«Dennoch machen wir weiter»

Mutter und Führungskraft in Kriegszeiten

Marianne Awaraji Daou
Der Muttertag findet im Libanon bereits am 21. März statt, mitten in einer Zeit, in der viele Familien mit Unsicherheit leben. Marianne Awaraji von «SAT-7» gibt einen Einblick in das Leben als Mutter und Führungskraft in schweren Zeiten.

«Für viele Mütter, die hier Teams oder Organisationen leiten, gehört diese stille Spannung zur Realität von Führung; auch wenn sie von aussen selten sichtbar ist», bilanziert Marianne Awaraji. Sie arbeitet bei «SAT-7 ARABIC» als Audience Relations Managerin sowie als Moderatorin.

Marianne Awaraji berichtet: «Im gesamten Libanon hat sich der Konflikt in den letzten Monaten verschärft. Behörden berichten, dass fast 700’000 Menschen, darunter 200’000 Kinder, vertrieben wurden.» Familien suchen Schutz bei Verwandten, in Kirchen und in Schulen. «Für diejenigen von uns, die bleiben und weiterarbeiten, bildet das Wissen um die Zerbrechlichkeit des Lebens hier den Hintergrund jedes Treffens, jeder Entscheidung und jedes gewöhnlichen Moments.»

«Eine eigene Form der Erschöpfung»

Mit der Unvorhersehbarkeit jedes Tages zu leben, bringt eine eigene Form von Erschöpfung mit sich; dies sowohl mental, emotional wie auch geistlich, beobachtet Marianne Awaraji.

«Eine Mutter aus dem Südlibanon, die gezwungen war, ihr Zuhause zu verlassen, brachte diese Spannung auf den Punkt: ‘Das Schwerste ist das Weggehen – nicht zu wissen, was man mitnehmen soll oder ob man jemals zurückkehren wird.’ Eine andere Frau schrieb uns aus der Region: ‘Mein Herz ist bei jeder Mutter in diesem Krieg.’ Diese Solidarität und die gemeinsam getragene Last versteht hier jede Mutter.»

«Und dennoch machen wir weiter»

«Unsere Tage beginnen wie die jeder anderen Führungskraft. Es gibt Entscheidungen zu treffen, Menschen zu unterstützen und Strategien voranzubringen», gewährt Marianne Awaraji einen Einblick in ihren Alltag. «Doch im Hintergrund lastet das Gewicht einer Welt, die sich zunehmend instabil anfühlt. Eine kleine Stimme stellt die einfachste aller Fragen: ‘Sind wir sicher?’»

In Momenten wie diesen bekomme Führung eine andere Bedeutung. Sie gehe weniger um Autorität und mehr um Präsenz. Weniger um Kontrolle und mehr um Mut. «Führung in schwierigen Umfeldern bringt etwas Kraftvolles hervor: Resilienz. Resilienz bedeutet, sich trotz der Hindernisse dafür zu entscheiden, weiterzuführen, sein Team zu unterstützen und die gemeinsame Mission voranzubringen.»

Mütter tragen zwei Welten zugleich

Marianne und ihr Sohn Noah

Weiter erklärt Marianne Awaraji: «Als Mütter in Führungsrollen tragen wir zwei Welten zugleich. Wir tragen die Verantwortung für die berufliche Welt, in der Teams auf uns angewiesen sind, und zugleich für die verletzliche Welt unserer Kinder, die zu uns aufblicken, um zu wissen, dass alles gut wird. In diesen Momenten sind wir nicht nur Mütter oder Managerinnen… wir sind die ersten Theologinnen, denen unsere Kinder jemals begegnen werden.»

Für Marianne Awaraji ist klar: «Unsere Kinder beobachten uns. Sie lernen nicht nur aus dem, was wir sagen, sondern auch daraus, wie wir reagieren, wenn sich das Leben unsicher anfühlt. Sie entdecken, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben, sondern sich trotz der Angst im Glauben weiter vorwärts zu bewegen.»

Nicht aus eigener Kraft

Als Christin halte sie sich an der Erinnerung fest, dass Führung nie allein aus eigener Kraft getragen werden sollte. Sie verweist auf die Bibel, auf Psalm Kapitel 46, Vers 2: «Gott ist unsere Zuflucht und Stärke, ein bewährter Helfer in Zeiten der Not.»

«In schwierigen Zeiten wird Führung zu einem Akt des Vertrauens. Vertrauen darauf, dass unsere Arbeit weiterhin Bedeutung hat. Vertrauen darauf, dass Hoffnung stärker ist als Angst. Vertrauen darauf, dass Gott selbst in instabilen Momenten gegenwärtig ist und wirkt. Wie ein libanesischer Gläubiger es schlicht ausdrückte: ‘Ohne Glauben und Hoffnung wären wir schon vor langer Zeit verloren gewesen.’»

Da sein

«An diesem Muttertag möchte ich zu jeder Mutter sprechen, die ein Team, einen Haushalt, eine Gemeinde leitet oder einfach schwierige Zeiten durchlebt», sagt Marianne Awaraji. «Deine beständige Stärke bedeutet mehr als du ahnst. Die Art, wie du standhaft bleibst, wie du weitermachst und wie du deine Kinder und Kolleginnen und Kollegen auf Hoffnung ausrichtest – das ist nichts Kleines. Es ist ein tiefgreifender Akt des Glaubens.»

Manchmal bestehe die kraftvollste Form von Führung einfach darin, «da zu sein – mit Glauben, Liebe und ruhigem Mut… selbst dann, wenn die Welt um uns herum auseinanderzufallen scheint».

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Datum: 18.03.2026
Autor: Marianne Awaraji / Daniel Gerber
Quelle: Christian Today / gekürzte Übersetzung: Jesus.ch

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