Brücke zum Frieden statt Justiz-Showdown
Thomas Kunz leitete fast 15 Jahre die «Schule für biblische Geschäftsprinzipien», die während seiner Zeit mehr als 200 Unternehmer durchliefen. Heute leitet er die «UST GmbH», die unter anderem das Angebot «friedensstifter.ch» beinhaltet. Mit friedensstifter.ch setzt sich Thomas Kunz für Mediation ein, damit ein Streit möglichst nicht vor der Justiz eskalieren muss. Mit Thomas Kunz sprach Daniel Gerber über Gott, die Welt und das Friedenstiften.
Thomas Kunz, «friedensstifter.ch» ist da um Konflikte zu lösen, was genau tust du?
Thomas Kunz: Am einfachsten lässt sich dies durch die Geschichte dahinter erklären: Einerseits war meine Frau als selbstständige Rechtsanwältin tätig. In den 2000er-Jahren wurde sie im Raum Biel schnell als christliche Anwältin bekannt. Es zeigte sich, dass auch christliche Klienten streiten wollten, was aus biblischer Sicht nicht der Fall sein sollte. Andererseits erlebte ich während meiner fast 15-jährigen Leitung der «Schule für biblische Geschäftsprinzipien», dass Ehekonflikte oft im Geschäft sichtbar werden und dass die Begleitung von Unternehmerinnen und Unternehmern da beginnt. 2002 haben wir ein erstes Seminar zum Thema «Konflikte lösen» angeboten. Wir müssen dazu stehen, dass auch wir als Christen Konflikte haben. Es geht jedoch darum, eine gute Art und Weise zu finden, wie man diese löst. Wir sind dann das beste Zeugnis, wenn man sieht, dass wir unsere Streitigkeiten lösen können. Doch als Christen versuchen wir oft, diese unter den Teppich zu kehren und eine heile Welt zu präsentieren.
Danach lag das Thema bei uns Jahre lang brach. Doch dann wurde meine Lebenssituation kompliziert. Ich wurde arbeitslos und später ausgesteuert. Ich schaute, wo Gott früher bereits in mein Leben hineingesprochen hatte, und da war das Thema «Konflikt lösen» bald wieder präsent. Uns war klar, dass das Angebot «friedensstifter» heissen muss. Das war kurz vor Beginn der Corona-Pandemie. Das bremste den Start zwar, doch in dieser Zeit konnte ich via «CGS» (Christliche Geschäftsleute Schweiz) eine Umfrage machen, und zwar dazu, wie Christen mit Konflikten umgehen. Nach eigenen Angaben hatten 80 Prozent der Unternehmer keine Probleme. Von den übrigen 20 Prozent sagten wiederum 80 Prozent, dass sie einem weltlichen Gericht mehr vertrauen als einem christlichen Mediator, da sie schlechte Erfahrungen gemacht hatten. Nach dem Prinzip: Man hat zusammen gebetet, vergeben und dann sollte es gut sein. Der Konflikt war aber letztlich nicht gelöst.
Gibt es eine Geschichte aus deiner Arbeit, die dir in besonderer Erinnerung bleibt?
Einmal waren drei Schwestern bei mir in einer Mediation, die zusammen eine Erbengemeinschaft bildeten. Sie waren alle auf ihre Weise unzufrieden. Aber nach vier oder fünf Gesprächen hatten sie eine Lösung gefunden, wie sie mit dem Erbe umgehen, es verwalten und entwickeln können. Wir haben während der Mediation auch darüber gesprochen, wie sie ihre Kindheit erlebt haben und wie ihre Lebensentwürfe zusammenpassen. Das Sprechen und die gemeinsame Geschichte brachten die Lösung. Bei einem Konflikt geht es oft darum, wie Menschen eine Geschichte unterschiedlich wahrgenommen haben und wie sie diese verschieden interpretieren. Es gibt aber auch Geschichten, bei denen es keine Lösung gab. Manche Menschen sehen die Realität nicht so, wie sie ist. Ich habe auch schon erlebt, dass jemand in der Mediation nicht die Wahrheit – oder nicht alles – gesagt hat. Ich muss aber davon ausgehen können, dass das Gesagte richtig ist, sonst kann ich nicht damit arbeiten.
Wie hat dein persönlicher Glaube dein Wirken geprägt?
Als Christen können wir Konflikte lösen. Ich bin im Moment selbst Teil einer Konflikt-Partei und habe signalisiert, dass wir eine Lösung finden werden. Die anderen Teilnehmer haben wohl keine Glaubenshaltung, doch in einem solchen Projekt muss ich der Erste sein, der einen Auseinandersetzung lösen will. Das ist mein Auftrag. Ich bin gespannt und überzeugt, dass wir eine Lösung finden werden. Wenn ich in einen Streit verwickelt bin, helfe ich, Lösungen zu suchen, und mein Glaube fordert mich heraus, im ganzen Prozess ich selbst zu sein.
Der zweite Punkt ist: In der Bibel, in Epheser Kapitel 2, Vers 10 heisst es, dass wir in von Gott vorbereiteten Werken wandeln sollen; doch was hat Gott vorbereitet? Manchmal muss ich deshalb auch etwas ablehnen, auch wenn es finanziell lukrativ wäre; einfach darum, weil es nicht für mich ist. Es ist sehr, sehr wichtig, seinen Impulsen nachzugehen. Ich spreche im Alltag nicht andauernd von Jesus, sondern ich versuche, die Glaubenshaltung vorzuleben. Wenn ich mich in einer Mediation ausschliesslich mit Christen befinde, versuche ich zu klären, ob ich mit ihnen beten soll oder nicht. Denn das Gebet kann bei den Konflikt-Parteien auch den Gedanken auslösen, dass durch das Gebet alles gekittet wurde und nun in Ordnung sein soll und der Konflikt eigentlich gar nicht in seiner Tiefe gelöst worden ist.
Wie triffst du schwierige Entscheidungen im Spannungsfeld zwischen Erfolg und biblischen Werten?
Für mich bedeutet Erfolg, das umzusetzen, was Gott mir vor die Füsse legt. Ob ich damit Geld verdiene oder nicht, ist dabei sekundär. Es gibt viele Projekte, die ich umgesetzt habe und die zwar kein Geld generierten, die aber von Gott gewollt waren. Jemand sagte einmal zu mir, dass eine meiner Berufungen ist, Dinge zu ermöglichen. Wenn mich beispielsweise junge Menschen wegen eines Geschäfts kontaktieren, das sie aufbauen wollen und ich ihnen helfen kann, dann freue ich mich und stelle nicht gleich eine Rechnung. Wenn ich ihre Vision sehe und helfen kann und sie den Schritt wagen, dann bin ich für mich erfolgreich.
Es geht darum, das zu tun, was Gott sagt, und wichtige Entscheidungen immer im Team zu treffen. Ich bete mit anderen Menschen und mir ist wichtig, was andere prophetisch gehört haben. Doch am Ende treffe ich die Entscheidung und das muss nicht das sein, was jemand prophetisch gesagt hat. Ich treffe einen Entscheid aus meiner eigenen Verantwortung. In der Bibel, in Römer Kapitel 8, Vers 28 steht: «Denen, die Gott lieben, dienen alle Dinge zum Besten.» Ich brauche dieses Wissen, dass sobald ich einen Entscheid treffe, mir alles, was nun kommt, zum Besten dient. So wie damals, als ich den Job gekündigt hatte. Zunächst wurde ich arbeitslos, weil es mit der neuen Stelle nicht geklappt hatte. Doch ich hatte den Entscheid getroffen – nach einem Jahr Reflektieren und Beten mit Freunden. Doch ich wusste, dass die ganze Situation letztlich dennoch zum Besten dient. So wurde eine Glaubenskrise verhindert … und zuletzt entstand friedensstifter.ch.
Wie baust du durch deine Arbeit das Reich Gottes?
Matthäus Kapitel 5, Vers 9 sagt: «Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heissen.» Überall, wo es gelingt, dass Beziehungen wieder hergestellt oder versöhnt werden, geschieht Reich Gottes. Unabhängig davon, ob die Menschen Christen sind oder nicht. Gott ist ein Gott des Friedens. Überall, wo so etwas entsteht, geschieht Reich Gottes.
Hast du noch einen Gedanken, den du loswerden möchtest?
Es gibt ein Erlebnis, das lebensprägend war. Jemand fragte mich: «Kennst du Jesus?» Ich bejahte. Da entgegnete das Gegenüber: «Das ist dein Problem!» Es war übrigens ein Seelsorger, mit dem ich da am Sprechen war… Das kam bei mir zuerst nicht so gut an. Doch er erklärte: «Wenn du glaubst, Jesus zu kennen, hörst du auf, ihn zu suchen. Du kannst nie sagen, dass du ihn kennst, sonst entdeckst du nicht mehr, weil bereits ein innerer Abschluss besteht.» Doch Gott hat sehr viele Facetten und eine grosse Breite. Andere machen andere Erfahrungen mit ihm. Es gilt, immer wieder offen zu sein. Man kann immer wieder etwas Neues von Gott entdecken und sich zum Beispiel auf einen koptischen Mönch einlassen. Es gibt immer mehr zu entdecken.
Der zweite Gedanke ist ein ähnlicher; er dreht sich um die einfache Wahrheit: Gott ist Gott und ich nicht. Es geht darum, herauszufinden, was das im Alltag heisst.
Zum Autor: Daniel Gerber schreibt seit 25 Jahren für Livenet. Er ist freier Journalist und Autor mehrerer Bücher; zuletzt «Wo Jesus barfuss geht» (im SCM Hänssler-Verlag) mit Markus und Katharina Freudiger. Besonders wohl fühlt er sich in den Weiten Afrikas. Er ist verheiratet mit Guilene und Vater von drei Kindern.
Datum: 13.06.2026
Autor:
Daniel Gerber
Quelle:
Livenet