeweils so in meine Ängste hinein, dass sie fast unerträglich waren», erinnert sich Heidi Meier. Sie wuchs als drittes Mädchen und mit einem jüngeren Bruder in einer Lehrersfamilie auf. «Ich besuchte ein paar Jahre bei meinem Vater den Unterricht – das habe ich sehr genossen», sagt sie.
Die Eltern begleiteten sie liebevoll durch ihre Angst-Phasen. «Wenn ich im Keller etwas holen sollte, habe ich mir mit meiner Mutter zusammen vorgestellt, ich besorge etwas aus dem Dorfladen. Die mir gut bekannte Verkäuferin bot mir an, das Gewünschte selbst zu holen und damit das Untergeschoss wieder zu verlassen.» Dank dieses Rollenspiels konnte das Kind seine Angst vor Dunkelheit und dem Keller allmählich überwinden. Später verbrachte Heidi sogar ein Jahr im Welschland, machte anschliessend die Ausbildung zur Drogistin.
Alles unter einem Dach
Mit 22 Jahren heiratete sie den Bauern Ernst aus Bettswil im Zürcher Oberland. Innerhalb von neun Jahren wurden die beiden Eltern von fünf Töchtern. Neben der Betriebsführung baute ihr Mann einen neuen Stall und ein Wohnhaus. Heidis Tage waren ausgefüllt mit Familie, Garten, Hilfe auf dem Hof, Mitarbeit in der Kirche. Doch immer mehr nahm sie körperliche Unregelmässigkeiten wahr: schwankender Gang, starkes Kopfweh, Doppelbilder, Übelkeit, Stürze. «Nach dem Kochen musste ich mich eine Weile hinlegen», erinnert sie sich.
Schliesslich liess sie sich vom Hausarzt untersuchen. Er konnte nichts Konkretes finden und überwies sie für ein CT an Spezialisten. Einen Tag später rief dieser an: «Sie müssen sofort nach Zürich ins Unispital – Sie haben einen Hirntumor.» Völlig geschockt überlegte Heidi, wer ihre Kinder versorgen könnte. Bei der bäuerlichen Familienhilfe sprang nur der Telefonbeantworter an. Sie schilderte kurz ihre Situation und es funktionierte: Eine der Helferinnen war auf dem Weg in die Ferien – nun entschied sie sich, stattdessen die fünffache Mutter und Bäuerin zu vertreten. Sie reiste umgehend an. Auch die Familie half mit.
Grosses Risiko
Dann machten sich Ernst und Heidi auf den Weg nach Zürich. Dort wollte keiner der Chirurgen den mandarinengrossen Tumor operieren – sie wussten um das grosse Risiko. Schliesslich sagte ein japanischer Arzt, der noch in den USA weilte, zu. Die Operation zog sich hin – dauerte schliesslich neun Stunden. Dann erlitt Heidi eine Hirnblutung; erneut musste sie operiert werden. Schliesslich wurde die 36-Jährige auf die IPS verlegt. Sie konnte sich nicht mehr an die Namen ihrer Mädchen erinnern, erkannte sie in einer Gruppe nicht. «Das war eine dunkle Zeit für meine Familie», gesteht sie.
Im Spital sagte jemand zu Heidi: «So lange Sie leben, haben Sie noch eine Aufgabe!» Das machte ihr Mut – die Überlebenschance nach so einem Eingriff ist sehr gering. Doch nachdem der ganze Tumor entfernt worden war, erholte sich die Patientin recht schnell. «Mit einem Päckli Dafalgan in der Hand wurde ich nach Hause geschickt», erinnert sie sich. Reha – psychologische Betreuung? Gab es damals noch nicht. «Aber Gott war an unserer Seite. Bei ihm kam ich immer wieder zur Ruhe», bestätigt die heute 60-Jährige. Er hatte ihr in einem inneren Bild Engel gezeigt, die eine warme Decke um ihre Schulten legten. So vertraute das Paar darauf: «Gott trägt uns durch.»
«Aufgeben kannst du bei der Post!»
Wieder zuhause wurde Heidi von einer Haushaltshilfe, Familie und Freunden unterstützt. Doch die Operation hatte zu einer Teilblindheit rechts geführt, von der beide Augen betroffen sind. «Das Kind neben mir auf dem Vordersitz musste für mich auf den Verkehr auf der linken Seite achten…» Schliesslich gab sie das Autofahren freiwillig auf. Sie hielt sich am Bibelvers fest: «Lass dir an meiner Gnade genügen» (2. Korinther Kapitel 12, Vers 9a, LUT). Trotzdem kämpfte Heidi mehrere Jahre mit dem Gefühl, nicht zu genügen. Sie hatte nicht mehr die gleiche Kraft wie zuvor, konnte nicht mehr so anpacken, ihrem Mann helfen. Sie empfand nicht mehr die gleiche Lebensfreude und der Schatten der Krankheit begleitete die Familie noch lang. Dennoch: In Jesus hatten sie auch einen Anker, der hielt.
2015 bahnte sich eine neue Herausforderung an: Auf ihrem Rücken wurde ein dunkler Hautfleck entdeckt. Heidi war an einer aggressiven Form von schwarzem Hautkrebs erkrankt. Würde sie nun daran sterben? «Im Gebet flüchteten wir wieder zu Gott», hält Heidi fest, «ich wusste, ich bin in seiner Hand.» Ernst ermutigte sie: «Aufgeben kannst du bei der Post!» Erneut wurden biblische Zusagen zu einer Quelle der Zuversicht und Kraft für die Familie: «Schau nicht ängstlich nach Hilfe aus – ich bin dein Gott, ich stehe dir bei. Hab` keine Angst, ich bin dein Gott, ich mache dich stark, ich helfe dir» (Jesaja Kapitel 41, Vers 10, NeÜ).
Heute ist Heidi überzeugt: «Er heilte mein Herz – ich musste nicht mehr ängstlich auf den Verlauf der Krankheit achten.»
Sie hat erlebt: «Gott wünscht sich eine enge Beziehung zu jedem Menschen. Wenn ich auf ihn vertraue, kommt es gut. Meine Schuld ist vergeben und die Vergangenheit darf verblassen in seiner Liebe.» So schaut sie heute dankbar und zuversichtlich vorwärts. Ihr Herz ist heil – sie kann sich wieder freuen.
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Datum: 01.05.2026
Autor:
Mirjam Fisch-Köhler
Quelle:
Jesus.ch