Nachgefragt

Seelsorgeangebot für die Polizei

Jim Bontrager ist seit vielen Jahren Polizeseelsorger in den USA (Symbolbild)
Jim Bontrager ist ein Mann in Uniform mit Herz. Die Mischung des Familienmenschen mit Hintergrund eines US-Marines bringt er ideal in die Schulung von Polizei- und Militärseelsorgern ein. Dabei ist sein starker Glaube mit Täuferbezug zentral.

Im Interview mit Livenet berichtet Jim Bontrager (66) über seine spezielle Berufung. Trotz seiner internationalen Tätigkeit ist dem neunfachen (!) Vater mit 26 Enkeln die Familie bis heute wichtig und lieb. Er ist glücklich mit seiner Frau Susie verheiratet.

Bontrager hat tatsächlich Schweizer Wurzeln in Zäziwil (BE), die mit den Täufer-Verfolgungen zusammenhängen: «Wir leben in Middlebury Indiana, wo alle eine Schweizer Herkunft haben.» Jim erzählte gegenüber Livenet-Redaktor Roland Streit vom Mitgefühl eines Ausbildners, Herzen, die wieder Vertrauen lernen und dem Geier-Prinzip.

Herzlicher Einsatz für Einsatzkräfte

Als langjähriger Polizeiseelsorger beim «Elkhart Police Department» (Indiana) und international anerkannter Ausbildner wird Jim künftig auch als Dozent an der «Europäischen Polizei- und Militärseelsorge Akademie» (EPA Zürich) tätig sein und dort die nächste Generation von Seelsorgern zurüsten. Der Täufer-Nachkomme will eine Kultur der Fürsorge, Resilienz und geistlicher Begleitung in Kriseninterventionen aufbauen. Dabei geht es ihm nicht nur um Einsatznachsorge, sondern auch um werteorientierte Führung, Charakterbildung und die Stärkung von Ehe und Familie – gestützt auf biblischen Prinzipien.

Wer Jim Bontrager begegnet, erlebt keinen distanzierten Beamten. Seine Leiterschaft ist geprägt von Zuhören und echter Anteilnahme. Für ihn beginnt gute Führung nicht mit Autorität, sondern mit dem Charakter eines Menschen. Er ist überzeugt, dass Menschen nur dann glaubwürdig führen können, wenn sie selbst bereit sind zu dienen.

Jim Bontrager ruft zu Gott um Worte der Weiheit und des Zuspruchs.

Wie sieht deine primäre Unterstützung der Studenten aus?
Jim Bontrager:
Zum einen sind Polizeioffiziere aufgrund vieler Erlebnisse mit Lügen und Irreführungen oft misstrauisch. So kann mein authentisches Leben auf die Dauer ihr Herz gewinnen. Sie sind es gewohnt, dass der eine etwas vom anderen will, und denken, dass die Seelsorger gleich sind. Bedingungslose, aufopfernde Liebe ist für sie etwas Neues – aber das rettet ihren Tag. Sie schätzen es, bei uns Leitern klare und effiziente Kommunikation zu erleben. Gott hat uns zwei Ohren und einen Mund gegeben. Wir sollten also doppelt so viel zuhören, wie wir sprechen. Polizeioffiziere «lesen Menschen» als Beruf. So sollten auch wir Seelsorger aufrichtig sein und unser Bestes an Menschlichkeit vorleben: Wir sollten jederzeit die Wahrheit sagen, das Gute in jeder Situation sehen und derjenige sein, der an sie glaubt und sie aufopfernd liebt – das macht den ganzen Unterschied. Wir Seelsorger müssen Gott um ein Herz für die Offiziere und ihre Familien bitten.

Zum anderen musst du musst dir den Weg für deine Akzeptanz verdienen. Beginne mit dem, was ich den ich «Geier-Dienst» nenne: Setze dich bildhaft gesprochen auf einen Baum und kümmere dich um nichts. Sobald jemand ruft, steig herunter, begegne ihm mit Liebe und hilf ihm in der Notsituation auf jede erdenkliche Art. Prüfe, ob es ihm gut geht und lass ihn wissen, dass du dich um ihn kümmerst. Dann gehst du zurück auf den Baum und wartest weiter. Mach das, damit die Menschen wissen, dass du ein verlässlicher Partner bist – und sie von sich aus auf dich zukommen. Diene treu, ohne Erwartungen zu haben; und sei mit dem Herzen dabei, egal wie gross die Ablehnung ist.

Was ist für dich besonders wertvoll im Dienst als Ausbildner?
Ich liebe es, wenn Polizeioffiziere den geistlichen Kampf für sich entdecken und erkennen, wie sie siegreich sein können, ganz praktisch. Einer der destruktivsten Kämpfe, die sie haben, ist mental: Ein neuer Offizier oder eine neue Offizierin denkt: «War mein Report gut?» «Habe ich taktischerweise alles berücksichtigt?» Sie konzentrieren sich nur auf das, was gerade vor ihnen ist, oder auf Dinge, durch die sie als Offiziere akzeptiert werden. Sie kümmern sich nicht um ihre Vorgesetzten, die Leitung oder die Kultur des Polizeipostens.

Oder es kann sein, dass sie ausgenutzt werden und dumm dastehen. Sie sind an einen Ort gekommen, an dem sie dienen wollten, werden aber belogen und sind frustriert. So kann es sein, dass sie immer zynischer werden, weniger interessiert sind und ihre Frustration mit nach Hause nehmen. Es geht darum, was wir beeinflussen können und was nicht. Eine der Kardinal-Regeln für mentale Gesundheit lautet: «Kann ich etwas ändern? Und falls nein, dann lasse ich es los!»

Welche Delikte oder Probleme gehören zum Polizeialltag?
Die Antwort ist zweischichtig. Intern ist die grösste Frustration die Leiterschaft des Postens. Das ist es, was sie am meisten auffrisst, ob du es glaubst oder nicht. Wenn sie sehen, wie die Öffentlichkeit schlechte Dinge tut, aber dann beobachten, dass die eigenen Leiter die Regeln nicht befolgen. Oder wenn dem Druck der Politik nicht standgehalten wird. Das bringt dich um! Extern sind Konflikte zwischen Personen extrem alltäglich: zwischen Nachbarn, häusliche Gewalt oder Ungerechtigkeit aller Art. Die Auseinandersetzungen, wenn gelogen, gerechtfertigt oder Polizeibeamte getäuscht werden, das kann sie extrem zynisch machen.

Wie erlebst du selber Gottes Unterstützung im Dienst?
Ich bitte Gott um Worte der Weisheit und des Zuspruchs. Und er gibt sie mir, wenn ich im Einsatz bin. Personen erzählen Jahre später, wie sie den perfekten Zuspruch bekamen – das kam nicht von mir. Gott weckte mich eines Nachts und legte mir einen Polizisten aufs Herz. Ich rief ihn sofort an. Er sagte mir später, dass er Selbstmord plante und bereits die Waffe in der Hand hielt, als ich ihn anrief. Dasselbe passierte ein weiteres Mal. Ich bin abhängig davon, dass Gott mich durch Prüfung und Bedrängnis trägt.

Was ist deine Hauptbotschaft in der Ausbildung von Seelsorgern im Sicherheitsbereich?
«Die Polizei ist eine unerreichte Menschengruppe, und du kannst sie erreichen!» Ich vermittle, dass der Strafvollzug eine göttliche Mission ist, die nur mit Gottes Segen erfüllt werden kann. Offiziere sind an den Pforten der Hölle postiert, wo Gewalt, Leid und Verzweiflung herrschen. Sie müssen sich ihrer eigenen Verlorenheit und Gnade bewusst sein, und dass sie klar sehen, wie sie den Splitter aus dem Auge ihres Bruders entfernen können. Jesus selber kam, um die Schrift zu erfüllen: für die Armen, diejenigen mit zerbrochenen Herzen, die Gefangenen und Trauernden; dann kann er Schönheit aus der Asche machen, ein Gewand des Lobpreises, Eichen der Gerechtigkeit, einen Abglanz seiner Herrlichkeit. Polizeioffiziere haben mehr als andere Berufe die Gelegenheit, die Hölle zu plündern und den Himmel zu bevölkern!

Kannst du uns ein weiteres Beispiel von Gottes Eingreifen erzählen?
Ein Bruder, der eine Bibelgruppe leitet, hatte an diesem Tag Psalm 18, Verse 39 und 40 thematisiert: «Du hast mich mit Stärke für die Schlacht ausgerüstet…» Ich sagte den Studenten, dass wenn sie aufrichtig mit Gott sind, er ihnen Sieg über das Böse geben wird. Später war ein aktiver Schütze in einem Supermarkt. Er hatte zwei Frauen erschossen und hatte den Manager in seiner Gewalt, knieend und flehend. Der erwähnte Gruppenleiter wurde beordert und innerhalb weniger Minuten war der Killer überwältigt. Der verzweifelte Manager wurde befreit und die beiden Polizisten blieben unverletzt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Aus dem Englischen übersetzt

Roland Streit liebt Wort-Spielereien und -Schöpfungen. Er sieht es als Privileg beruflich mit Sprache arbeiten zu können. Als Verkäufer hatte er meist persönlich und mündlich gewirkt, später in der Jugendarbeit kam noch mehr Schriftliches dazu. So fand er im Radio die journalistische Kombination und seit rund zehn Jahren bei Livenet die nächste Station (nicht Radio-Station). 

Datum: 15.08.2026
Autor: Roland Streit
Quelle: Livenet

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