Leiter-Inspiration

Dienende Leiterschaft: Lerne von biblischen Vorbildern

Wie konnte Gott Mose überzeugen zu leiten und wie hat ihn Gott in den krassen Herausforderungen geleitet?
Die Bibel berichtet von vielen Leitern und Führungskräften – auch von ihren Fehlern. Und gerade dadurch können wir viel von ihnen lernen. Im Leiter-Impuls von Evi Rodemann geht es heute um das Leben von Mose.

Mit welchen Menschen in der Bibel identifizierst du dich? Wer sind deine biblischen Vorbilder in Bezug auf Leiterschaft? Josef, Mose, Debora, Paulus, Jesus, Maria, Ester, Johannes, Lydia? Oder vielleicht eher jemand, der kaum Erwähnung erfährt?

Die Bibel berichtet über Männer und Frauen, die Gott in Leitung berufen hat und die trotzdem nicht verschont wurden, Schwierigkeiten und Hindernisse zu bewältigen. Leider geschah es oft auch umgekehrt: Die Schwierigkeiten und Hindernisse überwältigten sie selbst. Manchmal entdeckten sie Gottes Absichten für diese Herausforderungen erst viel später. Oder sie erhielten wie Hiob schlichtweg keine Antwort auf ihre Warum-Frage: «Warum, Gott? Warum ich?»

Nicht alle von ihnen hatten besondere Berufungsmomente. Aber alle lebten in einer engen Beziehung zu Gott und wussten, dass sie für die Zeit, in der sie lebten, einen bestimmten Auftrag hatten. Manchen war das früher klar, manchen erst später. Alle diese Frauen und Männer erlebten, dass der Auftrag Gottes sie alles kosten würde und nicht nur ihr eigenes Schicksal, sondern das vieler Menschen entscheidend beeinflussen würde. In Hebräer 11 werden uns die sogenannten «Helden des Glaubens» in Erinnerung gerufen. Sie erlebten teilweise unglaubliche Herausforderungen, bevor sie den Segen Gottes erfuhren.

Die «Helden» durchlitten Schmerzen, bevor sie Wachstum erlebten und ihr Vertrauen Gott schenkten. Ihre Begegnungen mit Gott geschahen immer auf ganz persönliche und individuelle Weise. Je tiefer ich in ihre Geschichten eintauche, umso erstaunter bin ich, welche Menschen Gott berufen hat. Viele von denen würden nicht auf meiner Einstellungsliste stehen, aber sie standen auf der von Gott!

Mose – Ein leidenschaftlicher Anführer, den Gott zum «Glänzen» bringt

Wie kommt ein Hebräer dazu, ein ganzes Volk aus der Gefangenschaft in Ägypten zu befreien? Wie konnte Gott Mose überzeugen zu leiten und wie hat ihn Gott in den krassen Herausforderungen geleitet?

Mose wurde als Hebräer in Ägypten geboren. Zu der Zeit mussten die Hebräer als Sklaven den Ägyptern dienen. Da der Pharao die Anzahl der Hebräer begrenzen wollte – er sah sich in seiner Macht bedroht –, wurden zu dieser Zeit alle neugeborenen Jungen getötet. Als Mose nun geboren war, versuchte seine Mutter, ihn vor dem Tod zu bewahren, und setzte ihn in einem Weidenkorb im Schilf des Nils aus, in der Hoffnung, dass er gefunden und am Leben gelassen würde. Die Tochter des Pharaos rettete das Baby aus dem Fluss, und Mose wuchs im Palast der Ägypter auf.

Zornige Leidenschaft

Mose war leidenschaftlich unterwegs – ein echter Choleriker. In seinem Leben hatte er dreimal folgenschwere Zornausbrüche. Das erste Mal erschlug er einen Ägypter, der als Aufseher einen hebräischen Sklaven umgebracht hatte. Nach diesem Zornausbruch verlor Mose alles, was ihm am Königshof lieb war, und wurde selbst zum Geflüchteten. Er lebte vierzig Jahre als Hirte in der Wüste, bis ihn Gott auf eindrückliche Weise berief – die berühmte Szene am brennenden Dornbusch. An diesem heiligen Ort in der Gegenwart Gottes fragte Mose ihn nach seinem Namen und Gott antwortete: «Ich bin, der ich bin.» Der allerheiligste Gott sprach persönlich mit Mose (2. Mose 1–4). Das war Moses Berufungsmoment zur Leitung. Gott forderte ihn auf, zurück nach Ägypten zu reisen, um das Volk Israel aus der Gefangenschaft in das verheissene Land Kanaan zu führen. Und er selbst bevollmächtigte Mose für diesen Dienst, der sich als ungenügend empfand: «Ich kann nicht gut reden» (2. Mose 4,10).

Dem Pharao bewies Mose, dass Gott am längeren Hebel sitzt. Nach den schlimmen Plagen, die über die Ägypter kamen, liess der Pharao das Volk Israel schlussendlich ausziehen. Gott führte es in die Wüste und aufgrund von Ungehorsam verbrachte es vierzig Jahre im Niemandsland.

Beim zweiten Zornausbruch war Mose vom Berg Sinai heruntergestiegen, nachdem Gott ihm auf Tafeln die Zehn Gebote übergeben hatte. Als Mose beim Volk ankam, sah er, dass die Menschen um ein goldenes Kalb tanzten und es anbeteten. In seinem Zorn zerschmetterte Mose die gerade frisch erhaltenen Gesetzestafeln, weil die Israeliten Gott misstraut hatten.

Das dritte Mal wurde Mose zornig, als das Volk Israel wieder Wasser benötigte. Es murrte und war auf Mose, ihren Anführer, wütend. Gott befahl Mose, dass er zu einem Felsen reden sollte. Der Felsen würde dann Wasser spenden. Mose war über sein Volk so zornig, dass er die Anweisung Gottes missachtete und wütend auf den Felsen schlug. Dies hatte für Mose zur Folge, dass er nicht in das verheissene Land mit einziehen, sondern es nur von ferne sehen durfte. Die Sünde eines Leitenden wurde hart bestraft.

Mit Gott unterwegs

Mose als Hauptleiter und die anderen Leitenden mussten schmerzhaft lernen, dass sie nichts unter Kontrolle hatten und von Gott abhängig waren. Doch auch, dass er sie in seiner Treue versorgte und das Volk durch diese aufregenden und anstrengenden Zeiten führte. Bis das Volk am Ende in Kanaan ankam, allerdings ohne Mose. Ihn auf seine teilweise zornige Leidenschaft zu reduzieren, würde ihm nicht gerecht werden. Durch alle schwierigen Situationen hindurch blieb Gott mit Mose unterwegs. Gott redete sogar von Angesicht zu Angesicht mit Mose, so wie Freunde miteinander reden (2. Mose 33,11). Sie hatten eine besondere Beziehung zueinander. Seine Begegnung mit Gott auf dem Berg liess Moses Gesicht sogar so erstrahlen, dass er es bedecken musste (2. Mose 34,29).

Hier geht es zu den vorherigen Teilen des Buches.

Zum Buch:
Scheitern erwünscht!

Zur Autorin: Evi Rodemann (Jg. 1971) lebt im Grossraum Hamburg und arbeitet als Theologin und Eventmanagerin. Sie engagiert sich in der internationalen Arbeit der Lausanner Bewegung und der «WEA Mission Commission» sowie in ihrem gegründeten Verein «LeadNow». Ihr Schwerpunkt ist die junge Leitergeneration. Ihr Buch erschien zum Thema «Scheitern erwünscht – warum uns Krisen als Leitende wachsen lassen».

Datum: 24.06.2026
Autor: Evi Rodemann
Quelle: Buchauszug «Scheitern erwünscht»

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