Hinweise eines Todgeweihten für die Lebenden
«Wie Ben Sasse jetzt lebt, da er im Sterben liegt» titelt die New York Times. Wie würdest du leben, wenn du wüsstest, dass du bald sterben wirst? Als Ben Sasse im Dezember 2025 bekannt gab, dass bei ihm metastasierender Bauchspeicheldrüsenkrebs im Stadium 4 diagnostiziert worden war, bezeichnete er die Diagnose in einem ausführlichen Social-Media-Beitrag als Todesurteil. Es wurde ihm eine Lebenserwartung von drei bis vier Monaten gegeben: «Das ist nicht operabel, Sie sind weit über das Stadium einer Operation hinaus.» Ben Sasse merkte jedoch an, dass er jetzt richtig zu leben beginne, berichten unter anderem BBC und CNN. Der Krebs hatte bereits in die Lunge, Leber und das Gefässsystem gestreut.
«Berufung zum Sterben»
Trotz der schweren Erkrankung hat Sasse dieses Jahr immer wieder öffentlich über seine Situation gesprochen, unter anderem in einem eindrücklichen Interview mit der New York Times. Er nutzt seine verbleibende Zeit, um sich mit Glauben, Familie und der Zukunft der amerikanischen Gesellschaft auseinanderzusetzen. Beim Interview ähnelt Ben Sasses Gesicht dem von Jim Caviezel am Ende von «Die Passion Christi». Das liegt daran, weil es blutüberströmt ist – eine Nebenwirkung seiner Behandlung. Dabei lächelt er ständig und zeigt seine Freude und Hoffnung inmitten der Qualen seines Sterbens. Ben Sasse: «Ich habe mich nicht dafür entschieden, in der Öffentlichkeit zu sterben. Ich habe offensichtlich eine Berufung zum Sterben erhalten.»
Diagnose im Frieden angenommen
Der 54-Jährige betonte, wie sein christlicher Glaube ihm geholfen habe, Prioritäten klarer zu sehen und mit der Aussicht auf ein baldiges Lebensende zurecht zu kommen, berichtet Fox News. Er müsse damit rechnen, dass sein Leben bald zu Ende gehe. Es sei ein Segen, dass sowohl seine Frau Melissa als auch er die Diagnose in Frieden annehmen konnten, betonte er. Die «Torheit unserer Werke» werde einem schnell bewusst, wenn man das Leben als Ganzes betrachte. «Jesus hat alles am Kreuz vollbracht, um das ganze Gesetz zu erfüllen. Ich habe nichts davon erfüllt. Er hat alles erfüllt», sagte Ben Sasse wörtlich.
Die Krankheit habe ihm klar gemacht, was wirklich zähle. Viele Dinge, die ihm früher wichtig gewesen sein, seien für ihn heute sinnlos. In seiner Situation würden Götzenbilder schnell zerstört, sagte er. Im Rückblick würde er sich wünschen, er hätte häufiger den Gottesdienst besucht und den Sonntag beachtet, sagte Ben Sasse. Das sei ein «gutes Gegengift» gegen alle Formen von falschen Idolen. «Es ist für uns ein Segen, wenn Gott Götzen zerstört und ein Todesurteil ist guter Weg dazu.»
Ben Sasse ist Absolvent der Universitäten Harvard und Yale. Er war von 2015 bis 2023 als Abgeordneter der Republikanischen Partei im US-Senat. Er und seine Frau haben drei Kinder. Anschliessend war er Präsident der University of Florida. Ben Sasse war einer von sieben Republikanern, die kurz nach den Ausschreitungen im Kapitol am 6. Januar 2021 für die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Präsident Donald Trump gestimmt hatten.
Todesgrenze mit Galgenhumor überschreiten
Ben Sasse nimmt an einer klinischen Studie für eine neue Krebstherapie teil. Dank dieser Behandlung konnte das Tumorvolumen in den Monaten nach der Diagnose deutlich verringert werden. Ben Sasse: «Ein Teil von Gottes Gnade zeigt sich in den atemberaubenden Fortschritten, die die Wissenschaft in den letzten Jahren in der Immuntherapie und anderen Bereichen gemacht hat. Tod und Sterben sind nicht dasselbe – der Prozess des Sterbens ist immer noch etwas, das es zu durchleben gilt. Bei uns zu Hause geben wir uns gerne dem Galgenhumor hin, und ich habe mir vorgenommen, meinen Teil dazu beizutragen, dass wir diese respektlose Grenze immer wieder überschreiten.» Er werde nicht kampflos untergehen.
Das Gebet des Bauchspeicheldrüsenkrebs
Ben Sasse erklärte, die Schmerzen aufgrund der Behandlung erforderten hohe Morphiumdosen, weshalb er «die ganze Zeit schlafe». In den Stunden, in denen er wach ist, konzentriert er sich jedoch darauf, Zeit mit seinen Kindern zu verbringen, Kolumnen für das «Wall Street Journal» zu schreiben und seinen neuen Podcast mit dem provokanten Titel «Not Dead Yet» zu starten. Ben Sasse zitiert Tim Keller, einen presbyterianischen Pastor aus New York, der ebenfalls an Bauchspeicheldrüsenkrebs starb: «Ich hasse Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ich würde ihn niemandem wünschen, aber ich würde niemals in eine Zeit meines Lebens zurückkehren wollen, in der ich das Gebet des Bauchspeicheldrüsenkrebses nicht kannte. Das bedeutet, dass ich jetzt, mitten in dieser Krankheit, die Wahrheit meiner Endlichkeit viel besser kenne, als ich es mir in der Vergangenheit jemals eingestehen wollte.»
Dieser Beitrag erschien zuerst in der Dienstagsmail Nr. 927.
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Datum: 27.05.2026
Autor:
Markus Baumgartner
Quelle:
Jesus.ch